Konjunkturschwäche und Börsenabsturz: Chinas verzweifelter Kampf gegen den Kapitalmarkt

Konjunkturschwäche und Börsenabsturz: Chinas verzweifelter Kampf gegen den Kapitalmarkt

Die Regierung in Peking feuert aus allen Rohren, um eine Katastrophe an der Börse in Shanghai zu verhindern und den Yuan zu stützen. Das Arsenal ist beeindruckend – aber wirkungslos.

Die Börsenturbulenzen in China nehmen kein Ende. Seit Mitte Juni hat der Aktienmarkt rund 40 Prozent an Wert eingebüßt. Nachdem sich die Anzeichen für ein nachlassendes Wachstum in China mehrten, trennten sich Anleger fluchtartig von ihren Aktien. Jede Information zur Entwicklung der chinesischen Konjunktur schickt den Börsenindex Shanghai Composite auf Achterbahnfahrt. Hinzu kam, dass seit dem 11. August der Wechselkurs von Chinas Währung Yuan weitgehend frei am Markt bestimmt wird – und erstmal kräftig nachgab. Weltweit wächst bei Investoren und Händlern die Skepsis gegenüber Chinas Wirtschaft.

Die Regierung der Kommunistischen Partei reagiert auf die entfesselten Kapitalmärkte zunehmend nervös und aktionistisch. Um die Märkte zu beruhigen und den Yuan zu stützen, greift sie zu großen Kalibern. Laut einer Analyse der US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Regierung in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 211 Milliarden Dollar, umgerechnet 1,5 Billionen Yuan, gekauft. Allein im August sollen es 600 Milliarden Yuan für Aktienkäufe gewesen sein, umgerechnet 94 Milliarden Dollar.

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Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Im gleichen Volumen sind Chinas Dollarreserven im August geschmolzen. Ziel der Dollar-Verkäufe in Höhe von 94 Milliarden ist es offenbar, den Renminbi beziehungsweise Yuan vor einer weiteren Abwertung zu bewahren. Doch daraus zu folgern, dass China nun sein Reichtum an Devisen von insgesamt 3560 Milliarden Doller verpulvert, ist verfrüht.

Das ist längst nicht alles, was China aus seinem Kapitalisten-Werkzeugkoffer gekramt hat: Am Dienstag gab die Regierung ein zehn Milliarden Dollar schweres Programm zur Stützung der Konjunktur bekannt. Außerdem soll es Steuererleichterungen für Aktionäre geben, die ihre Wertpapiere länger halten. Wer Aktien länger als einen Monat im Depot liegen lässt, soll demnach einen Steuernachlass von 50 Prozent erhalten. Bei mehr als einem Jahr Haltedauer sind die Dividenden komplett steuerfrei. Kurzfristig orientierte Spekulanten sollen weiter ihre Renditen aus Ausschüttungen voll versteuern.

Chinas Börse zeigt sich unbeeindruckt

Neben Steueranreizen soll es an den Börsen in Shanghai und Shenzhen künftig einen Notstopp geben, wenn die Kurse im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages um mehr als fünf Prozent absacken oder steigen. Dann soll der Handel für mindestens 30 Minuten pausieren. Ähnliche Mechanismen werden auch an US-Börsen genutzt, um eine Verkaufspanik zu bremsen, die zudem durch den automatisierten Computerhandel verstärkt wird.

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Der China-Crash und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft.

Der China-Crash und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft. Quelle: Illustration: Dmitri Broido, Foto: Fotolia

Dennoch zeigte sich Chinas Börse nicht allzu beeindruckt vom Maßnahmenbündel der Regierung. Weder die massiven Aktienkäufe noch die Yuan-Unterstützung sorgen für Jubel, lediglich das Konjunkturprogramm sorgte dafür, dass die Börse in Shanghai nach einer mehrtätigen feiertagsbedingten Pause erstmals seit einer Handelswoche mit einem Plus aus dem Handel ging. Mit dem Geld soll die heimische Infrastruktur gestützt werden.

Auch das wird am Ende wenig nützen. Schon jetzt leidet das Land unter Investitionsruinen wie etwa leerstehenden Städten oder Überkapazitäten in den Industrien mit Staatsbeteiligung. Dennoch bleiben die Konjunkturzahlen zunächst schwach und dürften neue Kursverluste wahrscheinlich machen. Zuletzt meldete Peking, der Export sei um 5,5 Prozent geschrumpft, die Importe sogar um 13,8 Prozent.

Die Regierung versucht mit aller Macht, die Börsenkurse zu stützen oder zumindest weitere Verluste zu verhindern, weil schon Hunderttausende Kleinanleger Teile ihres Vermögens verloren haben. Das Problem: Viele Aktienkäufe haben die Chinesen mit Krediten finanziert. Platzt die Aktienblase – bis Juni waren die Börsenkurse in nur einem Jahr um 150 Prozent gestiegen –, fehlt den Krediten die Sicherheit, es drohen epidemische Zahlungsausfälle bei Anlegern.

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