Kolumne Nachgerechnet: Wenn Anleger nur noch Bahnhof verstehen

Kolumne Nachgerechnet: Wenn Anleger nur noch Bahnhof verstehen

, aktualisiert 12. Dezember 2011, 10:21 Uhr
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20. Platz

Die Refinanzierung der Banken ist in aller Munde. Sogar Zertifikate-Anleger haben den Interbanken-Zins entdeckt. An der Börse Stuttgart wurden im September Papiere mit Basiswert Euribor 3 Monate im Volumen von fast 8,2 Millionen Euro geordert.

von Gertrud HusslaQuelle:Handelsblatt Online

Informationsblätter sollten es Anlegern einfacher machen, die richtigen Finanzprodukte zu finden. Doch statt Transparenz schaffen die Info-Papiere neue Verwirrung. Das Kauderwelsch hinterlässt Sparer ratlos.

DüsseldorfKennen Sie den Unterschied zwischen einer Stufenzinsanleihe, einem Zwei-Phasen-Bond und einer Schatzanleihe? Nein? Dann sind Sie nicht allein. Es sind alles werbewirksame Fantasienamen für ein ähnliches Produkt: Der Sparer leiht der Bank Geld und bekommt dafür einen über die Jahre steigenden Zins.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Mit blumigen Produktnamen, komplexen Erklärungen und mathematischen Formeln bombardieren viele Anbieter in sogenannten Produktinformationsblättern den Bankkunden. Dabei sollten diese Handzettel, die seit Juli vorgeschrieben sind, eigentlich beim Sparer für besseren Durchblick sorgen.
Kaum verständlicher als eine Doktorarbeit

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Kurz und bündig sollen sie erklären, wie ein Zertifikat oder ein anderes Finanzprodukt funktioniert. Doch die Beschreibungen sind kaum verständlicher als eine Doktorarbeit, hat Kommunikationsexperte Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim festgestellt. Die Wertpapieraufsicht Bafin hat gerade nachgelegt. Schwer vergleichbar, unvollständig und häufig sehr komplex seien die Informationsblätter. Die Verwirrung fängt schon bei den Namen an. "Anleihe" klingt nach sicher. "Bond" auch. Doch unter Risiken führt wenigstens die Deutsche Bank für ihre Schatzanleihe klar auf: "Die Anleihe ist mit dem Insolvenzrisiko der Deutschen Bank behaftet." Sie unterliege weder der gesetzlichen noch der freiwilligen Einlagensicherung.

Manches ist aber auch wirklich schwer zu erklären. Das Duo-Rendite-Garant-Zertifikat der DZ-Bank etwa macht die Verzinsung von der Entwicklung von zehn Aktien abhängig - mit zwei Barrieren. Besonders hoch ist die Rendite wohl trotzdem nicht: Sie soll im ersten Jahr unter einem Prozent liegen.


Verdacht der bewussten Verschleierung

Überhaupt die Verzinsung: Eine Aktienanleihe der LBB-Bank beispielsweise setzt auf den Kurs der Commerzbank. Und verspricht am Fälligkeitstag, dem 23. Dezember 2011, eine Verzinsung von sechs Prozent. "Berechnungsmethode: Act/act, unadjusted, following, Stückzinsberechnung." Keine Sorge, das raffinierte Detail können Kunden gerne überspringen. Der Kurs der Commerzbank ist seit Auflage so stark gesunken, dass die Barriere nach unten längst durchbrochen ist, und Anleger wohl nur mit Aktien ausbezahlt werden. Die traurige Bescherung kurz vor Weihnachten kann der Zins dann auch nicht mehr ausgleichen.
Besonders geheimnisvoll wird es bei den Kosten

Da kann der Anleger der "VoBa Deutschlandanleihe 5", sich vielleicht auf mehr freuen: Die Kuponzahlung beträgt dort - nicht abschrecken lassen - " x 100Euro". Sie ist begrenzt auf 5,50 Euro "oder mehr" pro 100-Euro-Zertifikat. So steht es auf Seite zwei. Eine Seite weiter, in der Szenariobetrachtung heißt es allerdings, 5,50 Euro seien die "maximale" Verzinsung. Nanu? Sind es nun mehr oder weniger als 5,50 Euro? Die DZ-Bank haftet laut Seite vier sicherheitshalber nicht für ihre Angaben.

Kommunikationsexperte Brettschneider fragt sich, ob manchmal absichtlich etwas verschleiert werden soll. Besonders geheimnisvoll wird es gerne bei den Kosten. Eine Leseprobe: "Die Emittentin zahlt die Platzierungsprovision aus dem Emissionserlös als einmalige, umsatzabhängige Vertriebsvergütung an die Kundenbank oder gewährt dieser einen entsprechenden Abschlag auf den Ausgabepreis (ohne Ausgabeaufschlag)", heißt es im Beipackzettel der Deutsche-Bank-Schatzanleihe.

Wer bei solchen Sätzen die Segel streicht, wird beim Bonus-Chance-Zertifikat der Commerzbank besser bedient. Sie verzichtet schlicht ganz auf konkrete Angaben zu den Kosten und schreibt nur: "Im Festpreis sind alle der Commerzbank AG mit der Ausgabe des Zertifikats verbundenen Kosten…einschließlich einer Marge enthalten".
Ich persönlich würde so ein Produktinformationsblatt erst mal überfliegen. Nichts kaufen, wenn es zu kompliziert erscheint, und lieber wieder den Krimi zur Hand nehmen. Der ist zwar dicker, aber trotzdem schneller gelesen.

Kontakt zur Autorin: hussla@handelsblatt.com

Quelle:  Handelsblatt Online
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