Kanada-Fonds: Die abenteuerlichen Argumente der Ölbarone

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Kanada-Fonds: Die abenteuerlichen Argumente der Ölbarone

von Florian Zerfaß

Mit einer PR-Offensive will „Proven Oil Canada“ seine schmierigen Geschäfte retten – doch während etliche Argumente abenteuerlich sind, hält das Unternehmen die tatsächlich relevanten Unterlagen unter Verschluss.

Die Panik muss groß sein bei den Ölfonds-Anbietern von „Proven Oil Canada“ (POC) und deren Muttergesellschaft, der „Conserve Oil Corporation“ (COC) in Calgary. Die WirtschaftsWoche hatte über „Schmierige Geschäfte mit kanadischem Öl“ berichtet, über problematische Bilanzen und darüber, wie Milliardenpleitier Jürgen Hanne im Hintergrund mitgewirkt hat. Proven Oil hat nun eine PR-Offensive gestartet, den Fondsanalysten Stephan Appel nach Kanada einfliegen lassen und eine Anti-WiWo-Seite ins Netz gestellt.

Scan aus dem Buch "Steuern sparen hohe Schule" (1993).  Quelle: Scan aus dem Buch "Steuern sparen hohe Schule" (1993).

Hanne-Artikel "Kein Aufwand, kaum Risiko, hoher Ertrag".

Bild: Scan aus dem Buch "Steuern sparen hohe Schule" (1993).

Zugleich meldeten Anwälte von Proven Oil den Einbruch des Geschäftsmodells. Zahlreiche Anleger hätten unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den WiWo-Artikel den Widerruf ihrer Fondszeichnung erklärt, Interessenten von einer Beteiligung Abstand genommen, Vertriebspartner den Vertrieb vollständig ausgesetzt. Man wolle Schadenersatz in noch unbekannter Höhe. „Es zeichnet sich ab, dass jedenfalls in Deutschland wohl zukünftig Platzierungen in dem geplanten erheblichen Umfang nicht mehr möglich sind“, schreibt die Kanzlei von Proven Oil, „dies unterminiert das Geschäftsmodell unserer Mandanten in beträchtlichem Umfang.“

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Die POC-Argumente im Faktencheck

PR-technisch lässt sich das ebenfalls ausschlachten. In einer Mail an den Vertrieb wies Proven-Oil-Chefin Monika Galba auf die neue Webseite hin und schrieb, es seien „diverse juristische Maßnahmen“ gegen die WiWo eingeleitet worden. Dass wir die Aufforderungen der Proven Oil-Anwälte vollumfänglich zurückgewiesen haben, schreibt sie nicht dazu. Gerichtlich wurden bisher nach unserer Kenntnis noch gar keine Ansprüche geltend gemacht. Überhaupt sind die Argumente, mit denen Proven Oil jetzt die Anleger beruhigen will, größtenteils abenteuerlich. Einem Faktencheck halten sie nicht stand. Wir haben ein Dutzend Vorwürfe genauer untersucht.

1 – Abgebrochenes Interview

Behauptung Proven Oil: „Diesem Artikel ist u. a. ein persönliches Gespräch mit dem Autor vorausgegangen, das unsererseits allerdings abgebrochen werden musste, da deutlich wurde, dass dieser kein tatsächliches Interesse an unserem Geschäftsfeld und an der wirtschaftlichen Entwicklung der Fondsgesellschaften hatte.“

Das Interview wurde mitnichten abgebrochen. Es fand am 22. November 2012 in den Geschäftsräumen von Proven Oil in Berlin statt und war auf dreieinhalb bis vier Stunden angesetzt. Am Ende dauerte es gut fünfeinhalb Stunden. Zum Geschäftsfeld und der wirtschaftlichen Entwicklung der Fondsgesellschaften wurde POC-Sprecher Michael Oehme bereits am 14. November 2012 ein umfangreicher Fragenkatalog per E-Mail zugeschickt.

