Kapitalerhöhung geplant: RWE-Aktie schmiert ab

Kapitalerhöhung geplant: RWE-Aktie schmiert ab

, aktualisiert 06. Dezember 2011, 14:42 Uhr
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RWE-Braunkohlekraftwerk in Niederaußem. Der Konzern erhöht sein Kapital.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach einem miserablen ersten Halbjahr war die RWE-Aktie zuletzt auf Erholungskurs. Doch mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung schickt der Energiekonzern die Aktie wieder auf Talfahrt.

DüsseldorfDer durch die Atomwende unter Druck geratene Energiekonzern RWE hat sich mit einem milliardenschweren Aktienverkauf etwas Luft verschafft. Eine Kapitalerhöhung und der Verkauf eigener Anteilsscheine bringen dem Versorger Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro, wie RWE am Dienstag mitteilte. Der im nächsten Jahr scheidende Vorstandschef Jürgen Großmann will damit die Schuldenlast senken, das Kredit-Rating verteidigen und die Investitionen in neue Kraftwerke absichern. Allerdings nimmt RWE 400 Millionen Euro weniger ein als geplant. Die Differenz will Großmann durch weitere Effizienzsteigerungen ausgleichen. Dies könnte auch den Druck auf die Mitarbeiter erhöhen.

Die RWE-Aktie gab im Zuge der Kapitalerhöhung um bis zu zwölf Prozent auf 26,66 Euro nach, wodurch der Börsenwert des Versorgers um rund zwei Milliarden sank. Am Montag hatte das Papier noch bei mehr als 30 Euro notiert. Losschlagen konnte RWE die Aktien - insgesamt 15 Prozent des Grundkapitals - nur mit einem Abschlag von fast 15 Prozent zu 26 Euro. Es war die größte Aktienplatzierung am deutschen Markt in diesem Jahr. „In diesem Umfeld war das ein mutiger Schritt“, sagte ein Banker. Begleitet wurde die Kapitalerhöhung von den Investmentbank-Schwergewichten Goldman Sachs und Deutsche Bank. Bis zuletzt war unklar, ob RWE die im Sommer angekündigte Kapitalerhöhung überhaupt noch in diesem Jahr durchziehen kann.

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Von Analysten kam Zustimmung für den Schritt. Durch diesen werde die Kapitalstruktur gestärkt, sagte LBBW-Analyst Bernhard Jeggle. RWE ist mit 30,8 Milliarden Euro verschuldet. Im Sommer hatten die Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch die Kreditwürdigkeit von RWE heruntergestuft.

Durch den Atomausstieg hat RWE mit dem Kernkraftwerk Biblis einen wichtigen Gewinnbringer verloren. Zudem lastet die neue Brennelementesteuer auf dem nach Eon zweitgrößten deutschen Versorger. Auch das schwächelnde Gasgeschäft macht Großmann und seinem designierten Nachfolger Peter Terium Kopfzerbrechen.

Die konkreten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung will RWE erst im März aufzeigen. Das bereits laufende Programm sieht vor, die Kosten bis 2012 gegenüber 2006 um 1,5 Milliarden Euro zu senken. RWE hatte unter anderem den Einkauf zentralisiert und seine Geschäfte in Deutschland gestrafft. Konzernkreisen zufolge will RWE in den kommenden Jahren bis zu 8000 seiner 72.000 Stellen streichen. Die Hälfte der Mitarbeiter davon könne durch Verkäufe von Beteiligungen aus dem Konzern ausscheiden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. In Deutschland sind diese nach einer Vereinbarung ohnehin bis Ende 2012 ausgeschlossen.


Eon sieht keinen Bedarf für Kapitalschritt

Mit der Platzierung neuer und eigener Aktien will RWE nach eigenen Angaben die Kapitalbasis stärken und den Spielraum für Wachstum erhalten. Großmann will hierzu bis Ende 2013 auch Beteiligungen im Volumen von bis zu elf Milliarden Euro abstoßen. Auf Verkäufe setzt auch der Konkurrent Eon. „Wir haben keinen Bedarf für eine Kapitalerhöhung“, betonte ein Eon-Sprecher am Dienstag.

