Kurssturz: Commerzbank-Aktien steuern auf Rekordtief zu

Kurssturz: Commerzbank-Aktien steuern auf Rekordtief zu

, aktualisiert 13. Dezember 2011, 12:54 Uhr
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Das durch eine Baustelle zerstörte Logo einer Commerzbank-Filiale.

von Annika WilliamsonQuelle:Handelsblatt Online

Die Commerzbank steht kurz davor, ein Penny-Stock zu werden. Das Allzeittief der Aktie ist zum Greifen nahe. Martin Blessing scheint seine Versprechen an die Aktionäre zu brechen - die ergreifen die Flucht.

DüsseldorfEs fehlt nicht mehr viel, bis die Commerzbank-Aktie zum Penny-Stock wird. Bei 1,16 Euro notiert das Papier heute noch, über 4,5 Prozent Verlust stehen zu Buche. Das ist mehr als ein kleiner Ausrutscher: Innerhalb der vergangenen 30 Tage hat die Aktie fast ein Viertel ihres Wertes verloren. Bis zum Allzeittief vom November fehlen derzeit noch fünf Cent.

Nicht nur auf dem Kurs-Chart, auch geschäftlich deutet sich ein neuer Tiefpunkt an: Die Commerzbank spreche mit der Bundesregierung nach Informationen aus Finanz- und Koalitionskreisen zum dritten Mal binnen drei Jahren über Staatshilfen. „Intensive Gespräche“ mit dem Bundesfinanzministerium liefen bereits seit mehr als einer Woche, sagten fünf mit dem Sachverhalt vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

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Die Anleger hat das kalt erwischt, denn Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte noch vor kurzem vehement beteuert: „Ich gehe da nicht nochmal hin.“ Gemeint war die Bundesregierung, die der zweitgrößten deutschen Bank bereits Ende 2008 und Anfang 2009 Kapitalspritzen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro gewährt hat. Mehr als 14 Milliarden davon hatte die Coba im Sommer zurückgezahlt. Der Bankenrettungsfonds Soffin ist noch mit 25 Prozent an der Bank beteiligt.

Das neue Problem der Commerzbank sind die strengeren Auflagen der EU-Bankenaufsicht EBA. 5,3 Milliarden Euro Kapital fehlen derzeit. Der schwerste Klotz am Bein der Bank ist die Tochtergesellschaft Eurohypo, bei der eine beträchtliche Menge an griechischen Staatsanleihen lagern.

Die Auslagerung von Teilen oder der gesamten Immobilien-Tochter Eurohypo in eine staatliche „Bad Bank“ wäre eine der attraktiveren Lösungen zur Schließung der Kapitallücke bei der Commerzbank, urteilte Analyst Michael Rohr von Silvia Quandt Research. Bei einem Komplett-Verkauf und mit Hilfe des Rückkaufs von Hybrid-Kapital könnte das Institut die strengeren Eigenkapital-Vorschriften erfüllen.

Hinzu kommt aktuell, dass die Eurohypo laut einer Entscheidung des Frankfurter Oberlandesgerichts (Az.: 5 U 56/11) weiter Renditen auf Genussscheine zahlen muss - entgegen einer früheren Gerichtsentscheidung, nach der das Unternehmen ab dem Verlustjahr 2009 die Zahlungen einstellen könne. Genussscheine lassen die Eigner an Gewinn und Verlust eines Unternehmens teilhaben, ohne dass ihnen wie bei Aktien ein Anteil am Unternehmen gehört.

In Sachen Staatshilfen wollte sich Commerzbank-Sprecher Armin Guhl nicht äußern, verwies aber auf die Aussagen des Finanzvorstands Eric Strutz vom 8. Dezember: Die Commerzbank wolle weiterhin keine neuen Staatshilfen in Anspruch nehmen. Eine Grundsatzentscheidung über Staatshilfen wolle der Bund noch vor Weihnachten fällen, heißt es aus Finanzkreisen. Doch darauf warten die Aktionäre nicht und treten lieber gleich die Flucht an.

Quelle:  Handelsblatt Online
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