Kommentar: Märkte am Tropf der Politik

Kommentar: Märkte am Tropf der Politik

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 07:47 Uhr
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Einfach mal entspannen, ruhig ein- und ausatmen. Das übliche Hin und Her an den Börsen ist oft schädlich für Wirtschaft und Politik.

von Laura de la MotteQuelle:Handelsblatt Online

Die Haltung der Investoren zur Krisenpolitik hat sich grundlegend gewandelt: Statt übertrieben ängstlich reagieren sie nun besonnener auf die politischen Maßnahmen. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig.

Viele Politiker verfluchen die Finanzmärkte und sehen sie als Bedrohung an, weil Investoren nicht mehr so bereitwillig europäische Staatsanleihen kaufen wie noch vor einigen Monaten. Damit bringen sie einige Länder in arge Finanzierungsschwierigkeiten. Tatsächlich aber warten die "bösen Finanzmärkte" auf gute Nachrichten aus der Politik. Sie wollen Europa nicht aufgeben, das zeigt die manchmal fast übertrieben wirkende Euphorie, die immer dann einsetzt, wenn etwas Positives passiert. Es ist fast so, als wollten die Anleger die Politik ermutigen. Die Investoren sind nicht mehr in blinder Panik wie in den vergangenen Monaten, sie halten inne und schauen genau hin, was die Politik schafft und was nicht.

Das zeigte sich am Freitag nach dem Euro-Gipfel: Dort wurde zwar von den europäischen Regierungschefs wenig beschlossen, was die akute Schuldenkrise eindämmt, aber immerhin ein langfristiger Plan aufgestellt, wie das neue Europa zu mehr Haushaltsdisziplin findet. Die Investoren honorierten das und spendeten ihre Form des Beifalls: Sie kauften Aktien, sogar die von Banken, und trieben die Kurse rund um den Globus ins Plus. Gleiches war an den Anleihemärkten zu sehen. Die zuletzt unter Druck geratenen italienischen und spanischen Anleihen wurden gekauft. Die Renditen sanken. Dieses Muster zeigte sich auch schon nach den Sparbeschlüssen der neuen italienischen Regierung.

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Natürlich sind nach solchen Vereinbarungen nicht alle Probleme gelöst. Das wissen die Investoren, deshalb sind sie manchmal sehr kritisch. Aber unfair sind sie inzwischen nicht mehr, höchstens verängstigt. Das zeigt sich auch darin, dass sie sich nach wie vor von gewichtigen Akteuren beeinflussen lassen. Da reicht es, wenn eine Ratingagentur (S&P) öffentlich ausspricht, was doch eh alle wissen - nämlich, dass die Schuldenprobleme einiger Länder der Peripherie bis zu den soliden Staaten wie Deutschland durchschlagen könnten. Oder wenn eine andere Agentur (Moody's) am Montag die Gipfelbeschlüsse zerredet, weil diese die kurzfristigen Probleme nicht lösen. Auch das sind keine neuen Erkenntnisse, aber sie verunsichern.

Die Zweifel der Investoren werden im nächsten Jahr anhalten. Trotzdem dürfte das Schlimmste überstanden sein. Die Märkte fallen nicht weiter. Dahinter steht eine wichtige Veränderung: Die Investoren sind nicht mehr panisch, sondern sensibel. Das heißt, sie reagieren empfindlich auf alle Nachrichten - und das ist in diesen Zeiten ein gutes Zeichen. Analysten sehen Aktien inzwischen als günstig bewertet, einige sagen das auch für italienische Anleihen. Interessanterweise sind es bisher besonders Hedge-Fonds, die auf eine Erholung setzen.

Ja genau, die üblen Zocker, die angeblich der Euro-Zone nach dem Leben trachteten. Den Mutigen werden die Ängstlichen folgen. Vorausgesetzt, die Politik wartet mit weiteren Taten auf. Furcht vor den Märkten braucht sie dann nicht zu haben. Sie hat sie auf ihrer Seite.

Die Autorin ist erreichbar unter: delamotte@handelsblatt.com

Quelle:  Handelsblatt Online
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