Lutz Röhmeyer: "Ein Währungskrieg wäre fatal"

InterviewLutz Röhmeyer: "Ein Währungskrieg wäre fatal"

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Droht uns ein Abwertungswettlauf, also ein Währungskrieg?

von Saskia Littmann

Statt Abwertungen der Währungen fordert LBB-INVEST-Fondsmanager Lutz Röhmeyer mehr Reformen in den Schwellenländern. Eine Krise der Emerging Markets sieht er aber nicht. Auch die Zinswende dürfte weniger dramatisch sein, als vielfach angenommen.

WirtschaftsWoche Online: Herr Röhmeyer, die chinesische Notenbank hat nun mehrere Tage in Folge den Yuan abgewertet. Was steckt dahinter? Will China damit seine schwächelnde Konjunktur wieder auf Trab bringen?

Lutz Röhmeyer: Ich sehe die Abwertung nicht als Akt der Verzweiflung, sondern als einen lange geplanten Schritt hin zu freieren Märkten. China plant, seine Finanzmärkte zu öffnen. Das muss schrittweise passieren, so wie es die chinesische Notenbank jetzt auch macht. Dass sich der Referenzkurs des Yuan stärker am Marktgeschehen orientieren soll, ist ein wichtiger Schritt in die Richtung flexibler Märkte mit Kursen, die sich ausschließlich nach Angebot und Nachfrage richten.

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Zur Person

  • Lutz Röhmeyer

    Zur Person: Lutz Röhmeyer, CFA ist Experte für Schwellenländer bei der Landesbank Berlin Investment (LBB-INVEST) und ist als Fondsmanager unter anderem für den Weltzins-INVEST Fonds von LBB-INVEST verantwortlich, einen Rentenfonds, der hauptsächlich in Schwellenländern investiert.

Aber China macht doch mit der Abwertung der eigenen Währung seine heimischen Produkte wieder wettbewerbsfähiger. Das spielt aus Ihrer Sicht keine Rolle?

Nein, die Annahme, es gehe nur um die eigenen Exporte, passt an dieser Stelle nicht. China hat den Yuan jetzt um rund vier Prozent abgewertet. Gegenüber den anderen Schwellenländerwährungen, die in den vergangenen Monaten teilweise rund 30 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar verloren haben, ist das quasi nichts. Wäre es tatsächlich um die Wettbewerbsfähigkeit gegangen, hätte Peking viel härter durchgreifen müssen. Wenn überhaupt holt China damit etwas auf gegenüber asiatischen Konkurrenten wie Vietnam oder Bangladesch.  

Warum?

Beide Länder haben mittlerweile viel geringere Lohnkosten und nehmen China den entsprechenden Teil der billigen Massenindustrie weg, wie beispielsweise in der Textilindustrie.

Lutz Röhmeyer Quelle: LBB Invest

LBB-Invest-Fondsmanager Lutz Röhmeyer im Interview mit WirtschaftsWoche online.

Bild: LBB Invest

Stimmt, aber gehört ein höheres Lohnniveau in China nicht zu den dringend erforderlichen Anpassungsprozessen auf dem Weg zu einer nachhaltiger wirtschaftenden Volkswirtschaft?

Definitiv. Es geht in China vor allem darum, der Bevölkerung, die den Aufstieg zum Boomland und zur „Werkbank der Welt“ vor allem mit niedrigen Löhnen bezahlen musste, etwas zurückzugeben. Die Regierung will den Umbau von einer Exportwirtschaft zu einer eher konsumorientierten. Dafür braucht es aber ein entsprechendes Lohnniveau. Und es muss ein Altersvorsorge-System geschaffen werden, dass den Menschen Sicherheit verschafft. Fehlt das, sparen die Verbraucher weiterhin, statt zu konsumieren.

Noch ist China aber stark vom Export abhängig. Könnte es bei der Yuan-Abwertung nicht auch darum gehen, die Verkäufe nach Europa wieder anzuheizen? Schließlich hat der Yuan gegenüber dem Euro deutlich aufgewertet, seit die Europäische Zentralbank (EZB) massiv Anleihen kauft und damit ihrerseits den Euro schwächt.

Auch wenn das naheliegt, dafür hat diese Abwertung eine viel zu kurze Halbwertzeit. Spätestens wenn die US-Notenbank endgültig die Zinswende einläutet, steigt der Dollar weiter gegenüber dem Euro und wird sich zunehmend auf eine Parität hinbewegen. Aufgrund der Orientierung am US-Doller steigt der Yuan automatisch mit.

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Droht uns dann ein Abwertungswettlauf, also ein Währungskrieg?

Das wäre in jedem Fall fatal und würde uns allen schaden. Die Länder, deren Währungen stark abwerten, versuchen sich in der Regel erfolglos, die dringend notwendigen Strukturreformen zu ersparen.

Und die sind bitter nötig, oder? Viele Experten warnen bereits vor einer Krise der Schwellenländer, aus denen extrem viel Kapital abfließt.

Die Reformen sind tatsächlich nötig, die Kapitalabflüsse und die US-Zinswende sind aber nicht die Haupt-Probleme. Langfristig spielt die Zinspolitik der US-Notenbank in den Schwellenländern eher eine untergeordnete Rolle. Auch die Zinswende wird relativ glimpflich ablaufen.

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