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Kapitalmarktexperte Otto: "Der Teufelskreis ist im Gang"

von Frank Doll

Italien ist der Ernstfall, der die Euro-Staaten bald zu einer harten Entscheidung zwingen wird, sagt der unabhängige Anlageexperte Andreas Otto.

Die Eurokrise bringt die Eurozone ins Wanken Quelle: dpa
Die Eurokrise bringt die Eurozone ins Wanken Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Otto, reicht der geplante Schuldenschnitt, damit Griechenland wieder auf die Beine kommt?

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Otto: Nein, der Schuldenschnitt ist eindeutig zu klein. Griechenland ist aktuell mit 360 Milliarden Euro oder 168 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet. Ein Schuldenerlass von 50 Prozent würde diese Quote theoretisch in etwa auf die Höhe Deutschlands drücken. Doch das passiert ja nicht, weil der Schuldenschnitt nur private Gläubiger betreffen soll.

Wie sieht die Rechnung aus?
Aus dem ersten Hilfspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro sind bisher 102 Milliarden Euro nach Athen überwiesen worden. Zusammen mit den von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekauften Anleihen werden also etwa 160 Milliarden Euro von öffentlichen Gläubigern gehalten. Diese sind nicht betroffen vom Schuldenschnitt, also beträgt der Schuldenerlass nur 28 Prozent.

Die EZB will sich nicht beteiligen, weil sie um ihre eigene Solvenz fürchtet und ihre Aufkaufpolitik nicht fortsetzen könnte.
Eben deshalb reicht der Schuldenschnitt ja nicht aus, um die Verschuldung Griechenlands auf ein tragbares Niveau zu bringen. Die 200 Milliarden Euro Schulden bei privaten Gläubigern können auf 100 Milliarden Euro reduziert werden. Damit verringerte sich die Schuldenlast Griechenlands also höchstens auf 260 Milliarden Euro, was bei einer für 2011 geschätzten Wirtschaftsleistung von 214 Milliarden Euro einer Verschuldungsquote von 121 Prozent entspräche.

Das sind bestenfalls italienische Verhältnisse.
Richtig. Doch selbst diese Rechnung ist noch zu optimistisch. Zu den privaten Gläubigern gehören ja griechische Banken mit 46 Milliarden Euro, griechische Pensions- und Rentenkassen halten 35 Milliarden Euro. Das griechische Bankensystem müsste rekapitalisiert werden. Als Kapitalgeber käme logischerweise nur der Rettungsfonds EFSF in Frage. Nach dem Schuldenschnitt entständen also sofort neue Schulden. Dem griechischen Rentensystem gingen sofort 17,5 Milliarden Euro verloren.

Also gilt: Je mehr Staatsanleihen die EZB hält, um so größer wird der notwendige Beitrag privater Investoren, wenn ein Staat insolvent wird?
In der Tat. Die EZB-Politik schreckt private Investoren ab.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.11.2011, 21:06 UhrAnonymer Benutzer: Zinsenabschaffen

    Nicht der Euro ist schuld, sondern der Fehler liegt in unserem (Schuld-)Geldsystem. Geld wird durch Kredit erschaffen - allerdings die Zinsen nicht. Damit die Zinsen bedient werden können bedarf es neuer Schulden. Das ist ein Pyramidenspiel das solange funktioniert bis keiner mehr neue Schulden aufnehmen kann. Jetzt kollabiert dieses System. Der Crash wird enorm sein, aber das System das danach kommt wird ein besseres sein!

  • 11.11.2011, 16:37 UhrAnonymer Benutzer: wiwouser

    Vor dem €uro hatten wir glückliche Menschen, Zufriedenheit und Denken an die Zukunft, Arbeit lohnte sich noch, Familien wurden gegründet, die Menschen respektierten und achteten einander, ein Leben ohne Angst vor der monetären Zukunft. Und heute? Alles wurde von den unfähigen Polit-Phantasten, €uro-Illusionisten und über den Wolken schwebenden Realitäts-Verweigerern kaputt gemacht.
    Jetzt herrschen Hass, Hetze, Neid, Missgunst, Schuldzuweisungen, Gegeneinander, egoistische Interessen und napoleonische Macht-Gelüste, Lügereien, Betrügereien und Verrat an den Bürgerinnen und Bürgern - und das soll eine oder die EU- und €uro-Zukunft werden? Wie groß müssen die Löcher in den Köpfen von Menschen sein, die uns so etwas vorsetzen wollen - es ist nur noch unfassbar!

  • 10.11.2011, 16:59 UhrAnonymer Benutzer: Joker1

    Löst diese Währungsunion endlich auf!
    Wollt Ihr alles verbrennen ?

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