Libor-Anstieg : Kein Grund zur Panik

Libor-Anstieg : Kein Grund zur Panik

, aktualisiert 17. August 2016, 15:18 Uhr
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Der Referenzzinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, ist zuletzt deutlich gestiegen. Das weckt ungute Erinnerungen.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Der Referenzzinssatz Libor ist gestiegen. Doch das ist nach Ansicht von Analysten kein Alarmzeichen dafür, dass eine neue Bankenkrise droht. Die Experten machen US-Regulierer für den Anstieg verantwortlich – und bleiben gelassen.

LondonAxel Weber, ehemaliger Bundesbankchef und inzwischen UBS-Verwaltungsratspräsident, hat diesen Zinssatz mal „das Gesundheitssignal“ der Bankbranche genannt. Er sprach über die London Interbank Offered Rate (Libor), zu der sich Banken gegenseitig Geld leihen. Ein starker Anstieg im Zuge der Finanzkrise war ein klares Warnsignal dafür, dass die Institute sich nicht mehr vertrauten und bei Geldgeschäften untereinander hohe Risikoprämien forderten.

Auch in den vergangenen Wochen ist dieser Referenzzinssatz wieder deutlich gestiegen – von 0,62 Prozent Mitte dieses Jahres auf zuletzt 0,82 Prozent ist der Dreimonatslibor in US-Dollar geklettert. Der Wert ist damit auf dem höchsten Stand seit etwa sieben Jahren – und das, obwohl sich andere Referenzsätze neuen Tiefstständen nähern.

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Der Libor ist zwar noch weit von seinen Rekordwerten entfernt, die Entwicklung weckt dennoch Erinnerungen an alte Krisenzeiten. Nach Ansicht von Analysten ist das aber  unbegründet. Der Anstieg der Libor ist dieses Mal offenbar kein Alarmzeichen, sondern hat einen ganz anderen Hintergrund – allen voran:  Mitte Oktober treten in den USA neue Vorschriften für bestimmte Geldmarktfonds in Kraft. Diese sind ein wichtiger Lieferant für die Liquidität der Banken.

Die strengere Regulierung dieser Fonds erschwert es den Geldhäusern im Endeffekt, sich mit frischem Kapital zu versorgen. Das wiederum schränkt ihren Spielraum ein, Kredite an andere Banken zu vergeben – was dazu führt, das der Londoner Referenzzinssatz steigt. „Was den Libor vor allem antreibt, ist die Regulierung der US-Geldmarktfonds“, fassen Experten der Deutschen Bank in einer neuen Analyse zusammen.

Doch auch andere Faktoren dürften dabei eine Rolle spielen – darunter die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed schon bald den nächsten Zinsschritt umsetzen könnte sowie das Niedrigzinsumfeld in Europa, das die Nachfrage nach US-Dollar erhöht. Unter dem Strich kommen Deutsche-Bank-Analysten aber zu dem Schluss: „Wir sehen den Anstieg bisher nicht als problematisch an.“ Und selbst wenn der Trend noch anhalten und der Libor-Zinssatz auch im nächsten Jahr auf einem vergleichsweise hohen Niveau bleiben sollte, erwarten Experten von Morgan Stanley keine negativen Auswirkungen auf den Bankensektor. Denn vor allem US-Institute hätten die Möglichkeit, sich über andere Wege zu finanzieren, die von der Höhe des Libor unabhängig seien.

Den Libor gibt es in verschiedenen Währungen und Ausführungen. Insgesamt hängen davon Finanzgeschäfte im Wert von Hunderten Billionen Dollar ab, darunter Hypotheken, Studentendarlehen und Firmenkredite. Der Anstieg des Dreimonatslibor in US-Dollar, der wohl wichtigsten Libor-Variante, bringt theoretisch einen deutlich höheren Zinsaufwand für alle Schuldner mit Krediten mit sich, die an diesen Referenzzinssatz gebunden sind. Analysten von Goldman Sachs kommen in einer Studie, die die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert, dennoch zu dem Schluss, dass sich trotz höherer Liborsätze die Kreditkonditionen für viel mehr Menschen entspannt haben ­– angesichts der Niedrigzinsen in Europa und der gesunkenen Renditen bei Staatsanleihen.

Im Zuge der Finanzkrise hat eine Reihe von Bankenhändlern Libor-Angaben offenbar mit illegalen Methoden beeinflusst, im die Gewinne im eigenen Portfolio zu erhöhen. Das hat Großbanken Strafen von insgesamt etwa neun Milliarden Dollar eingebracht. Parallel dazu hatte dies teilweise strafrechtliche Folgen für die einzelnen Händler. Mehr als 20 sind in den USA und in Großbritannien angeklagt worden. Tom Hayes, ein ehemaliger UBS- und Citigroup-Händler, war vor gut einem Jahr der erste, der dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Diese lag zunächst bei 14 Jahren und wurde später auf elf Jahre reduziert. Im Sommer dieses Jahres hat ein Londoner Gericht Haftstrafen von bis zu sechseinhalb Jahren gegen vier ehemalige Barclays-Händler verhängt, drei von ihnen haben das Urteil angefochten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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