Kanada-Fonds: Die abenteuerlichen Argumente der Ölbarone

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Kanada-Fonds: Die abenteuerlichen Argumente der Ölbarone

von Florian Zerfaß

Mit einer PR-Offensive will „Proven Oil Canada“ seine schmierigen Geschäfte retten – doch während etliche Argumente abenteuerlich sind, hält das Unternehmen die tatsächlich relevanten Unterlagen unter Verschluss.

Die Panik muss groß sein bei den Ölfonds-Anbietern von „Proven Oil Canada“ (POC) und deren Muttergesellschaft, der „Conserve Oil Corporation“ (COC) in Calgary. Die WirtschaftsWoche hatte über „Schmierige Geschäfte mit kanadischem Öl“ berichtet, über problematische Bilanzen und darüber, wie Milliardenpleitier Jürgen Hanne im Hintergrund mitgewirkt hat. Proven Oil hat nun eine PR-Offensive gestartet, den Fondsanalysten Stephan Appel nach Kanada einfliegen lassen und eine Anti-WiWo-Seite ins Netz gestellt.

Scan aus dem Buch "Steuern sparen hohe Schule" (1993).  Quelle: Scan aus dem Buch "Steuern sparen hohe Schule" (1993).

Hanne-Artikel "Kein Aufwand, kaum Risiko, hoher Ertrag".

Bild: Scan aus dem Buch "Steuern sparen hohe Schule" (1993).

Zugleich meldeten Anwälte von Proven Oil den Einbruch des Geschäftsmodells. Zahlreiche Anleger hätten unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den WiWo-Artikel den Widerruf ihrer Fondszeichnung erklärt, Interessenten von einer Beteiligung Abstand genommen, Vertriebspartner den Vertrieb vollständig ausgesetzt. Man wolle Schadenersatz in noch unbekannter Höhe. „Es zeichnet sich ab, dass jedenfalls in Deutschland wohl zukünftig Platzierungen in dem geplanten erheblichen Umfang nicht mehr möglich sind“, schreibt die Kanzlei von Proven Oil, „dies unterminiert das Geschäftsmodell unserer Mandanten in beträchtlichem Umfang.“

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Die POC-Argumente im Faktencheck

PR-technisch lässt sich das ebenfalls ausschlachten. In einer Mail an den Vertrieb wies Proven-Oil-Chefin Monika Galba auf die neue Webseite hin und schrieb, es seien „diverse juristische Maßnahmen“ gegen die WiWo eingeleitet worden. Dass wir die Aufforderungen der Proven Oil-Anwälte vollumfänglich zurückgewiesen haben, schreibt sie nicht dazu. Gerichtlich wurden bisher nach unserer Kenntnis noch gar keine Ansprüche geltend gemacht. Überhaupt sind die Argumente, mit denen Proven Oil jetzt die Anleger beruhigen will, größtenteils abenteuerlich. Einem Faktencheck halten sie nicht stand. Wir haben ein Dutzend Vorwürfe genauer untersucht.

1 – Abgebrochenes Interview

Behauptung Proven Oil: „Diesem Artikel ist u. a. ein persönliches Gespräch mit dem Autor vorausgegangen, das unsererseits allerdings abgebrochen werden musste, da deutlich wurde, dass dieser kein tatsächliches Interesse an unserem Geschäftsfeld und an der wirtschaftlichen Entwicklung der Fondsgesellschaften hatte.“

Das Interview wurde mitnichten abgebrochen. Es fand am 22. November 2012 in den Geschäftsräumen von Proven Oil in Berlin statt und war auf dreieinhalb bis vier Stunden angesetzt. Am Ende dauerte es gut fünfeinhalb Stunden. Zum Geschäftsfeld und der wirtschaftlichen Entwicklung der Fondsgesellschaften wurde POC-Sprecher Michael Oehme bereits am 14. November 2012 ein umfangreicher Fragenkatalog per E-Mail zugeschickt.

2 – Transparenz & Dokumente
Behauptung Proven Oil: „Selbstverständlich haben wir uns mit den Fragen der „Wirtschaftswoche“ dezidiert und detailliert auseinandergesetzt, dem Autor umfangreich Dokumente zum Beleg zur Verfügung gestellt und auf diese Weise versucht dazu beizutragen, die nun getroffenen unwahren Behauptungen zu negieren.“

Das von Proven Oil vorgebrachte „Transparenzangebot“ bestand vorwiegend in der mehrfach ausgesprochenen Einladung, sich die Anlagen des Unternehmens vor Ort in Kanada anzuschauen – gerne auch auf Firmenkosten. Relevante Dokumente, insbesondere die testierten Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaften, wurden uns dagegen auch auf mehrfache Nachfrage gerade nicht zur Verfügung gestellt. POC-Sprecher Stephan Clausen schrieb: „Außerdem haben Sie die POC, in Person Frau Galba, mehrfach um die Herausgabe der Bilanzen der kanadischen Objektgesellschaften gebeten. Diesem Begehren ist die POC-Geschäftsführung nicht nachgekommen, weil zum einen keine Rechtsgrundlage existiert, auf deren Basis die „Wirtschaftswoche“ dieses Verlangen stützen könnte. Zum anderen muss die POC bei einer Veröffentlichung dieser Bilanzen, die im Übrigen gesetzlich auch nicht vorgeschrieben ist, im hart umkämpften Öl- und Gasmarkt Wettbewerbsnachteile und wettbewerbsrechtliche Nachteile fürchten.“ Wettbewerbsrechtliche Nachteile sind nun wirklich weit her geholt. Andere Unternehmen veröffentlichen ihre Ergebnisse auch – oft sogar nicht nur jährlich, sondern quartalsweise. Der WiWo ist bisher kein Fall bekannt, in dem die Veröffentlichung von testierten Bilanzen wettbewerbsrechtlich angegriffen worden wäre. Wo sollte darin auch ein unlauterer Wettbewerb liegen? Dass Proven Oil bei einer Veröffentlichung Wettbewerbsnachteile fürchtet, spricht dagegen für sich.

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