2 – Transparenz & Dokumente
Behauptung Proven Oil: „Selbstverständlich haben wir uns mit den Fragen der „Wirtschaftswoche“ dezidiert und detailliert auseinandergesetzt, dem Autor umfangreich Dokumente zum Beleg zur Verfügung gestellt und auf diese Weise versucht dazu beizutragen, die nun getroffenen unwahren Behauptungen zu negieren.“

Das von Proven Oil vorgebrachte „Transparenzangebot“ bestand vorwiegend in der mehrfach ausgesprochenen Einladung, sich die Anlagen des Unternehmens vor Ort in Kanada anzuschauen – gerne auch auf Firmenkosten. Relevante Dokumente, insbesondere die testierten Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaften, wurden uns dagegen auch auf mehrfache Nachfrage gerade nicht zur Verfügung gestellt. POC-Sprecher Stephan Clausen schrieb: „Außerdem haben Sie die POC, in Person Frau Galba, mehrfach um die Herausgabe der Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaften gebeten. Diesem Begehren ist die POC-Geschäftsführung nicht nachgekommen, weil zum einen keine Rechtsgrundlage existiert, auf deren Basis die „Wirtschaftswoche“ dieses Verlangen stützen könnte. Zum anderen muss die POC bei einer Veröffentlichung dieser Bilanzen, die im Übrigen gesetzlich auch nicht vorgeschrieben ist, im hart umkämpften Öl- und Gasmarkt Wettbewerbsnachteile und wettbewerbsrechtliche Nachteile fürchten.“ Wettbewerbsrechtliche Nachteile sind nun wirklich weit her geholt. Andere Unternehmen veröffentlichen ihre Ergebnisse auch – oft sogar nicht nur jährlich, sondern quartalsweise. Der WiWo ist bisher kein Fall bekannt, in dem die Veröffentlichung von testierten Bilanzen wettbewerbsrechtlich angegriffen worden wäre. Wo sollte darin auch ein unlauterer Wettbewerb liegen? Dass Proven Oil bei einer Veröffentlichung Wettbewerbsnachteile fürchtet, spricht dagegen für sich.

Die POC-Argumente im Faktencheck - Punkt 3 und 4

Fonds Schmierige Geschäfte mit Kanadas Öl

Verbindungen zu Milliardenpleitier Jürgen Hanne

Quelle: dpa

3 – Bestehen einer Vertraulichkeitsvereinbarung

Behauptung Proven Oil: Der WiWo-Artikel sei unwahr in dem Punkt, dass Geheimniskrämerei zum Geschäftsprinzip gehöre und es eine Vertraulichkeitsvereinbarung zwischen den Eigentümern der Conserve Oil Corporation gebe. „Tatsächlich ist es nach kanadischem Recht nicht zulässig, die Gesellschafter von privaten Firmen ohne deren Zustimmung öffentlich zu benennen. […] Überdies sieht das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) im „IDW Standard: Grundsätze ordnungsmäßiger Beurteilung von Verkaufsprospekten über öffentlich angebotene Vermögensanlagen (IDW S 4) (Stand: 18.05.2006)“ vor, dass bei den wesentlichen Vertragspartnern nur Gesellschafter zu nennen sind, die 25 Prozent oder mehr der Anteile und/oder Stimmrechte haben. […]Die COC war außerdem bemüht, dem Autor die Gesellschafterstruktur transparent zu machen. Es war allerdings aufgrund der kurzen Fristsetzung - der Autor sandte seine Fragen am 28. Dezember um 13 Uhr ein und wollte diese bis zum 2. Januar um 13 Uhr beantwortet haben - nicht möglich, alle Gesellschafter um das diesbezügliche Einverständnis zu bitten. Dies wird derzeit nachgeholt, so dass die Gesellschafterstruktur selbstverständlich veröffentlicht werden kann.“

