John Paul Scandalios: "Bei Apple muss man nochmal genauer hinschauen"

InterviewJohn Paul Scandalios: "Bei Apple muss man nochmal genauer hinschauen"

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John Paul Scandalios will sich von Tagesgeschehen nicht verrückt machen lassen

von Matthias Hohensee

Einer der einflussreichsten Manager von Technologieaktienfonds in den USA erklärt, welche Risiken rasante Kursentwicklungen der Internet-Papiere vor dem Twitter-Börsengang bergen.

WirtschaftsWoche: Mr. Scandalios, im Silicon Valley und an der Wall Street fiebert man dem Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter entgegen. Sie auch?

Scandalios: Wir schauen uns das wie immer alles nüchtern an. Momentan stecken wir noch in der Analyse, die Firmenpräsentation findet ja erst noch statt. Aber ganz generell finde ich Unternehmen, die Internet-Plattformen betreiben, sehr interessant.

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Warum?

Weil diese Plattformen, wenn sie erfolgreich sind, massiv skalierbar sind. Andere Marktteilnehmer setzen auf ihnen auf. Außerdem lassen sich mit ihnen verschiedenste Geschäftsmodelle realisieren, beispielsweise mit Werbung und Marketing. Das ist der Grund, warum wir beispielsweise in Facebook und LinkedIn investiert sind. Ob Twitter ähnlich ausbaubar ist, müssen wir uns im Team aber noch genauer anschauen.

Was der Börsenprospekt über Twitter enthüllt

  • Durchweg rote Zahlen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres lief ein Verlust von 69,2 Millionen Dollar auf. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 79,4 Millionen und 2011 sogar 164 Millionen Dollar. Zur Jahresmitte hatte das Unternehmen noch gut 160 Millionen Dollar auf der hohen Kante.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Twitter nahm in dem Jahr nur gut sieben Millionen Dollar mit Anzeigen ein. Im ersten Halbjahr 2013 erreichten die Werbeerlöse bereits 221 Millionen Dollar.

  • Mehr als 200 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Rund 65 Prozent der Werbeerlöse werden auf iPhones und iPads von Apple oder Smartphones und Tablets mit dem Google-System Android erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter rund 215 Millionen Nutzer pro Monat, rund 100 Millionen Menschen greifen auf den Dienst täglich zu.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

  • Aktien als Managerlohn

    Twitter-Chef Dick Costolo wird jetzt vor allem mit Aktien bezahlt. Seit August bekommt er nur noch ein Jahresgehalt von 14.000 Dollar statt bisher 200.000 Dollar. Dafür wurden ihm allein 2012 Aktien und Optionen im geschätzten Wert von über elf Millionen Dollar zugeteilt. Mit dem Börsengang könnten die Anteile noch deutlich wertvoller werden.

Wie wird der Börsengang von Twitter den Markt für Internet-Aktien beeinflussen?

Internet-Aktien haben sich in diesem Jahr extrem gut entwickelt, wenn man sich nur mal Google anschaut, Amazon, Facebook oder auch kleinere Werte wie Yelp oder Shutterfly. Lassen Sie es mich so sagen: Falls der Twitter-Börsengang enttäuschen sollte, würde das sicher eine Delle geben. Aber der Sektor würde nicht entgleisen.

Sind Tech-Werte nicht schon zu teuer?

Sie sind nicht mehr so attraktiv. Sie haben so zugelegt, dass meine Unruhe wächst.

Wie sichern Sie Risiken ab?

Wir streuen viel breiter. Die Zeiten, wo wir vier, fünf oder gar sieben Prozent unseres Portfolios in einer Aktie hatten, sind vorbei. Manche Investoren hatten 20 Prozent in Apple, und man sieht, wie schnell die Unsicherheit am Markt um sich greifen kann. Wir haben einen Korridor zwischen 1,5 und 3,0 Prozent.

Ihr größtes Investment ist Amazon. Ein Unternehmen, das mit 150 Milliarden Dollar bewertet wird, obwohl es im vergangenen Jahr sogar Verluste schrieb.

Aber die Wachstumschancen sind enorm. Amazon ist klar im Expansionsmodus. E-Commerce hat ja noch immer erst eine Marktdurchdringung von etwas über zehn Prozent in den USA. Amazons Anteil beträgt etwa 15 Prozent derzeit. Ich sehe keinen Grund, warum der Internet-Handel nicht auf 20 bis 30 Prozent Marktanteil steigen kann und Amazon vielleicht davon 25 Prozent hat. Das Potenzial ist also wesentlich höher als der 75-Milliarden-Dollar-Umsatz, der 2013 für Amazon erwartet wird.

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