Kontrollen und Übernahmen: Wie Anleger von aktivistischen Investoren profitieren können

Kontrollen und Übernahmen: Wie Anleger von aktivistischen Investoren profitieren können

von Sebastian Kirsch

Großinvestoren wie Carl Icahn nehmen oft viel Einfluss auf die Unternehmen, die sie kaufen. Was passiert, wenn die berüchtigten Aktionärs-Aktivisten attackieren – und was für Anleger dabei herausspringen kann.

Carl Icahn nimmt die Bazooka, James McRitchie bevorzugt kleine Nadelstiche. US-Investorenlegende Icahn kauft sich bei Unternehmen mit Hunderten von Millionen ein – etwa bei Apple, wo er höhere Ausschüttungen erzwang. Je mehr Aktien er kauft, desto besser seine Verhandlungsposition. Aktionärs-Aktivist McRitchie dagegen hält oft nur das Mindestvolumen an Aktien, mit dem er einen Vorschlag zur Abstimmung auf der Hauptversammlung einbringen darf: 2000 Dollar sind das in den USA. Jedes Jahr reicht er Dutzende Anträge bei Unternehmen ein. McRitchie hält Anteile an etwa 90 Aktiengesellschaften.

Ihm gehe es vor allem darum, die Rechte der Aktionäre zu stärken, sagt er. Seit fast 20 Jahren betreibt er dazu einen Blog und macht Rabatz auf Hauptversammlungen.

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Bei der US-Biosupermarktkette Whole Foods etwa versuchte er, eine unabhängige Person in den Verwaltungsrat zu bringen. Einer seiner wichtigsten Fälle, sagt er, auch wenn er keine der acht von ihm initiierten Abstimmungen bei Whole Foods gewann. Egal: „Hauptsache, die Manager merken, dass sie von uns Aktionären kontrolliert werden“, sagt er. Für die Unternehmenskultur sei sein Wirken in jedem Fall segensreich gewesen.

Wo sich aktivistische Aktionäre 2013 engagiert haben

  • Accor

    Land: Frankreich

    Investor: Colony Capital

    Forderung: Neues Management

    Ergebnis: erfolgreich

  • Celesio

    Land: Deutschland

    Investor: Elliott

    Forderung: Höherer Übernahmepreis

    Ergebnis: erfolgreich

  • Danske Bank

    Land: Dänemark

    Investor: Cevian

    Forderung: Wertsteigerung

    Ergebnis: läuft noch

  • EADS (Airbus)

    Land: Frankreich

    Investor: TCI

    Forderung: Verkauf Dessault (Business Jets)

    Ergebnis: läuft noch

  • Eni

    Land: Italien

    Investor: Knight Vinke

    Forderung: Abspaltung Saipem (Ölservices)

    Ergebnis: erfolglos

  • Kabel Deutschland

    Land: Deutschland

    Investor: Elliott

    Forderung: Höherer Übernahmepreis

    Ergebnis: läuft noch

  • Nokia

    Land: Finnland

    Investor: Third Point

    Forderung: Mehr Aktienrückkäufe

    Ergebnis: läuft noch

  • Royal Mail

    Land: Großbritannien

    Investor: TCI

    Forderung: Besseres Management

    Ergebnis: Teilausstieg

  • Telecom Italia

    Land: Italien

    Investor: Findim

    Forderung: Veränderung im Aufsichtsrat und Management

    Ergebnis: läuft noch

  • ThyssenKrupp

    Land: Deutschland

    Investor: Cevian

    Forderung: Wertsteigerung

    Ergebnis: läuft noch

  • UBS

    Land: Schweiz

    Investor: Knight Vinke

    Forderung: Wertsteigerung

    Ergebnis: läuft noch

Icahn und anderen seines Schlages gehe es dagegen nur um kurzfristigen Profit, kritisiert US-Anwalt Martin Lipton. Tatsächlich steigen die Kurse von Unternehmen, die Icahn attackiert, oft kräftig – insbesondere dann, wenn er seinen Angriff mit öffentlichkeitswirksamen Auftritten flankiert.

Beispiel Ebay: Im Februar veröffentlichte Icahn einen Brief an die Aktionäre, dass er den Zahlungsdienst PayPal aus dem Ebay-Konzern herauslösen wolle. Beide könnten als eigenständige Einheiten mehr Gewinn erwirtschaften. Daneben prangerte er an, dass Mitglieder der Ebay-Führungsriege einem Interessenkonflikt unterliegen würden, etwa Venture-Capitalist Marc Andreesen, der mit anderen Beteiligungen PayPal Konkurrenz mache. Dem Brief folgte eine über US-Medien ausgetragene Schlacht Icahn gegen Ebay. Derartige Attacken, ob als Nadelstich oder in Form einer Bazooka, bedeuten für die Unternehmen Aufwand. Aktivistische Aktionäre halten Vorstände, Investorenbetreuer („Investor Relations“), Presseabteilungen und Juristen in Atem. Manager müssen ihre Strategie erklären, Investor-Relations-Mitarbeiter andere Investoren auf den Kurs des Managements einschwören, Pressemitteilungen formuliert werden.

Tweets bei der SEC abgelegt

Ebay etwa reagierte auf die Icahn-Attacke mit einer an Aktionäre und Mitarbeiter des Konzerns gerichteten Stellungnahme von Vorstandschef John Donahoe. Die musste, weil börsenrechtlich relevant, auch bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegt werden. Zu allem Überfluss mussten, weil Ebay-Boss Donahoe die Situation auch öffentlich über den Kurznachrichtendienst Twitter kommentierte, unzählige Twitter-Unterhaltungen bei der SEC eingereicht werden.

In seinen wöchentlichen Ansprachen über das Ebay-Intranet „The Hub“ soll sich Donahoe ebenfalls zur Icahn-Situation geäußert haben. Einen direkten Einfluss auf das Tagesgeschäft habe der Angriff aber nicht gehabt: „Ob PayPal verkauft wird oder nicht, auf diese Entscheidung haben wir als Mitarbeiter ohnehin keinen Einfluss“, heißt es aus Kreisen von PayPal Deutschland.

Renditekönig Elliott-Chef Paul Singer erzielte wohl 13 Prozent bei Celesio. Quelle: AP

Renditekönig Elliott-Chef Paul Singer erzielte wohl 13 Prozent bei Celesio.

Bild: AP

Nach Diskussionen mit dem Management einigte sich Ebay mit Icahn: PayPal blieb Teil des Unternehmens, aber Icahn konnte einen Posten in der Geschäftsführung mit einem seiner Leute besetzen. Der Ebay-Kurs, zur Zeit der Offerte kurzfristig nach oben gezuckt, schwenkte wieder in einen Abwärtstrend ein, so wie im Frühjahr fast die gesamte US-Technologiebörse Nasdaq. Wer nicht schnell genug wieder verkaufte, so wie Icahn es vermutlich getan hat, machte Verlust.

Mehr zu holen war für Anleger in den vergangenen Jahren, wenn sie im Windschatten des US-Hedgefonds Elliott investierten. Bei den Übernahmen von Wella durch Procter & Gamble, des Heizungsablesers Techem, des Zeitarbeiters DIS oder des Maschinenbauers Schuler hatte sich der von Paul Singer gegründete Hedgefonds beim Übernahmeziel eingekauft und kräftig dazu beigetragen, dass die Aufkäufer Aktionären eine höhere Abfindung zahlten.

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