Kehrtwende der Notenbank erwartet: US-Unternehmen läuten die Zinswende ein

Kehrtwende der Notenbank erwartet: US-Unternehmen läuten die Zinswende ein

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Das Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington

von Andreas Toller

Noch pumpt die US-Notenbank Federal Reserve Unmengen Geld in den Kapitalmarkt. Aber schon bald könnten sie beginnen, die Dollarmilliarden wieder einzusammeln. Schuld sind die erfolgreichen Unternehmen.

Ein ermutigender Auftakt in die Bilanzsaison hat am Mittwoch die Stimmung an der Wall Street gehoben. Nach überraschend starken Zahlen des Aluminium-Herstellers Alcoa präsentierten sich die US-Börsen mit moderaten Kursgewinnen, nachdem sie tags zuvor noch nachgegeben hatten. Alcoa eröffnet mit seinen Zahlen traditionell die US-Berichtssaison. Das vom Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Unternehmen verdiente im zweiten Quartal 2014 mehr als erhofft und kehrte in die Gewinnzone zurück. Alcoa-Titel stiegen um sechs Prozent.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Quartalszahlen mit Spannung erwartet
Für die meisten börsennotierten Unternehmen in den USA sieht es gut aus, die Stimmung in der US-Wirtschaft steigt. Analysten erwarten einen Anstieg der Unternehmensgewinne um rund zwei Prozent im zweiten Quartal. Das würde die Quartalsgewinne auf ein Rekordhoch anheben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Vor allem die IT-Branche sowie Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation und Automobil könnten zulegen. Von IBM, Intel, Colgate, Verizon, Ford, Facebook und vielen anderen erwarten Börsenbeobachter deutlich steigende Gewinne.

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Die Quartalszahlen sollen den Aufschwung sichtbar, ja erlebbar machen. Die Arbeitslosenzahlen sind bereits gesunken und liegen damit mit 6,1 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit fast sechs Jahren. Die Löhne sind ebenso gestiegen, auch die Konjunktur scheint endlich wieder das Niveau erreicht zu haben, welches sie vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 hatte. Zusätzlich steigen die Konsumausgaben steigen und bescheren der Obama-Regierung endlich das lang herbeigesehnte Wachstum.

Bahn frei für die Zinswende
Damit ist der Boden für eine historische Kehrtwende in der Geldpolitik der Notenbank bereitet. Seit 2008 flutet die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, die Märkte mit Geld, damit es wieder aufwärts geht. Erst senkte sie die Zinsen auf faktisch null, seit 2010 kaufte sie zudem Anleihen für tausende Milliarden Dollar. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sie Anleihen im Wert von 4,4 Billionen Dollar in ihren Büchern.

Fed-Entscheidung Yellen und die Märkte sind noch keine Freunde

Die US-Notenbank fährt ihr Anleihekaufprogramm weiter zurück, auch der Leitzins könnte früher steigen, als die Märkte das erwartet hatten. Den Anlegern gefällt das nicht.

Fed-Chefin Janet Yellen bei der Rede nach ihrem ersten Zinsentscheid als Chefin der US-Notenbank. Quelle: AP

Jetzt zeichnet sich ab: Der Geldhahn kann im Oktober zugedreht werden. Danach ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Fed auch ihre Leitzinsen erhöht und einige der Dollarmilliarden, mit denen sie seit 2008 die Konjunktur am Laufen gehalten hat, wieder einsammelt.
Das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll der Notenbank-Sitzung vom Juni umreißt bereits die ersten Schritte des noch unvollständigen Fahrplans der Fed. Sofern die Wirtschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt sich weiter so solide erholen, werden die Notenbanker noch im Herbst ihre milliardenschweren Anleihekäufe auf Null reduzieren.

Bereits seit Jahresbeginn haben sie ihre Ausgaben von zuvor 85 Milliarden Dollar monatlich bei jeder Sitzung um zehn Milliarden Dollar reduziert. Derzeit nimmt sie noch jeden Monat Anleihen im Wert von 35 Milliarden Dollar in ihre Bücher und pumpt somit Geld in die Märkte.

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