Kurzfristiges Gewinnstreben: Aktionäre treiben Banken ins Risiko

Kurzfristiges Gewinnstreben: Aktionäre treiben Banken ins Risiko

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Da aktive Aktionäre ihre Banken dazu veranlassen riskantere Geschäfte einzugehen, mussten diese öfter vom Staat gerettet werden

von Yvonne Esterházy

US-Banken, deren Anteilseigner wenig zu melden hatten, mussten seltener vom Staat gerettet werden. Hoher Einfluss hingegen erhöht die Unternehmensrisiken, stellt eine Studie fest.

Schärfere Regulierung, bessere Aufsicht und mehr Engagement der Aktionäre – das sind gemeinhin die Rezepte, mit denen Banken nach der Finanzkrise gebändigt werden sollen. Unterstellt wird dabei, dass Aktionäre, um den Bestand ihrer Investitionen zu sichern, einen mäßigenden Einfluss auf die Risikobereitschaft ihrer Unternehmen ausüben. Eine Studie der renommierten London School of Economics (LSE) ergibt jetzt allerdings genau das Gegenteil: US-Banken, deren Aktionäre am wenigsten Einflussmöglichkeiten hatten, mussten viel seltener durch Steuergelder gerettet werden als Institute mit großer Aktionärsmacht. „Die Wahrscheinlichkeit, Staatshilfen in Anspruch nehmen zu müssen, war bei Banken, die vom Aktionärseinfluss isoliert waren, um 19 Prozent geringer“, heißt es in einem LSE-Arbeitspapier*.

Zur Begründung führen die Autoren an, dass aktive Aktionäre ihre Banken eher dazu veranlassen, riskantere Geschäfte einzugehen. Geldinstitute, die potenziell unter größerem Druck ihrer Aktionäre stehen, waren demnach in höherem Maße auf riskanteren Geschäftsfeldern tätig, zum Beispiel bei komplex strukturierten und wenig liquiden Wertpapieren.

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Die Wissenschaftler prüften vor allem den Einfluss, den Aktionäre auf die Besetzung der Aufsichtsräte nehmen konnten. Daraus entwickelten sie einen sechsstufigen Index, von Kategorie I (Institute, die Aktionärsdruck am heftigsten ausgesetzt waren) bis VI (am stärksten von Aktionären abgeschirmte Banken).

"Den Bock zum Gärtner machen"

Aktionären gehe es immer um kurzfristige Profitmaximierung, so die Autoren. „Von Aktionären zu erwarten, dass sie im Hinblick auf Risikobereitschaft einen mäßigenden Einfluss ausüben, heißt, den Bock zum Gärtner zu machen, weil das ihrem ureigensten Interesse widerspricht“, sagt Co-Autor Tom Kirchmaier.

Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler 276 US-Institute. 56 davon mussten keine Staatshilfe in Anspruch nehmen und waren gleichzeitig weitgehend abgeschirmt vom Einfluss ihrer Aktionäre. Bei 108 Banken, die vom Staat gerettet werden mussten, hatten die Anteilseigner dagegen große Einflussmöglichkeiten. Zu den Instituten, die mit Steuermilliarden gerettet werden mussten und die gleichzeitig hohen Aktionärseinfluss aufwiesen, gehören JP Morgan Chase (25 Milliarden Dollar Hilfe), die Bank of America (15 Milliarden Dollar) sowie die PNC Financial Services Group (76 Milliarden Dollar).

*Daniel Ferreira, David Kershaw, Tom Kirchmaier, Edmund Schuster: „Shareholder Empowerment and Bank Bailouts“, London School of Economics, 4/2013

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