Kohle-, Stahl- und Eisenbahnaktien: Glänzende Renditen mit der Old Economy

Kohle-, Stahl- und Eisenbahnaktien: Glänzende Renditen mit der Old Economy

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Rostige Aktien im Comeback: In Kohle, Stahl und Eisenbahn kann wieder investiert werden.

von Martin Gerth und Andreas Macho

Kohle, Stahl und Eisenbahn sind Old Economy. Oder? Weltkonjunktur und die "Buy-American"-Politik von US-Präsident Donald Trump sprechen für eine Comeback. Wir zeigen, wo für Anleger "Rust-Belt-Investments" wieder lohnen.

Die Hartmetallsäge fräst sich kreischend durch den Stahl. Erhan Aydin füttert die Sägebohrmaschine im Voestalpine-Werk im hessischen Butzbach per Joystick mit einer 60 Meter langen Stahlschiene. Bei exakt 17,15 Metern wird der Metallstrang zum ersten Mal durchtrennt. Die Schiene soll Teil einer Bahnweiche werden, von denen der Stahlkonzern in Butzbach rund 500 Stück im Jahr produziert. Einige Stunden und Arbeitsschritte später senkt ein Kran das glühend heiße Bauteil in ein Emulsionsbad zum Abschrecken. Zischend steigt Wasserdampf auf und zieht durch die geöffneten Dachluken der Werkshalle. Durchs Erwärmen im Ofen und das anschließende Abschrecken wird das Herzstück der künftigen Weiche gehärtet – was nötig ist, wenn Hochgeschwindigkeitszüge mit bis zu 380 Stundenkilometern über die Gleise donnern.

Voestalpine versteht sich als Technologiekonzern, ein Gegenentwurf zum rustikalen Stahlkocher alter Prägung: Hightech-Weichen und ultraleichte Bauteile für die Autoindustrie statt einfachem Baustahl.

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Ordinärem Stahl haftet der Geruch von industriellem Niedergang an. Der Abwärtstrend ging von China aus. Spätestens 2015 war klar, dass zu viele Hochöfen den Weltmarkt überfluten: Von 605 auf 390 Dollar je Tonne stürzte der Stahlpreis ab. Weniger Stahl bedeutet auch weniger Kohle für die Hochöfen. Der Börsenpreis für Steinkohle schmolz von 218 Dollar je Tonne im Juni 2008 auf 43 Dollar je Tonne im Februar 2016 ab. Der bis dahin weltgrößte Kohleproduzent Peabody landete im vergangenen Jahr vorübergehend in der Insolvenz.

Gütertransport per Eisenbahn in den USA.

Gütertransport per Eisenbahn in den USA.

Inzwischen hat die Stimmung gedreht. Axel Eggert, Generaldirektor des europäischen Stahlverbands Eurofer, spricht von einem „zarten Blümchen der Erholung“. Stahl kostet wieder 620 Dollar, Kohle immerhin 78 Dollar pro Tonne. Die US-Eisenbahngesellschaften haben im Januar und Februar fünf Prozent mehr Ladung transportiert als im Vorjahreszeitraum (siehe Grafik).

Zusätzlich heizt Donald Trump als US-Präsident die Fantasie der Börse an. Sein eine Billion Dollar schweres Infrastrukturprogramm würde die Stahlnachfrage beleben. In einer Rede vor dem US-Kongress stellte Trump die Prinzipien des Programms vor: „Kauft amerikanisch und stellt Amerikaner ein.“ Der Chef des Stahlherstellers US Steel, Mario Longhi, versprach 10.000 neue Jobs. Die Milliarden aus Washington dürften den US-Bahnkonzernen mehr Aufträge für den Transport von Baumaterialien verschaffen.

Der Rückenwind aus Wirtschaft und Politik trieb Eisenbahn- und Stahlaktien in den vergangenen Monaten nach oben: plus 320 Prozent für US Steel, plus 97 Prozent für den amerikanischen Bahnlogistiker CSX im 12-Monats-Vergleich. Die Kohleaktien haben sich nach einer Reihe von Unternehmenspleiten stabilisiert.

Ist die Rally schon die Wende für die rostigen Industrien? Die WirtschaftsWoche ist der Frage nachgegangen und hat die Aktien herausgesucht, die noch Potenzial haben (für Digitalpass-Nutzer).

Die sogenannten "Rust-Belt"-Unternehmen blicken wieder positiver in die Zukunft. Empfehlenswerte Aktien und Fonds, die vom Comeback der Altindustrien Kohle, Stahl und Eisenbahn profitieren.

Der Trump-Effekt allein wird der Stahlindustrie nicht dauerhaft helfen. Dafür wäre ein Abbau von Überkapazitäten nötig — insbesondere in Asien. Zwischen 2016 und 2020 will China bis zu 150 Millionen Tonnen Stahlkapazität vom Markt nehmen. Im vergangenen Jahr produzierten die Chinesen trotzdem mehr Stahl als 2015 — dank besserer Auslastung der verbliebenen Werke. Es bleibt also noch einiges zu tun.

Mehr Wirkung ist derzeit von den verschärften Antidumping-Vorschriften der EU und der USA für Stahlimporte zu erwarten. Seit Oktober vergangenen Jahres erhebt die EU Strafzölle von bis zu 22,6 Prozent auf chinesischen Stahl. Bereits im Mai 2016 führte die US-Regierung, damals noch von Barack Obama geführt, eine Strafsteuer auf chinesischen Stahl ein. Trump könnte die Schraube weiter anziehen. Das hofft zumindest Lakshmi Mittal, Chef des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal. Die Maßnahmen der US-Regierung sollten helfen, Chinas Überkapazitäten abzubauen, so Mittal.

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