Konjunkturausblick: Die gefährlichen Verführer

Konjunkturausblick: Die gefährlichen Verführer

, aktualisiert 02. Dezember 2016, 18:55 Uhr
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Designierter US-Präsident Donald Trump: Gefährden Populisten das Wachstum?

Quelle:Handelsblatt Online

2017 wird in mehrfacher Hinsicht ein spannendes Jahr. Es ist politisch geprägt, die Auswirkungen auf die Märkte sind unsicher. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, wagt einen Blick in die Glaskugel.

FrankfurtIn rund zwei Wochen soll Donald Trump von den Wahlmännern zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden. Das mächtigste Land der Welt wird dann von einem Populisten geführt, der eine Mauer zur Abschreckung von Migranten errichten will und den Einsatz von Atomwaffen für ein legitimes Mittel hält.

Nicht nur in den USA hat der Populismus Hochkonjunktur: In Frankreich haben der Front National, in Italien die Fünf-Sterne-Bewegung oder hierzulande die AfD enormen Zulauf. Der Aufstieg der Populisten werde für die Wirtschaft in der Eurozone zur Bedrohung, warnt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Die Wirtschaft stagniert, die Institutionen sind schwach und die Ursachen der Staatsschuldenkrise zum Teil noch nicht behoben. „Die Populisten treffen auf viele ungelöste Probleme“, sagte Krämer. „Sie können mehr Schaden anrichten als in den USA.“

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Denn im kommenden Jahr stehen die Europäer vor schwierigen und richtungsweisenden Entscheidungen: 2017 wird in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden gewählt. Angesichts der Unklarheiten über den exakten Kurs der USA unter der Führung von Trump erwartet die Commerzbank ein politisch dominiertes Jahr. Ähnlich sieht es die DZ Bank: „Im kommenden Jahr wird vor allem die Politik im Vordergrund des Geschehens stehen“, heißt es dort. Die vielfältigen Risikofaktoren hätten durchaus das Potenzial, die „schwelende europäische Krise erneut zu entfachen“.

Bereits an diesem Sonntag stimmen die Bürger Italiens über eine Senatsreform ab. Das Schicksal von Regierungschef Matteo Renzi könnte mit der Wahl verknüpft sein – und auch eine neue Krise scheint nicht ausgeschlossen. „Die Ursachen der Staatsschuldenkrise sind weiterhin nicht gelöst“, sagte Krämer. Deshalb kehre eine Staatsschuldenkrise bei einem „Nein“ aber noch nicht automatisch zurück. Es könne allerdings „gefährlich“ werden, falls es zu raschen Neuwahlen mit Siegchancen für die Fünf-Sterne-Bewegung um Komiker Beppe Grillo kommen sollte.

Krämer sieht darin ein Problem, weil der EZB langsam die Mittel ausgehen, um die Länder zu unterstützen. „Die EZB hat nicht mehr viele Pfeile im Köcher“, sagte Krämer. Er erwartet, dass die Notenbank bei der Sitzung am kommenden Donnerstag mit Blick auf Italien „vorsichtig agieren“ und die Anleihekäufe bei gleichbleibenden Volumen um weitere sechs Monate verlängern wird.

Sollte es in Italien tatsächlich zum „Nein“ kommen, könnten die Währungshüter ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm einsetzen, um einen Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen einzudämmen, sagten zuletzt mehrere Notenbank-Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die EZB könnte dann zeitweise mehr italienische Bonds kaufen.


Begrenzter Spielraum

Viel Spielraum bleibe allerdings nicht mehr, meinte Krämer. Schließlich habe sich EZB eine Obergrenze für den Kauf von Staatsanleihen gesetzt. Diese Grenze werde voraussichtlich im Sommer 2017 erreicht. Krämer hält deshalb einen kleinen Kniff für möglich. Doch auch das bringe nur ein halbes Jahr mehr Zeit und „natürlich kann sie solche Tricks nicht auf Dauer anwenden. Ab Herbst 2017 wird sie gezwungenermaßen mit dem Volumen runtergehen.“ 2017 werde deshalb ein „sehr, sehr schwieriges Jahr“ für die EZB.

Nicht nur für die EZB. „Der Euroraum kommt nicht zur Ruhe“, so Krämer. Er erwartet, dass das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum bis 2018 auf 1,4 Prozent sinken wird. In Deutschland etwa gibt es in diesem Jahr noch ein „überraschend starkes“, aber vor allem konsumgetriebenes Wachstum.

Damit dürfte es aber 2017 ebenfalls vorbei sein: Krämer geht von einem Rückgang um 0,5 Prozent auf dann 1,3 Prozent aus. Das liegt auch am Kalender: Im kommenden Jahr fallen mehr Feiertage auf reguläre Arbeitstage unter der Woche. Rechnet man diesen so genannten Arbeitstageeffekt heraus, dürfte das Wirtschaftswachstum nur um 0,3 Prozent zurückgehen.

Dem Ökonomen bereitet noch eine weitere Entwicklung Sorgen: Zwar wächst die Produktivität deutscher Arbeitnehmer – allerdings nicht mehr mit der gleichen Geschwindigkeit wie vor der Finanzkrise. Das, so Krämer, belaste die Wettbewerbsfähigkeit.

Was bleibt also unter'm Strich für die Märkte? Wie in jedem Jahr geben Krämer und sein Team auch in diesmal Prognosen ab. Sie erwarten, dass der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar im kommenden Jahr über Parität bleiben wird: Ein Euro kostet also weiter mehr als ein US-Dollar. Auch die DZ-Bank erwartet keine so deutliche Abschwächung des Euros wie von manchen Experten befürchtet. „Wir teilen die derzeit sehr pessimistische Einschätzung nicht“, heißt es in einer Analyse. Die Deutsche Bank sieht den Dollar im kommenden Jahr hingegen auf 0,95 je Euro aufwerten – die Gemeinschaftswährung würde also unter die Parität sinken.

Am Aktienmarkt erwartet Krämer insgesamt „keine starken Trends“. Trotzdem könnee der Dax Ende 2017 bei 11.700 Punkten stehen, etwa 1.300 Punkte mehr als aktuell. Angesichts der zahlreichen Risiken und Unsicherheiten könne es an den Märkten aber zu einer hohen Volatilität mit „heftigen Bewegungen“ kommen. Sicher ist nur letztlich nur eins: Die Unsicherheit bleibt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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