Die Vertraulichkeitsvereinbarung ist keine Erfindung der WiWo. Als das Hamburger Fondsanalysehaus FondsMedia vor rund einem Jahr die Verschleierung der Gesellschafterstruktur kritisierte, schrieb die Anwaltskanzlei Rödl und Partner im Auftrag von Proven Oil: „Die Berufung auf eine bestehende Vertraulichkeitsvereinbarung mit den Eignern der Conserve Oil Corporation ist zulässig und schützenswert.“ (Hervorhebung WiWo). Der IDW-Standard ist in mehrfacher Hinsicht irrelevant. Erstens ist es nur eine verbandsinterne Empfehlung des Instituts der deutschen Wirtschaftsprüfer, kein verbindliches deutsches Recht. Zweitens regelt der Standard S 4 nicht, welche Angaben im Prospekt zwingend enthalten sein müssen. Der Standard gilt für die Beurteilung von Prospekten vor dem Hintergrund, ob die Darstellung eines Fonds im Prospekt es einem Anleger ermöglicht, sich selbst ein ausreichendes Bild von der Kapitalanlage zu machen. Drittens regelt der Standard S 4 nicht, ob die Gesellschafterstruktur des Fondshauses offen gelegt werden muss. Der Standard rät, dass bei wesentlichen Vertragspartnern des Fonds angegeben werden soll, wer 25 % oder mehr der Anteile/Stimmrechte an dem Vertragspartner hält. Die Leistungsbilanz-Leitlinien des Verbands geschlossene Fonds (VGF) fordern sogar, dass das Emissionshaus Anteilseigner ab fünf Prozent offen legt. Doch in seiner Leistungsbilanz 2010 verweigert Proven Oil die Angaben gemäß der VGF-Leitlinien. Zur Eigentümerstruktur der Conserve Oil Corporation steht dort unter „Gesellschafter mit mind. 5 % Beteiligung“ Folgendes: „Angabe wegen Vertraulichkeit nicht möglich.“ Das Testat bekam Proven Oil trotzdem.

Dass Conserve Oil bemüht gewesen sei, die Eigentümerstruktur transparent zu machen und nur wegen einer kurzen Frist nicht dazu kam, ist falsch. Diese Frage wurde bereits am 14. November 2012 an Herrn Oehme geschickt. Im Gespräch mit Frau Galba am 22. November bekam die WiWo ein Eigentümerverzeichnis nicht vorgelegt. Am 28. Dezember wurden Nachfragen gestellt, die sich aus der weiteren Recherche nach dem Gespräch mit Frau Galba ergeben hatte. Nach der Eigentümerstruktur haben wir dabei nicht gefragt, weil wir uns in der Zwischenzeit Auskünfte aus dem kanadischen Handelsregister besorgt hatten. Frau Galba hatte mehrfach betont, dass es sich bei den Eigentümern der Conserve Oil Corporation ausschließlich um natürliche Personen handele. Unter natürlichen Personen verstehen Juristen Menschen aus Fleisch und Blut, wogegen juristische Personen Organisationen wie Firmen oder Vereine sind. Aus dem Handelsregister ergab sich, dass die 1266448 Alberta Ltd. 14 Prozent der Anteile an der Conserve Oil Corporation hält. Am 28. Dezember 2012 haben wir deshalb bei Frau Galba nachgefragt: „Betrachten Sie die 1266448 Alberta Ltd. als natürliche Person?“ Die Antwort von POC-Sprecher Stephan Clausen: „Ich habe die von Ihnen so formulierte Frage nun mehrfach gelesen und kann diese dennoch nicht konkret einordnen. Ist das Ihrerseits tatsächlich eine sachlich gestellte Frage oder eine bewusst vorgenommene Überspitzung?“

4 – Zweifel an Richtigkeit der Bilanzen

Behauptung Proven Oil: Die Bezeichnungen „Räuberpistole“ und „In den Bilanzen knirscht es“ seien falsch. „Bei geschlossenen Fonds ist das handelsrechtliche Jahresergebnis in der Investitionsphase regelmäßig durch die einmalig entstehenden Kosten der Investitionsphase geprägt. Ein positives operatives Ergebnis aus der Beteiligung an der Objektgesellschaft wird dadurch im Jahresergebnis nicht sichtbar. Unabhängig hiervon können die ausgeschütteten Liquiditätsüberschüsse bereits erwirtschaftet worden sein. Um die gebotene Transparenz zu gewährleisten, veröffentlicht POC jährlich eine testierte Leistungsbilanz. Diese belegt zweifelsfrei, dass die Ausschüttungen aus erwirtschafteten Erträgen generiert wurden und werden.“

