Jim Rogers: "Der Euro war eine großartige Idee, die fürchterlich ausgeführt wurde"

InterviewJim Rogers: "Der Euro war eine großartige Idee, die fürchterlich ausgeführt wurde"

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Rogers, 72, gründete 1970 mit George Soros den Quantum Fund und machte sich später als Rohstoff- und Schwellenland-Investor einen Namen. Nach diversen Weltreisen lebt er heute in Singapur.

Börsenguru Jim Rogers erklärt im Interview, warum er an chinesischen Aktien festhält und bei den Rohstoffpreisen ein Ende des heftigen Abwärtstrends sieht.

WirtschaftsWoche: Mister Rogers, China steht im Zeichen eines gewaltigen Börsencrashs. Auch scheinen die Zeiten des dynamischen Wirtschaftswachstums vorbei, und im Immobiliensektor drohen ebenfalls empfindliche Rückschläge. Ist der Höhenflug des Drachen damit beendet?

Jim Rogers: Ich sehe in den Kursverlusten eher eine gesunde Korrektur als einen Crash, der eine lang andauernde Baisse einläutet.

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Wie geht es weiter?

Ich erwarte für die nächsten Wochen eine erste Bodenbildung. Leider hat die chinesische Regierung beschlossen, den Markt zu stützen. Dies wird die Bereinigung in die Länge ziehen. Was wir erlebt haben, wird nicht die letzte Krise in China sein. Dennoch wird das Land das 21. Jahrhundert dominieren. Ich habe nicht vor, meine chinesischen Aktien zu verkaufen, sondern hoffe, sie an meine Töchter vererben können, die damit dann hoffentlich zu reichen Frauen werden.

Haben Sie Anlagefavoriten?

Im November 2013 legte das Plenum des Zentralkomitees der KP die Grundzüge für die weitere Entwicklung fest. Dazu gehören die Entwicklung des Hinterlands, der Ausbau der Infrastruktur und die Förderung von Agrarunternehmen. Wer in China investieren will, sollte sich die Beschlüsse genau anschauen. Ich halte mich nicht für klüger als die kommunistische Partei Chinas und würde definitiv nicht gegen sie wetten.

Sind Sie optimistisch für den Renminbi? Viele sehen in ihm die neue Weltleitwährung...

Dazu müsste man ihn erst einmal wirklich frei handeln können. Nein, im Augenblick gibt es keine Konkurrenz zum US-Dollar. Der ist zwar eine schlimme Währung, aber eben auch der vermeintlich einzige sichere Hafen. Der Euro war eine großartige Idee, die aber fürchterlich ausgeführt wurde. Wer alle Regeln bricht, gewinnt kein Vertrauen. Der Renminbi kann ein Konkurrent für den US-Dollar werden, aber ganz sicher nicht in einem Jahr, auch nicht in fünf Jahren.

Chinesische Aktien Deutsche Börse will Kauf erleichtern

Europäische Investoren können über die Deutsche Börse künftig einfacher in chinesische Aktien und Indexfonds (ETFs) investieren. Damit werden künftig eine Vielzahl von Finanzprodukten in Renminbi gehandelt.

Deutsche Börse will Kauf erleichtern Quelle: REUTERS

Wird die Fed im Herbst die Zinsen anheben?

Die Fed folgt meist nur den Märkten. Deshalb beobachte ich lieber die Märkte selbst. Die Zinsen am langen Ende steigen seit 2012, und nun steigen sie auch am kurzen Ende. Nach einigen Zinserhöhungen werden die Börsennotierungen nach Süden drehen und die Marktteilnehmer den Weltuntergang ausrufen. Dann wird in der Fed Panik ausbrechen und Chefin Janet Yellen zur Rettung der Anleger geritten kommen. Politiker und Zentralbanker glauben, Probleme ließen sich durch noch mehr Schulden lösen. Ein

schlimmer Irrtum. Am Ende werden soziale Unruhen und Krieg stehen.

Hier in der Region gibt es Konflikte um Inselgruppen im südchinesischen Meer, in Europa führte der Ukrainekonflikt zum Zerwürfnis zwischen Russland und dem Westen.

Die Situation ähnelt der am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Eine aufstrebende Macht fordert die etablierte, aber angeschlagene Macht heraus. Damals waren das Deutschland und Großbritannien, heute sind es China und die USA. Auch der Konflikt in der Ukraine, der maßgeblich von den USA befeuert wurde, steht in diesem Kontext. Letztlich wird Russland in die Arme Chinas getrieben und der Abstieg des Westens beschleunigt. Denken Sie an die jüngst gegründete asiatische Infrastrukturbank, die als Konkurrenz zu IWF und Weltbank gedacht ist. Amerikas Einfluss in der Welt sinkt.

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Konflikte müssten die Preise für Rohstoffe treiben. Tatsächlich aber fallen sie.

Das stimmt. Ich hätte das in dieser massiven Form nicht erwartet. Für Rohstoffpreise sind Angebot und Nachfrage entscheidend. Weil die Erholung der Weltwirtschaft deutlich langsamer als erwartet ablief, stieß das in Erwartung der Erholung ausgeweitete Angebot auf eine deutlich geringere Nachfrage. Dramatische Überkapazitäten aber sehe ich nirgends. Daher vermute ich, dass die Preise in diesem Jahr einen neuen Boden ausbilden. Die Einigung im Atomstreit mit dem Iran wird den Ölpreis wohl noch weiter drücken, eventuell sehen wir die alten Tiefs noch einmal. Aber die Welt verbraucht immer mehr Öl. Reserven, die günstig zu fördern waren, gehen zur Neige. Alle neuen Vorkommen verlangen nach deutlich höheren Preisen, um die Förderung rentabel werden zu lassen. Dies gilt für Fracking ebenso wie für brasilianische Tiefseeölfelder oder kanadische Ölsande. Über die meisten Rohstoffe lässt sich Ähnliches aussagen. Bei Agrarrohstoffen bin ich langfristig besondere optimistisch, weil die fruchtbaren Flächen weltweit zurückgehen.

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