Kapitalvernichter: Dividende? Nein, danke

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Kapitalvernichter: Dividende? Nein, danke

von Mark Fehr

Wenn Unternehmen Gewinne ausschütten, ist das nicht immer ein gutes Zeichen. Investitionen haben Vorrang vor Ausschüttungen.

Pünktlich zur Hauptversammlungssaison 2017 haben die Aktionärsschützer von der DSW wieder ihre jährliche Liste mit den größten Aktienflops vorgestellt. Das Papier enthält die 50 Aktiengesellschaften, die im Prime Standard der Deutschen Börse am schlechtesten abgeschnitten haben. Wer zu den im Untersuchungszeitraum rund 290 Werten im Prime Standard gehören will, muss strengere Anforderungen erfüllen und transparenter für Anleger sein als die Unternehmen in den weniger regulierten Marktsegmenten.

Angeführt wird die Negativauswahl vom Maschinenbauer Singulus, dem Außenhandelsfinanzierer Deutsche Forfait und dem Telefonauskunftsdienst 11880 Solutions, zuvor bekannt unter dem Namen Telegate. Diese drei Aktien haben zuletzt am stärksten nachgegeben, der von Singulus über fünf Jahre sogar um mehr als 98 Prozent.

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Die Kurse aller Worst-50-Unternehmen fielen im vergangenen Jahr um 17 Prozent und verloren auf drei Jahre gerechnet sogar um 49 Prozent an Wert. Das sind katastrophale Zahlen verglichen mit dem Anstieg der 30 Dax-Werte um 94 Prozent während der vergangenen fünf Jahre.

Aktien mit Heimvorteil Anleger, kauft deutsch!

Anlagerisiken aus dem Ausland gibt es reichlich: Trump-Protektionismus, Brexit, geopolitische Konflikte. Wertpapiere von Unternehmen, die in Deutschland Geschäfte machen, sind nicht nur sicher, sondern auch lukrativ.

Aktien mit deutschem Potenzial. Quelle: Getty Images

Was lernen Anleger daraus?

Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass nicht jede der auf der Flopliste stehenden Aktien ein schlechtes Investment sein muss. Auch DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler stellt klar, dass es sich zwar um eine Liste des finanziellen Schreckens handelt, jedoch um keine Todesliste. So ist der Maschinenbauer Singulus ein alter Bekannter aus den Vorjahren, trotzdem besteht das Unternehmen noch immer.

Durststrecken sind am Kapitalmarkt nicht ungewöhnlich und können sogar ein Signal zum billigen Einstieg sein – vorausgesetzt, das Geschäftsmodell hat Zukunft. So verzeichnet die Auswahl der schlechtesten 50 Unternehmen 17 Neuzugänge, was die DSW als Beleg dafür nennt, dass Unternehmen durchaus die Chance haben, wieder aus dem Keller herauszusteigen.

Auffällig ist, dass der Großteil der 50 Flop-Unternehmen trotz der eingebrochenen Kurse Dividenden an die Aktionäre zahlt. Von ihnen haben 30 während der vergangenen fünf Jahre mindestens einmal Geld ausgeschüttet. Das erstaunt, schließlich stammen Dividenden aus Gewinnen, die in schlechten Zeiten besser als Sicherheitspolster und Investitionsreserve im Unternehmen bleiben sollten.

Auch wenn Dividenden die Situation für kursgeplagte Aktionäre etwas aufhellen, sollten die Ausschüttungen nicht aus der Substanz kommen. Denn dann mindern sie das Aktionärsvermögen langfristig. DSW-Vizepräsident Klaus Nieding begrüßt Dividenden auch erst dann, wenn das Unternehmen das Geld für die Ausschüttung wirklich übrig hat. Das ist der Fall, wenn alle wichtigen Investitionen getätigt sind. Tauchen auf dem Markt attraktive Übernahmeziele auf, sollte der Vorstand freie Mittel eher in den Kauf dieser Unternehmen stecken als an die Aktionäre zu verteilen. Das ist gerade in Zeiten niedriger Zinsen sinnvoll, in denen liquide Mittel ohnehin nur schwer angelegt werden können.

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