Genau das belegt die Leistungsbilanz gerade nicht. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft schreibt: „Unsere Aufgabe war es zu beurteilen, ob die in der Leistungsbilanz 2010 im Abschnitt „Entwicklung der Fonds der POC Unternehmensgruppe“ enthaltenen fondsbezogenen Kennzahlen der einzelnen Fonds aus dem uns zur Verfügung gestellten Ausgangsunterlagen richtig abgeleitet worden sind. Die Prüfung dieser Ausgangsunterlagen war nicht Gegenstand unseres Auftrags.“ Das bedeutet zu gut Deutsch: Es wurde geprüft, ob die Berechnung anhand der selbst eingereichten Unterlagen richtig erfolgte. Die Unterlagen selbst wurden dabei nicht überprüft. Das ist anders als bei der gesetzlich vorgeschriebenen Bilanzprüfung, wo die Wirtschaftsprüfer zumindest stichprobenartig auch einzelne Belege kontrollieren. Die „testierte Leistungsbilanz“ ist dagegen eine freiwillig erstellte Übersicht gemäß der Leitlinien des VGF. Bei Proven Oil ist die jährliche Veröffentlichung der Leistungsbilanz bisher genau ein einziges Mal erfolgt. Dass positive Ergebnisse im Geschäftsbericht „nicht sichtbar“ werden und dennoch operativ erwirtschaftet worden sein „können“ (sic!), spricht für sich.

Aufschlussreich ist, wie Proven Oil hier geschickt mit verschiedenen Begriffen hantiert. Das Fondshaus verweist auf „Liquiditätsüberschüsse“ und ein „positives operatives Ergebnis“, von Gewinn spricht niemand. Dass ein Bilanzgewinn in ausreichender Höhe erzielt wurde, belegt Proven Oil nicht. Das ist aber entscheidend für die Frage, ob es sich bei den an die Anleger gezahlten Summen um Auszahlungen oder Ausschüttungen handelt. Klingt gleich, ist es aber nicht. Ausschüttungen stammen aus Gewinnen, Auszahlungen aus dem Eigenkapital. Während Proven Oil in den Stellungnahmen von „Ausschüttungen“ spricht, schreibt das Fondshaus in den Beschlussvorlagen für die Gesellschafterversammlungen von „Auszahlungen“. Tatsächlich sind beim ersten Fonds Ende 2011 gut elf Millionen Euro an Auszahlungen aus dem Kommanditkapital erfolgt. Das Eigenkapital ist 2011 im Vergleich zu 2010 geschrumpft. Das geht höchstens so lange gut, bis das Eigenkapital aufgebraucht ist. Sofern es nicht gelingt, das Schrumpfen des Eigenkapitals zu stoppen, kommt dann der Insolvenzverwalter.

Die POC-Argumente im Faktencheck - Punkt 5 bis 7

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5 – Aussage in einer Grafik

Behauptung Proven Oil: „Die Grafik ist sowohl unvollständig als auch fehlerhaft: die Ausschüttungen betragen nicht 12 Prozent p.a. Tatsächlich hat der POC Eins seit Mai 2009 nachweislich über 12 Prozent p.a. ausgeschüttet. Auch der hierin enthaltene Hinweis, dass kanadische Staatsbürger die POC-Fonds nicht zeichnen dürfen, ist irreführend. Tatsächlich ist nordamerikanischen Staatsbürgern die Beteiligung an in Deutschland emittierten geschlossenen Fonds gesetzlich generell untersagt.
Wir haben bei mittlerweile drei kanadischen Rechtsanwälten nachgefragt, ob kanadischen Staatsbürgern die Beteiligung an in Deutschland emittierten geschlossenen Fonds gesetzlich verboten ist. Keiner von ihnen kannte ein solches Gesetz. Der Passus, wonach die Fonds an Kanadier nicht verkauft werden dürfen, stand ohnehin aus einem ganz anderen Grund in unserem Artikel: In den Gesellschaftsverträgen der Fondsgesellschaften legt Proven Oil selbst fest, dass Kanadier von der Beteiligung an den Fonds ausgeschlossen sind. An sie können die Anteile daher nicht verkauft werden. In der Grafik wird auch nicht behauptet, dass der POC Eins pro Jahr 12 Prozent ausgeschüttet hat. Wir haben geschrieben: „12 Prozent Ausschüttung pro Jahr sollen beim ‚POC Eins‘ für Anleger herausspringen“ – so wie es auch in den Prospekten steht. Derzeit ist vielmehr die Frage, ob es überhaupt Ausschüttungen gegeben hat – und nicht bloß Auszahlungen. Siehe Punkt vier.

