Kapitalflucht: Wie gefährlich ist der Türkei-Crash?

Kapitalflucht: Wie gefährlich ist der Türkei-Crash?

von Saskia Littmann und Tim Rahmann

Die Türkei steht im Zentrum der Schwellenländer-Krise, deutsche Unternehmen sorgen sich um ihre Exporte. Doch nicht jedes Schwellenland ist gleich. Wie nachhaltig die Krise ist, und was sie noch befeuern könnte.

Nach der Flut kommt die Ebbe - auch in den Schwellenländern. Erst brachte das billige Geld der Notenbanken Ländern wie Brasilien, Indien oder der Türkei eine Liquiditätsflut. Spekulanten brauchten eine sinnvolle Alternative zu Dollar und Euro, sie investierten an den Aktien- und Anleihemärkten in den Emerging Markets. Jetzt, da der Greenback langsam zu alter Stärke zurückkehrt und die amerikanische Notenbank Fed ihre Anleihekäufe zurückfährt, ebbt die Kapitalflut wieder ab – und die drohende Dürreperiode könnte gravierende Folgen für die betroffenen Länder haben.

Ökonomen wie Joseph Stiglitz warnten bereits seit langem, jetzt droht die Schwellenländer-Blase zu platzen. Die Währungen, die dank des vielen billigen Geldes zunächst stark an Wert gewonnen hatten, werten jetzt so stark ab wie schon lange nicht mehr.  Bereits im vergangenen August, als die Spekulationen über ein Ende der Wertpapierkäufe der Fed zunahmen, verschlechterte sich die Lage in den Schwellenländern deutlich. Aber es wird immer schlimmer. In den letzten sechs Monaten haben türkische Lira und die indonesische Rupiah jeweils mehr als 15 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Noch schlimmer hat es den Peso getroffen, Argentiniens Währung hat im gleichen Zeitraum sogar fast ein Drittel ihres Werts gegenüber dem Greenback eingebüßt. Auch die Währungen in Russland, Brasilien, Südafrika und Indien leiden unter dem Kapitalabzug der Spekulanten. Zuletzt werteten einige Währungen so stark ab, dass die Zentralbanken mit geldpolitischen Hauruck-Aktionen gegensteuern mussten. Die türkische Zentralbank hob den Leitzins in dieser Woche von 4,5 auf zehn Prozent an, auch in Indien wurde der Zins um 0,25 Punkte auf acht Prozent erhöht.

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Ausgerechnet jetzt, da die Krise zu eskalieren droht, reduziert die Fed ihr Kaufprogramm ein weiteres Mal – die mächtigste Notenbank der Welt teilte am Mittwoch mit, dass sie künftig monatlich nur noch Anleihen im Wert von 65 Milliarden Dollar kaufen werde. Ursprünglich waren es 85 Milliarden Dollar. Zwar ist ein Anstieg der Leitzinsen weiterhin nicht geplant, der liegt weiter auf seinem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Dennoch setzen die Finanzmärkte auf einen stärker werdenden Dollar und das Aufblühen der US-Wirtschaft.

Türkei Erdogan macht alles schlimmer

Kapitalabfluss aus den Schwellenländern – dieses Phänomen trifft die Türkei besonders hart, weil gleichzeitig das Vertrauen in die Politik schwindet. Erdogan tut alles, um diese Entwicklung zu verschärfen.

Tayyip Erdogan Quelle: REUTERS

Insgesamt bleiben die Märkte nervös. Der Dax hat auf Wochensicht bereits rund 300 Punkte eingebüßt und pendelte am Donnerstag leicht über 9300 Zählern. Müssen jetzt auch Privatanleger nervös werden? Droht womöglich die deutsche Wirtschaft, in den Sog der Schwellenländer mit hineingezogen zu werden?

Vorerst gilt es für Anleger, Ruhe zu bewahren. „Die notwendige Verschnaufpause bietet die Gelegenheit, sich neu zu positionieren“, sagt Gottfried Urban, Vorstand und Portfoliomanager der Bayerischen Vermögen. Zumindest sind die Zeiten immer neuer Rekordstände an den internationalen Börsen vorerst vorbei. „Die Sorgen um den Abschwung der Emerging Markets haben den Risikoappetit gebremst, und das zu einer Zeit, in der viele Investoren nach den richtigen Anlagethemen suchen“, sagt Ole Hansen, Rohstoffanalyst bei der Saxo Bank.

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