Kursverluste beim Börsengang: Crash für Börsenneuling Rocket Internet

Kursverluste beim Börsengang: Crash für Börsenneuling Rocket Internet

, aktualisiert 02. Oktober 2014, 16:00 Uhr

Beim Börsengang von Rocket Internet kommt die Aktie zum Handelsstart nicht über den Ausgabepreis hinaus - und rutscht wenig später um 13 Prozent ins Minus. Statt Traumstart gab es eine Bruchlandung.

Schon beim Börsenstart des Online-Modehändlers Zalando am Mittwoch fiel die Party verhalten aus, die Aktie schloss den ersten Handelstag an der Frankfurter Börse ohne Kursplus ab, obwohl das Papier kurz nach Erstnotiz um zwölf Prozent über dem Ausgabepreis notierte. Die Erwartungen an den Börsenstart von Rocket Internet waren nochmal höher. Aber die Aktie kam zur Handelsaufnahme an der Frankfurter Börse nicht über den Ausgabepreis hinaus. Schlimmer noch: in den ersten Handelsminute rauschte der Kurs um rund 13 Prozent in die Tiefe.

Anders als Zalando hatte Rocket Internet die Preisspanne voll ausgereizt - und sammelt mit 42.50 Euro pro Aktie insgesamt 1,6 Milliarden Euro bei Investoren ein. Genau bei 42,50 lag auch der erste Kurs um 9:22 Uhr. Im Xetra-Handel fiel das Papier jedoch in nur wenigen Minuten unter 37 Euro. Im späteren Handel erholte sich die Rocket-Aktie wieder, blieb aber unter Druck. Am Nachmittag notierte sie mit Kursen unter 40 Euro rund sieben Prozent im Minus. Am außerbörslichen grauen Markt war die Aktie vor dem Börsengang für mehr als 60 Euro gehandelt worden. Kurz vor Börsenstart wurden dort noch Kurse von bis zu 48 Euro gezahlt.

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Die Hauptinvestoren bei Rocket Internet sind die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Nach dem Börsengang halten sie noch knapp 40 Prozent, Oliver Samwer ist der Firmenchef. Die Samwers sind auch Großaktionäre bei Zalando mit knapp 15 Prozent.

Oliver Samwer zeigte sich unbeirrt. „Unser Unternehmen ist nicht fokussiert auf den ersten Kurs, auch nicht auf den der ersten Woche oder der ersten Monate“, erklärte er auf dem Börsenparkett während die Aktie abtauchte. „Wir haben einen langfristigen Horizont - das hat uns in der Vergangenheit Erfolg gebracht und das wird uns auch in der Zukunft Erfolg bringen.“ Unter dem Rocket-Dach sind Startups mit Schwerpunkt auf Online-Handel und Dienstleistungen gebündelt. In vielen Ländern, in denen sie tätig seien, sei das Internet noch kaum verbreitet. „Das heißt, das Wachstum kommt noch in der Zukunft.“

Die drei Samwer-Brüder

  • Die Paten des Internets - Das Buch

    Auf rund 400 Seiten schildert Gründerszene-Chefredakteur Joel Kaczmarek in „Die Paten des Internets“ das Leben der drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer – von ihrer Kindheit über ihr erstes eigenes Unternehmen bis zum gigantischen Start-up-Schmiede „Rocket Internet“. Das Buch gewährt nicht nur vertiefende Einblicke in das gigantische Firmenimperium der Samwers, es vermittelt auch einen Eindruck in die Denkweise der ehrgeizigen Geschwister und zeigt ihre unterschiedlichen Charaktere auf.


    „Die Paten des Internets. Zalando, Jamba, Groupon – wie die Samwer-Brüder das größte Internet-Imperium der Welt aufbauen" von Joel Kaczmarek, Finanzbuch Verlag, 19,99 Euro.