6 – Qualifikation der Conserve-Oil-Chefs

Behauptung Proven Oil: Unsere Zweifel an der Qualifikation von Conserve-Oil-President David Crombie und Vizepräsident Yoshiki Nakamura seien falsch und unvollständig. „Beide Herren hätten die Fragen des Autors beantwortet, hatten dazu aufgrund der Fristsetzung – wie bereits erwähnt, sandte der Autor seine Fragen am 28. Dezember um 13 Uhr ein und wollte diese bis zum 2. Januar um 13 Uhr beantwortet haben – keine Gelegenheit. Sowohl Mr. Crombie als auch Mr. Nakamura befanden sich zu dieser Zeit im Urlaub, sodass ihnen die Fragen gar nicht vorlagen.“

Am 2. Januar – vor Fristablauf – schrieb Maureen Hay, die Assistentin von David Crombie: „David Crombie is here if you need to speak with him and his number is 403-***-**** for mobile/cell. Perhaps David can help you first. Thanks.” Die Telefonnummer wurde von uns anonymisiert. Crombie war also im Büro, beantwortete unsere Fragen aber dennoch nicht. Ans Handy ging er auch nicht. Yoshiki Nakamura schickte noch am 28. Dezember 2012, nur etwa eine halbe Stunde nach Absenden der E-Mail-Anfrage, die angeforderte Lesebestätigung. Bezüglich Nakamura schreibt Proven Oil in der Stellungnahme zudem, seine Vergangenheit als Assistant Manager in zwei Hotels spreche nicht gegen seine Qualifikation für die Tätigkeit bei Conserve Oil: „Yoshiki Nakamura ist nicht innerhalb des operativen Geschäfts der COC tätig, sondern innerhalb der Verwaltung. Seine Qualifikation für dieses Feld ist, nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrung im Personalwesen aus seinen vorherigen Tätigkeiten, unbestritten.“ Laut Homepage der Conserve Oil Corporation ist Nakamura „Vice-President Business Development“, also für die strategische Entwicklung des Unternehmens zuständig. Nach Auffassung der WiWo dürfte Expertise im Ölgeschäft dabei nicht schaden.

7 – Interpretation von Bilanzzahlen

Behauptung Proven Oil: Unsere Interpretation eines von Frau Galba vorgelegten Finanzberichts für die kanadische Objektgesellschaft des ersten Fonds sei fehlerhaft. „Damit nimmt der Autor, der sich auf den Jahresabschluss der Objektgesellschaft für 2010 bezieht, offenbar aufgrund mangelnder Sachkenntnis eine gänzlich unzutreffende Interpretation vor, denn das betreffende Dokument heißt nicht nur „Statement of Earnings“ wie die An- und Abführung andeutet, sondern vollständig „Statement ofEarnings BeforeDepletion, AmortizationandAccretion“. Die deutsche Übersetzung in Klammern „(Ertragsüberblick)“ stammt vom Autor selbst. Und demzufolge weist dieses Dokument nicht etwa „…einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 7,94 Millionen kanadischen Dollar aus.“. Vielmehr weist dieses Dokument – so wie es dessen Titel ja auch besagt - Earnings Before Depletion, Amortization and Accretion aus, also Erträge vor Abschreibungen, Abgrenzungen und Zuschreibungen. Das ist etwas anderes als das Ebitda. Ebitda ist die englische Abkürzung für Earnings before interest, taxes, depreciationandamortisation. Das „Statement of EarningsBeforeDepletion, Amortization andAccretion“ berücksichtigt also - anders als das Ebitda – Zinsen und Steuern. Als passende Abkürzung hierfür ließe sich also Ebda (Earningsbeforedepreciationand amortisation) verwenden - das entspricht dem operativen Cashflow der Objektgesellschaft.

Das Dokument trägt zwar in der Tat den Titel „Statement of Earnings before Depletion, Amortization and Accretion“, weist aber dennoch den Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus. Anders als in der POC-Stellungnahme behauptet sind Zinsen und Steuern in diesem Ertragsstatement nicht inbegriffen. Bezüglich Zinsen auf die Kredite, die für den Kauf von Quellen aufgenommen wurden, heißt es explizit: „Expenditures related to the evaluation, negotiation and acquisition of producing petroleum and natural gas properties, including interest charges incurred on acquisition, are paid from partner’s capital.“

Das Statement ist untestiert, und der Prüfer warnt in deutlichen Worten, dass deshalb auch Murks drin stehen könnte: „Readers are cautioned that these statements may not be appropriate for their purposes.“ Leser sind gewarnt, dass diese Angaben für ihre Zwecke ungeeignet sein könnten. Klarheit über die wirtschaftliche Lage der Fonds würden die vollständigen testierten Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaften schaffen – die aber will Proven Oil nicht herausrücken.

