
So schnell ändern sich die Zeiten. Während Anleger derzeit sauer auf Facebook-Gründer Mark Zuckerberg reagieren, sonnt sich Jeff Weiner, Chef des Karrierenetzwerks LinkedIn, in deren Gunst. Schon ist die Rede von LinkedIn als einem "Anti-Facebook".
Am Donnerstag fiel die Facebook-Aktie erstmals im Laufe des Tages unter die Marke von 20 Dollar. Was für den beißenden Spott sorgte, dass Facebook nun tatsächlich stark an 1999 erinnere – dem Boomjahr vor dem Platzen der Dot.com-Blase – nun halt eben durch 19.99 Dollar Aktienpreis.
LinkedIn hingegen, das lange im Schatten von Facebook stand, legte nach Börsenschluss kräftig zu und konnte wieder über die 100 Dollar Marke springen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über 50 Prozent zugelegt.
Zwar ist LinkedIn damit immer noch ein Stück vom Höchstkurs von 122 Dollar beim Börsengang im Mai 2011 entfernt. Doch das wirkt im Gegensatz zu Facebook, dessen Kurs sich in nur zehn Wochen mehr als halbierte, wie ein Erfolg.
Wachstumsrate immer noch stattlich
Facebook & Co.: Die Aktien der jungen Internetfirmen
38 Dollar betrug der Ausgabepreis der Aktie des sozialen Netzwerks Facebook beim Börsengang. Am 18. Mai 2012 startete das US-Unternehmen an der Technologiebörse Nasdaq - die Aktie verlor bereits in den folgenden drei Wochen rund ein Drittel des Wertes. Die Kritiker sehen sich bestätigt – die Unternehmensbewertung von mehr als 100 Milliarden Dollar hat sich binnen weniger Tage als Luftschloss erwiesen.
Auch beim Facebook-Partner Zynga läuft es nicht gut. Schon beim Börsenstart am 16.12.2011 war das Papier des Onlinespiele-Spezialisten kein Grund zum Jubeln: Die Aktie fiel am ersten Handelstag bereits um fünf Prozent unter den Ausgabepreis. Die zehn Dollar pro Aktie hat das Unternehmen seither nur noch selten erreicht.
Zynga und Facebook haben eine fast symbiotische Verbindung: Über das Soziale Netzwerk kommen die meisten Spieler zu Zynga. Der Entwickler verdient sein Geld dabei mit dem Verkauf virtueller Güter wie Traktoren in Farmville oder Gebäuden in Cityville. Facebook bekommt einen Anteil an diesen Einnahmen.
Deutlich besser ist der Restaurant-Bewerter Yelp bei seinem Börsenstart am 2. März 2012 weggekommen. Wegen der großen Nachfrage hatte das Unternehmen, über das Nutzer Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungen bewerten und ihre Erfahrungen teilen können, zuvor den Ausgabepreis von 14 auf 15 Dollar erhöht. Der Kurs der Aktie schoss nach Handelsbeginn gleich um mehr als 60 Prozent nach oben.
Der Online-Rabattdienst Groupon ist sehr gut an der Börse gestartet. Beim Börsengang am 4.11.2011 rissen sich die Anleger um die Papiere, der Ausgabepreis lag bei 20 Dollar. Mittlerweile sinkt aber nicht mehr nur der Stern des Unternehmens, das Rabattgutscheine für Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungen vertreibt, auch der Aktienkurs fällt stetig.
Ganz anders entwickelt sich der Kurs der Aktie des Karrierenetzwerks LinkedIn. Am 18.5. startete das Unternehmen an der New York Stock Exchange mit einem Ausgabepreis von 45 Dollar je Aktie. Seit dem geht es - unterbrochen von kleinen bis mittleren Ausreißern - stetig nach oben.
38 Dollar betrug der Ausgabepreis der Aktie des sozialen Netzwerks Facebook beim Börsengang. Am 18. Mai 2012 startete das US-Unternehmen an der Technologiebörse Nasdaq - die Aktie verlor bereits in den folgenden drei Wochen rund ein Drittel des Wertes. Die Kritiker sehen sich bestätigt – die Unternehmensbewertung von mehr als 100 Milliarden Dollar hat sich binnen weniger Tage als Luftschloss erwiesen.
Den Unterschied machen vor allem drei Dinge aus: Die Wachstumsrate, das Geschäftsmodell und der Zweck hinter dem Service.
Während Facebook im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur 28 Prozent an Umsatz zulegen konnte, schaffte LinkedIn 88 Prozent. Was auch daran liegt, dass der Quartalsumsatz des Karriere-Netzwerks mit 228 Millionen Dollar nur etwa ein Viertel von dem entspricht, was Facebook erzielt.
Dreistellige Zuwachsraten – wie die 101 Prozent vom ersten Quartal – sind das zwar nicht mehr. Doch für ein immerhin acht Jahre altes Unternehmen ist die Wachstumsrate nicht schlecht. Zwar fiel der Gewinn des Karriere-Netzwerks um 38 Prozent. Aber er war mit 2,8 Millionen Dollar immer noch im schwarzen Bereich, während Facebook wegen hoher Ausgaben durch den Börsengang mit 157 Millionen Dollar in die Miesen rutschte.
Vor allem aber stützt sich LinkedIn auf Geschäftsmodelle, die sich bewährt haben. Zwar nutzt die Mehrzahl der weltweit 174 Millionen LinkedIn-Mitglieder das Karriere-Netzwerk kostenlos. Doch immerhin 19 Prozent des Umsatzes rührt aus dem Verkauf von kostenpflichtigen Abos her. 28 Prozent wird durch klassische Werbung verdient. 53 Prozent durch Job-Anzeigen.
Und diese Geschäftsmodelle sind krisenfest. Denn der Wettbewerb um hochqualifizierte Arbeitnehmer – vor allem in den Hightech-Branchen – ist weiterhin stark. Mehr noch: "Je unsicherer die Zeiten aus makroökonomischer Sicht werden, umso mehr Leute entdecken den Nutzen von online Netzwerken", sagt LinkedIn-Chef Weiner.
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