Leerverkäufe: Spekulanten attackieren Solaraktien

Leerverkäufe: Spekulanten attackieren Solaraktien

, aktualisiert 24. November 2011, 10:53 Uhr
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Die deutschen Solarfirmen waren zu träge - jetzt kämpfen einige um die Existenz.

von Jörg HackhausenQuelle:Handelsblatt Online

Hedge-Fonds haben es auf deutsche Solarkonzerne abgesehen. In keinem Sektor gibt es mehr Wetten auf fallende Kurse als in der Sonnenkraft-Branche. Die Unternehmen selbst sind daran nicht ganz unschuldig.

DüsseldorfSie ist die größte Zockeraktie auf dem deutschen Markt, ja in ganz Europa: Q-Cells. Der Kurs rutschte zuerst bis auf 50 Cent ab, kletterte dann auf 1,10 Euro – ein Plus von mehr als hundert Prozent innerhalb weniger Tage. Doch die Freude währte nicht lange, inzwischen geht es wieder rasant abwärts.

Keine andere Aktie legte in den vergangenen Wochen eine solche Achterbahnfahrt hin wie Q-Cells. Und bei keiner anderen sind so viele Spekulanten am Werk, die auf fallende Kurse wetten, sogenannte Short-Seller.

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Wie viele Wetten gegen ein Unternehmen laufen, lässt sich ablesen an der Zahl der ausgeliehenen Aktien. Wird eine Aktie verliehen, steckt dahinter oft ein Leerverkauf. Das funktioniert so: Der Besitzer der Aktie kassiert eine Gebühr fürs Verleihen. Derjenige, der sie ausleiht, meistens ein Hedge-Fonds, will sie eigentlich gar nicht haben. Er verkauft die ausgeliehene Aktie weiter, in der Hoffnung, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz ist sein Gewinn. Anschließend gibt er das Papier an den Ausleiher zurück.

Nach Angaben des Datenanbieters Data Explorer sind aktuell gut 45 Prozent aller Aktien von Q-Cells verliehen. Auch bei anderen deutschen Solaraktien ist die Ausleihquote hoch; wenn auch nicht ganz so extrem. Bei Wacker Chemie, einem Zulieferer der Branche, liegt sie bei knapp 15 Prozent, bei Solarworld sind es 13,75 Prozent, bei SMA Solar neun Prozent.

Die Short-Seller haben die Solaraktien bereits seit Anfang des Jahres im Visier. Bislang hat sich das ausgezahlt. Die Kurse der meisten Solaraktien sind in diesem Jahr massiv gefallen. Für Aktien von Solarworld haben sie Ende März noch knapp zwölf Euro bezahlt, jetzt sind die Papiere gerade mal drei Euro wert – ein Verlust von 75 Prozent. Ende September sah es so aus, als hätten die Kurse ihren Tiefpunkt erreicht, auch die Attacken durch Leerverkäufer schienen nachzulassen. Jetzt sind sie wieder zur Stelle.


Es geht um die Existenz

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Shawn Kravetz, Chef von Esplanade Capital, mit den Worten: „Vor ein paar Wochen hätte ich gesagt, dass die meisten schlechten Nachrichten in den Kursen enthalten sind, aber einige von diesen Aktien legten danach eine Rally von fast hundert Prozent hin.” Esplanade Capital hat immer wieder mit Wetten gegen europäische Solarfirmen von sich Reden gemacht. Im Oktober reduzierte der Hedge-Fonds aus Boston die Leerverkäufe, in den letzten Wochen hat er sie wieder aufgenommen.

Die Unternehmen selbst sind nicht ganz unschuldig, dass die Short-Seller auf sie aufmerksam geworden sind. Zu lange haben sie sich darauf verlassen, dass die Geschäfte dank üppiger Subventionen von selbst laufen. Die Konkurrenz aus Fernost nutzte die Trägheit der Deutschen aus, chinesische Firmen wie Yingli Solar oder Suntech bauten ihre Marktanteile aus.

Weltweit geht nun fast die Hälfte des Umsatzes mit Solarmodulen auf das Konto von Chinesen, die deutschen Unternehmen kommen auf etwa 20 Prozent. Vor wenigen Jahren war es noch genau umgekehrt. Die Qualität, wegen derer die Chinesen anfangs noch belächelt wurden, kann sich mittlerweile sehen lassen. Auch auf deutschen Dächern werden immer mehr Solarmodule aus China verbaut. So hilft die staatliche Förderung für Solaranlagen mehr und mehr den Chinesen.

Für manches deutsche Unternehmen geht es inzwischen um die Existenz. Vor allem kleine, nicht wettbewerbsfähige und schlecht finanzierte Unternehmen würden die Strukturbereinigung nicht überleben, heißt es in einer aktuellen Studie der Bank Sarasin.


Auf dem falschen Fuß erwischt

Auch wenn es kein echter Trost ist: Ähnlich wie den Deutschen ergeht es auch den Amerikanern. Die Aktie des US-Solarkonzerns First Solar wird ebenso zum Ziel der Short-Seller. Mancher Beobachter meint, der Branchenriese werde nicht überleben, wenn er nicht bald neue Produkte auf den Markt bringt. „Wenn sie wirklich eine bessere Idee haben, dann wird es sie auch noch in fünf Jahren geben; und wenn nicht, dann nicht“, sagt John Hempton, Chief Investment Officer von Bronte Capital, einem australischen Hedge-Fonds. „Mein Bauchgefühl ist: Sie haben wahrscheinlich keine bessere Idee.“

Manchmal werden die Leerverkäufer aber auf dem falschen Fuß erwischt – wenn das Unternehmen unerwartet mit einer guten Nachricht aufwartet. Als Q-Cells kürzlich einen Investor für den geplanten Bau eines Mega-Solarparks präsentierte, legte die Aktie zu. Einige Anleger waren darüber gar nicht begeistert. Alle, die die Aktie leerverkauft hatten, mussten sich die Papiere auf die Schnelle und vor allem teurer zurückholen. Da es gar nicht genug Aktien auf dem Markt gab, setzte ein Run auf die wenigen verfügbaren ein. Der Preis schoss in die Höhe. Börsianer sprechen in so einem Fall von einem Short-squeeze. Lange hält ein solcher Höhenflug nie an, schnell besinnt sich der Markt wieder auf die Zahlen. Und die sehen bei Q-Cells – Großauftrag hin oder her – nicht rosig, sondern rot aus.

Die „normalen“ Anleger, die ihr Geld langfristig anlegen wollen, werden durch Kursschwankungen wie bei Q-Cells abgeschreckt. Die, die noch übrig waren, steigen entnervt aus - und überlassen den Leerverkäufen endgültig das Feld.

Quelle:  Handelsblatt Online
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