Doch auch das „Statement of Earnings“ ist spannend genug. Auf der Kostenseite sind neben Zinsen auch etliche andere Kosten wie „Know How Transfer Fee“, „Planning Fee“, „Admin Fee“, „Legal and Accounting Fees“ und „Finance Fees“ aus der Berechnung herausgenommen worden. Die Überschüsse erscheinen somit künstlich höher, als sie tatsächlich sind. Unter dem Strich bleiben als Jahresüberschuss nach allen Kosten kärgliche 800 000 Dollar übrig.

Die POC-Argumente im Faktencheck - Punkt 8 bis 10

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Monika Galba ist ausgebildete Zahnärztin und Geschäftsführerin der deutschen Conserve-Oil-Töchter

8 – Informationen für Anleger

Behauptung Proven Oil: Im Hinblick auf die Transparenz der POC-Fonds formuliert der Autor: „Was mit ihrem Geld passiert, können Anleger von Proven Oil kaum nachvollziehen. Deren deutsche Fondsgesellschaften investieren nicht direkt in Kanada, entsprechend dürftig sind die Angaben in den Geschäftsberichten. Aufschlussreicher wären die Bilanzen der Objektgesellschaften in Kanada, an denen sich die Fondsgesellschaften beteiligen. Deren Bilanzen aber bekommen die Anleger nicht zugeschickt.“ Diese Behauptung ist falsch. In den Einladungen zu den Gesellschafterversammlungen ab 2010 ist der wesentliche Inhalt von Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung der kanadischen Objektgesellschaft mit den entsprechenden Zahlenwerten detailliert dargestellt. Außerdem werden diese Zahlen innerhalb der Gesellschafterversammlungen ausführlich erläutert.

Damit bestätigt Proven Oil unsere Darstellung. Anleger bekommen nicht die vollständigen testierten Bilanzen der Objektgesellschaften zugeschickt, sondern nur Auszüge daraus. Die WiWo bekommt die Bilanzen trotz mehrfacher Nachfragen gar nicht zu sehen. Was da wohl Aufschlussreiches über die Geschäfte der Ölbarone drin stehen mag?

9 – Geförderte Menge an Öl & Gas
Behauptung Proven Oil: Zu den Zweifeln an der tatsächlich geförderten Ölmenge heißt es in der Stellungnahme: „Tatsächlich werden in den genannten staatlichen Statistiken ausschließlich „publiccompanies“, also öffentliche Unternehmen des kanadischen Öl- und Gassektors erfasst, die ihre täglich geförderten Produktionsmengen in ihren Quartalsberichten angeben. Hierauf bezieht sich die „Oilweek“ mit ihren Rankings. Da die COC kein öffentliches Unternehmen ist, kann sie mit ihren Fördermengen, die tatsächlich 5.061 Barrel betragen, in diesen Rankings nicht abgebildet werden.“
Im Rahmen unserer Recherche hatten wir auch bei „Oilweek“ selbst nachgefragt. Eine Mitarbeiterin des Research-Teams, die als Data Coordinator arbeitet, teilte daraufhin am 23. November per E-Mail mit, dass Conserve Oil in den Datenbanken auftaucht. Zitat:

„[…]you are right Conserve is not listed in there but we do have them showing some drilling. This is what we have found out;

Conserve Oil & Gas No. II Corporation (12 wells drilled from Sep 11 – Feb 12)

Conserve Oil Corporation (3 wells drilled from Sep 11 – Oct 11)

Conserve Oil 1st Corporation (9 wells drilled from Aug 12 – Nov 12)

Conserve Oil 6th Corporation (11 wells drilled from Aug 12 – Nov 12)

As for the legitimacy of the company we are not sure. […]”

Für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaft ist die geförderte Ölmenge ohnehin nicht entscheidend. Hier könnten alleine die testierten Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaft Aufschluss geben – die wiederum hält Conserve Oil unter Verschluss.