RWE teilte 52,3 Millionen neue und 28,1 Millionen selbst gehaltene alte Aktien an institutionelle Investoren zu. Viele davon seien an deutsche Anleger gegangen, hieß es in Finanzkreisen. Die Banken seien jedenfalls - anders als bei der Milliardenplatzierung von ThyssenKrupp - nicht auf Aktien sitzengeblieben. Die Käufer müssen fürchten, dass ihnen ein Teil der zugeteilten Papiere wieder weggenommen wird. Die Altaktionäre haben ein Bezugsrecht für die ausgegebenen alten Aktien, das sie bis 21. Dezember wahrnehmen können.

Der Anteil der Kommunen an dem Energiekonzern wird mit der Platzierung zurückgehen. Städte im RWE-Versorgungsgebiet wie Dortmund oder Mülheim an der Ruhr halten nach Angaben des Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre (Vka) zusammen rund 25 Prozent an dem Konzern. Vor einigen Jahren hatte der Anteil noch bei über 30 Prozent gelegen. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war die Kapitalerhöhung dringend notwendig“, sagte Vka-Geschäftsführer Ernst Gerlach der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Kapitaldecke musste aufgestockt werden.“ Viele Kommunen könnten aber wegen ihrer hohen Schulden keine neue Aktien erwerben.

Einige kommunale Aktionäre haben sich in einer Gesellschaft zusammengeschlossen, die ihnen bei einer Gesamt-Beteiligung von mehr als 15 Prozent an RWE einen Steuervorteil verschafft. Nach diesem Schachtelprivileg können die Kommunen die Dividenden gewerbesteuerfrei kassieren. Er gehe davon aus, dass die Schwelle auch nach der Kapitalerhöhung nicht unterschritten werde, sagte Gerlach.

 

RWE war wie auch andere Versorger durch die Atomwende der Bundesregierung unter Druck geraten. Weil dem Essener Konzern die Kraftwerke als sichere Gewinnbringer wegbrechen, hatte er bereits im August angekündigt, durch den Verkauf eigener Aktien und eine Kapitalerhöhung frisches Geld einsammeln zu wollen. Außerdem will RWE durch den Verkauf von Tochterunternehmen bis zu elf Milliarden Euro einnehmen. Und auch die Mitarbeiter müssen ihren Beitrag leisten: Anfang der Woche sickerte durch, dass RWE bis zu 8.000 der 72.000 Stellen im Konzern streichen will.

Die RWE-Aktie hatte sich nach heftigen Verlusten in den ersten zwei Jahresdritteln zuletzt etwas erholt. Von einem Jahrestief bei 22 Euro im September stiegen die Papiere auf mehr als 30 Euro. Die Kapitalerhöhung setzte der Gegenbewegung jedoch ein jähes Ende.

Die heftige Kursreaktion begründeten Anleger mit dem Abschlag, mit dem die neuen Papiere platziert wurden. „Die Kapitalerhöhung selbst kommt alles andere als überraschend“, sagte ein Börsianer. Analysten bezeichneten den Abschlag als geringer als gedacht und werteten die Maßnahme insgesamt positiv. Sie stärke die Kapitalbasis und wappne gegen eine drohende Ratingabstufung, hieß es.

"Die Spekulationen über eine drohende Rating-Herabstufung und die Kapitalerhöhung sind jetzt vorbei. Die Aktie hat tolle Chancen, sich in den kommendn Wochen und Monaten sehr gut zu entwickeln", sagte Peter Wirtz, Analyst der WestLB, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die meisten Analysten machen Anlegern allerdings weniger Hoffnung auf Besserung: Im vergangenen Monat empfahlen lediglich sechs Analysten die Aktie zum Kauf, jeweils zwölf sagten "halten" und "verkaufen".

Quelle:  Handelsblatt Online
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