  • Marc Samwer

    Zu Beginn des Samwer-Aufstiegs sucht auch Marc (* 3. Dezember 1970) häufig die Öffentlichkeit, überließ jedoch später häufig Oliver Samwer das Rampenlicht und konzentrierte sich auf seine Rolle als rechtlicher Berater und Steuerer des Samwer-Imperiums. Der erste Sohn des Kölner Rechtsanwalts Sigmar-Jürgen gilt als charismatischer und vernünftiger Gesprächspartner. Allerdings haftet dem ältesten Bruder auch der Ruf als Manipulator an.


    Kaczmarek: "Marc Samwer, ein Menschenfänger mit Juristenverstand"


    Studium: Rechtswissenschaften

  • Oliver Samwer

    Der mittlere Bruder (* 9. August 1973) hat schnell die Anführerrolle des Trios übernommen. Oliver organisiert und treibt die Entwicklung des Samwer-Imperiums voran.


    Kaczmarek: „ Ein Mann, der sich körperlich bis an die Grenzen der Belastbarkeit tastet und einen gewissen Masochismus zeigt, wenn es darum geht, (über andere) zu triumphieren. Dem es gleichzeitig aber auch an einem moralischen Kompass oder einer für Unternehmer üblichen Wirtschaftsethik fehlt. […] Schnelligkeit und seine Auffassungsgabe heben Oliver Samwer deutlich hervor, doch es gibt eine Eigenschaft, die ihn wirklich von allen anderen absetzt – das ist diese ganz eigene Art, wie er mit Menschen umgeht und sie steuert. […] Ist es in seinem Interesse, verströmt er eine inspirierende, anregende Aura, der selbst Größen der internationalen Finanzwelt mit Leichtigkeit verfallen.“

    Abitur-Note: 0,8
    Studium: Betriebswirtschaftslehre

  • Alexander Samwer

    Anders als seine Brüder gilt Alexander nicht als nur vom Ehrgeiz Getriebener, sondern als analytischer Denker. Er wird als menschlich, höflich und zurückhaltend beschrieben.

    Kaczmarek: „Während die Gründungen, bei denen Oliver oder Marc Samwer federführend tätig waren, oftmals auf kurzfristigen Erfolg angelegt waren, konzentrierte sich Alexander Samwer auf die anspruchsvollen Aufgaben und betreute diese mit strategischer Weitsicht.[…] Hätte es ihn nicht in die Selbstständigkeit als Internetunternehmer verschlagen, könnte er heute genauso als Vorstandsvorsitzender eines DAX-Unternehmens tätig sein.“

    Abitur-Note: 0,66
    Studium: Volkswirtschaftslehre

Auch Zalando - ebenfalls mit den Samwer-Brüdern als Großaktionäre - fiel am Tag nach dem Börsengang mit Kursen unter 20 Euro deutlich unter ihren Ausgabepreis.

Beide Börsendebütanten erwischten eine schwache Börsenwoche. Ebola-Panik, Konjunktursorgen und die EZB-Sitzung belasteten die Börsen. Man müsse die Großwetterlage auch berücksichtigen, sagte Aktienmarktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. „Die Stimmung am Markt ist einfach schlechter geworden.“ Jetzt müsse sich erst einmal zeigen, wie das Geschäftsmodell entwickele. „Man sollte das Geld, das man jetzt eingenommen hat, ganz massiv dafür einsetzen, weitere Unternehmen an die Börse zu bringen“, sagte Halver.

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Die Ernüchterung an der Börse ist aber auch als Zeichen dafür zu werten, dass Anleger trotz aller Begeisterung für große Internetfirmen, die den Sprung an die Börse wagen, nicht bereit sind, jeden Preis zu zahlen. Es sei „ein positives Zeichen für die Börse, dass nicht jede Kursübertreibung mitgemacht wird“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Er verwies zudem darauf, dass der Start im Börsensegment „Entry Standard“ mit seinen niedrigen Transparenzvorgaben einige Investoren von einem langfristigen Engagement in Rocket-Aktien abhalte.
Angaben von Rocket Internet zufolge war das Angebot mehr als zehnfach überzeichnet. Zum Börsendebüt in Frankfurt wird das Unternehmen nun mit 6,7 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die Lufthansa kommt auf einen Börsenwert von 5,6 Milliarden Euro.

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