10 – Interpretation eines Risikohinweises

Behauptung Proven Oil: Proven Oil wirft uns vor, den in den Prospekten enthaltenen Risikohinweis vor betrügerischen Absichten von Vertragspartnern falsch zu interpretieren. Diesen Hinweis hatten wir „grotesk“ genannt. Zitat Proven Oil: „Die POC fasst ihre Prospekte u. a. auf Basis der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vorgegebenen Vermögensanlagen-Verkaufsprospekt-verordnung ab. Eine Aufklärung der Anleger in den Risikohinweisen soll demnach auch das Verhalten der Vertragspartner umfassen. Insofern ist ein Hinweis auf ein mögliches Fehlverhalten der Vertragspartner – auch auf deliktisches Handeln – in zahlreichen Prospekten, so diese denn wie die POC-Prospekte, ordnungsgemäß abgefasst sind, enthalten.“

Die Vermögensanlagen-Verkaufsprospekt-Verordnung schreibt den Hinweis, dass betrügerische Absichten von Vertragspartnern nicht ausgeschlossen werden können, nicht in diesem Wortlaut vor. Wir haben insgesamt vier Rechtsanwälte zu diesem Hinweis befragt. Alle haben diesen Hinweis gleichlautend bewertet, zwei von ihnen werden namentlich zitiert. So sagt Rechtsanwalt Martin Seidel von der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen: „So etwas habe ich in einem Prospekt noch nicht gelesen.“ Sein Frankfurter Kollege Andreas Lang von der Kanzlei Nieding+Barth sagt: „So eine Formulierung ist mir bisher noch nicht unter gekommen. Wenn ich so etwas in einem Prospekt lese, dann gehe ich als Anleger davon aus, dass das eine unseriöse Geschichte ist. Dann mache ich natürlich einen weiten Bogen drum herum.“

Die POC-Argumente im Faktencheck - Punkt 11 und 12

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Harry Helwerda ist Vizechef des "unabhängigen Gutachters" Sproule und preist die Fonds an

11 – Verbindungen zu Dr. Jürgen Hanne

Behauptung Proven Oil: Schlussendlich möchten wir noch auf die zentrale These des Autors – Dr. Jürgen Hanne sei in wie auch immer gearteter Weise mit POC und/oder COC verbunden – bzw. dessen Versuch diese Verbindung über die Tätigkeit von dessen Söhnen innerhalb der COC herzustellen, eingehen. Tatsächlich hat vor 14 Jahren die eingangs dieses Schreibens dargelegte Verbindung zu Herrn Hainzl bestanden. Und tatsächlich sind die beiden Herren Sebastian Hanne und Alexander Gramatzki auch aus dieser Zeit bekannt. Aber selbstverständlich ist nicht diese Verbindung, sondern allein deren in den Bereichen landdepartment sowie Erschließung von Öl- und Gasquellen unbestreitbare und im Übrigen auch vielfach gefragte Kompetenz ausschlaggebend für die Mitarbeit innerhalb der COC. Wie diese Ausführungen in ihrer Gesamtheit erkennen lassen, ist die „Wirtschaftswoche“ mit einem erheblichen Aufwand darum bemüht, zu belegen, dass Proven Oil Canada und die Conserve Oil Corporation ihren Tätigkeiten nicht ordnungsgemäß nachgehen bzw. sich dazu Personen bedienen, deren Reputation zweifelhaft ist. Dazu werden, wie beispielsweise bei dem Verweis auf Dr. Jürgen Hanne, teilweise geschäftliche Beziehungen aus der Vergangenheit bemüht oder aber dessen Verfehlungen auf seine Söhne, ungeachtet deren Reputation, geschäftlichem Erfolg und untadeligem Ruf, übertragen – ein Vorgang, der auf unangenehme Weise einer Art „Sippenhaft“ gleich kommt.

