Konsumfonds: „Die Gefahr, etwas zu verpassen, ist groß“

Konsumfonds: „Die Gefahr, etwas zu verpassen, ist groß“

, aktualisiert 02. November 2011, 14:29 Uhr
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Kaufen, kaufen, kaufen: In Schwellenländern wächst die konsumfreudige Mittelschicht besonders schnell.

von Annika WilliamsonQuelle:Handelsblatt Online

Sieben Milliarden Konsumenten gibt es jetzt weltweit, und im Schnitt werden sie immer reicher. Dieses Potential wollen Fondsmanager ausschöpfen. Doch nur wenige trauen Unternehmen in den konsumstarken Schwellenländern.

DüsseldorfMehrere Fondsgesellschaften haben in diesem Jahr schon die Konsumkraft der Schwellenländer für sich entdeckt. Dort entsteht eine Mittelschicht, die sich immer mehr leisten kann. Auch Deutsche Investoren wollen davon profitieren. So hat Fidelity im Februar den China Consumer Fund aufgelegt; seit Juni gibt es außerdem den Emerging Consumer Demand Fonds von Frankfurt Trust.

Gute Renditen erhoffen sich die Fondsmanager von Unternehmen, die den Konsumhunger der Schwellenländer stillen, seien es lokale Firmen oder solche aus den Industrienationen. Dieser Hunger wächst rapide: Bis 2025 werden die Inder nach Schätzungen von McKinsey 1,5 Billionen Dollar für privaten Konsum ausgeben. Auch die chinesische Regierung hat es sich in ihrem Fünfjahresplan ausdrücklich zum Ziel gesetzt, den Konsum anzukurbeln.

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Diese Entwicklung steht erst ganz am Anfang. Noch immer konsumiert der größte Teil der Weltbevölkerung nur einen Bruchteil der Waren, doch das soll sich in absehbarer Zeit ändern: „Mit der wirtschaftlichen Entwicklung und mit wachsender sozialer Sicherheit werden sich die heute noch hohen Sparquoten in eine immer stärker werdende Konsumfreude verwandeln“, sagt Raymond Ma, Fondsmanager des Fidelity China Consumer Fund.

Während in Europa und den USA die Staatsschulden auf die Kauflaune drücken, herrscht in den Schwellenländern noch Optimismus. Die Marktforschungsfirma Nielsen hat vergangenen Sonntag ihren globalen Index zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Indien liegt mit 121 Punkten an der Spitze des Indexes, dicht gefolgt von Brasilien. Das südamerikanische Land ist innerhalb eines Quartals von 96 auf 112 Punkte geklettert. Hundert Punkte markieren in diesem Index die Schwelle zu einem optimistischen Wirtschaftsausblick. Deutschland liegt dabei auf dem weltweiten Durchschnitt von 88 Punkten, Griechenland nur bei 51 und Portugal bei 40 Punkten.


Deutsche Anleger verpassen Chancen in Asien

So groß die denkbaren Chancen dieser Fonds sind, auch die Risken sind nicht zu missachten. Rohstoffkosten, Konjunktur, die richtige Positionierung in Wachstumsmärkten – selbst ob Unternehmen eine gute Online-Strategie haben, kann diese Werte beeinflussen. Schwellenländer werden zwar gerne Wachstumsmotoren genannt, doch es kann gelegentlich auch abwärts gehen. Das Verbrauchervertrauen in Indien zum Beispiel ist innerhalb eines Quartals um fünf Punkte gefallen.

Wie gut die Fondsmanager mit dieser Schwellenländerstrategie fahren, lässt sich nur bei einem älteren Fonds wirklich beurteilen, zum Beispiel beim Nordea Emerging Consumer Fund. Aufgelegt wurde er im November 2008 – somit hat er schon zwei Finanzkrisen mitgemacht. Trotzdem hat er über seine gesamte Laufzeit 32,2 Prozent zugelegt. Ordentlich gebeutelt hat ihn das laufende Jahr mit 18,3 Prozent Minus.

Indien, Brasilien und Südkorea gehören zu den stärksten Ländern im diesem Fonds. Unter den fünf größten Positionen rangieren allerdings nur zwei asiatische Firmen: Hyundai und Toyota. Das Gros der Fondsmanager vertraut etablierten westlichen Unternehmen eher als Firmen der Schwellenländer, die hierzulande noch unbekannt sind. So ist auch unter den fünf größten Positionen im Frankfurt Trust Emerging Consumer Demand Fonds neben vier US-amerikanischen Unternehmen nur der brasilianische Getränkehersteller Ambev.

„Es ist sehr schwer, die deutschen Anleger mit asiatischen Nebenwerten zu begeistern“, sagt Commerzbank-Analyst Richard Hinz. „Doch die Gefahr, dass man dort was verpasst, ist groß. Es braut sich etwas zusammen, neue Giganten entstehen.“

Es gibt auch Ausnahmen unter den Fonds. Einige wollen noch näher am Wachstum der Mittelschicht in Asien dran sein. Fidelity setzt stark auf die einheimischen Unternehmen in China, die sich – so die Erwartung – besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einstellen können. Asiatische Schwellenländer machen im Portfolio des China Consumer Fund gut 61 Prozent aus, 38 Prozent sind in asiatischen Industrieländern investiert. Auch im Invesco Asia Consumer Demand Fund sind China, Korea und Taiwan als stärkste Regionen vertreten.

Unter dem Strich heißt das: Die Chancen sind riesig, doch Anleger brauchen einen langen Atem. Die Anzahl der wohlhabenden städtischen Haushalte in China (solche mit einem Jahreseinkommen über 15.000 US-Dollar) soll in den nächsten zehn Jahren von 14 auf 65 Millionen wachsen. In Indien soll der Konsum über die nächsten 20 Jahre um ein Vierfaches wachsen, so McKinsey – doch wer jetzt einsteigt, muss auf die große Rendite voraussichtlich noch eine zeitlang warten. „Kurzfristig ist die Konsumgüterbranche von den Problemen in Europa gefangen - langfristig aber hat diese Branche durch die Wachstumsmärkte große Chancen“, sagt Commerzbank-Analyst Hinz.  

Quelle:  Handelsblatt Online
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