Im Artikel werden eine Vielzahl von Indizien genannt, die eine Verbindung von Jürgen Hanne zur Conserve Oil Corporation nahe legen. Die Söhne von Herrn Hanne werden dabei von uns keineswegs in Sippenhaft genommen. Die von uns erstellte Grafik zeigt unter anderem den Verkaufsweg eines Grundstücks von der Calgary Ventures Inc. über den Zwischenhändler Archie Timmerman bis zum Fonds. Tatsächlich sind für die Calgary Ventures Inc. im kanadischen Handelsregister Sebastian Hanne und Alexander Gramatzki (geb. Hanne) als „Director“ eingetragen. Die von uns engagierte kanadische Rechtsanwaltskanzlei hat die Unterlagen für den Verkauf der vier Grundstücke von der Calgary Ventures Inc. an Zwischenhändler Archie Timmerman aus dem Title Register (Grundbuchregister) gefischt. Für mindestens eines der Grundstücke unterzeichnete nicht etwa einer der Hanne-Juniors als Director das Dokument, sondern Papa Jürgen Hanne selbst – als „President“ der Calgary Ventures Inc.

12 – Rückforderungen an Anleger

Behauptung Proven Oil: Anleger müssen nicht fürchten, dass sie die bisher erhaltenen Ausschüttungen zurückzahlen müssen. „Bei den POC-Fonds haften die Anleger den Gläubigern des Fonds nur mit der im Handelsregister eingetragenen Haftsumme iHv 0,1 % der Pflichteinlage. Ein Anleger mit einer erbrachten Pflichteinlage von EUR 100.000 haftet Gläubigern der Fondsgesellschaft also nur mit maximal EUR 100, wenn er zuvor seine gesamte bereits geleistete Pflichteinlage entnommen hat und dies nicht durch Gewinne gedeckt war. Dies bleibt in der Antwort von Herrn Lang unberücksichtigt.

Auch hier wird es wieder sehr juristisch. Es gibt einen Unterschied zwischen dem so genannten Außenverhältnis und dem Innenverhältnis. Das Außenverhältnis besagt vereinfacht ausgedrückt, in welcher Höhe die Kommanditgesellschafter des Fonds den Gläubigern des Fonds persönlich haften. Hier ist in der Tat die im Handelsregister eingetragene Haftsumme von 0,1 Prozent entscheidend. Juristisch ist allerdings strittig, ob eine so niedrige Haftsumme überhaupt zulässig ist.

Das Innenverhältnis wiederum besagt, in welcher Höhe die Kommanditgesellschafter in das Unternehmen selbst Geld reinstecken müssen, wenn dieses in Schieflage gerät. Eine Nachschusspflicht hat Proven Oil ausgeschlossen. Im Innenverhältnis gilt allerdings, dass Auszahlungen aus dem Kommanditkapital (auch als „Pflichteinlage“ bezeichnet) zurückgefordert werden können, bis die volle Höhe der Pflichteinlage wieder erreicht ist. Hier sind wir wieder bei Punkt vier: Auszahlungen sind eben nicht gleich Ausschüttungen. Damit drohen Anlegern potenziell Rückzahlungen der bisher erhaltenen Gelder.

So ganz geheuer sind Proven Oil die auf der Website verbreiteten Angaben offenbar selbst nicht. Für den Fall, dass Anleger sich darauf verlassen und am Ende doch geschädigt werden, distanziert sich Proven Oil im Impressum schon mal von den eigenen Inhalten. Dort steht neben weiteren Ausschlüssen:

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Sämtliche Hinweise auf Kapitalanlagen, Beteiligungsmöglichkeiten und konkrete Angebote sind lediglich allgemeine Informationen. Die POC GmbH übernimmt keine Gewähr.
Dasselbe gilt für alle Angaben zu wirtschaftlichen und steuerlichen Ergebnissen, Investitions-, Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Diese haben nur beispielhaften Charakter. Alle Wert- oder Ertragsprognosen sind Einschätzungen, die auf Vergangenheitswerten beruhen. Aus ihnen können keine Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen oder Verlustrisiken gezogen werden. Insbesondere Marktentwicklungen, sowie konjunkturelle und politische Veränderungen und Änderungen der steuerlichen und rechtlichen Bedingungen können Einfluss nehmen.“
Wir sind nicht aufgerufen, Proven Oil in Sachen PR etwas anzuraten. Aber vielleicht wäre es nicht das Schlechteste, einfach die testierten Bilanzen der Objektgesellschaften komplett offen zu legen. Dann kann sich jeder, der möchte, selbst ein schlüssiges Bild machen.

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