Marc Faber: "Junge Leute tun mir ehrlich leid"

InterviewMarc Faber: "Junge Leute tun mir ehrlich leid"

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Marc Faber, einer der einflussreichsten Investoren der Welt, gibt den Notenbanken eine große Mitschuld an der wirtschaftlichen Lage.

von Philipp Mattheis

Investorenlegende Marc Faber sieht den freien Kapitalismus am Ende und sorgt sich über die zunehmende Ungleichheit zwischen Arm und Reich . Mit welchen Aktien er sich gegen die von ihm erwartete Geldentwertung stemmt.

Herr Faber, in der Ukraine herrscht Krieg, im Irak und in Syrien ist die Terrorgruppe Islamischer Staat auf dem Vormarsch. Beunruhigt Sie das als Investor?

Die wirtschaftliche Bedeutung des Nahen Ostens ist nicht besonders groß. Insofern lässt mich das als Investor eher kalt. Vielleicht geht der Ölpreis nochmals nach oben, vielleicht auch nicht. Anders sieht die Sache schon in Russland aus. Diese unsäglichen Sanktionen gegen Wladimir Putin haben einen negativen Effekt auf die Wirtschaft Europas, insbesondere die deutsche. Das wird viele Großkonzerne und damit auch ihre Aktionäre etwas kosten. Natürlich leidet darunter am allermeisten die russische Wirtschaft.

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Zur Person

  • Marc Faber

    Faber, 68, Herausgeber des „Gloom, Boom & Doom Report“, zählt zu den einflussreichsten Investoren der Welt. 1987 warnte er rechtzeitig vor dem Crash. Seine Warnung vor dem Tech-Crash kam zu früh, aber wer auf ihn hörte, verlor weder 2000 noch in der Finanzkrise Geld. Als 2009 Aktien out waren, riet Faber zum Einstieg. Der Schweizer arbeitete für US-Banken und zog 1973 nach Asien. Er berät Fonds und managt für Kunden 300 Millionen Dollar.

Sie halten nichts von den Wirtschaftssanktionen gegen Russland?

Geopolitisch sind sie ein Desaster. Sie führen dazu, dass sich Russland von Europa entfernt und sich China annähert. Damit fließt mehr russisches Kapital nach Fernost.

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Quelle: dpa

Sind die europäischen Politiker kurzsichtig?

Ich glaube, die Politiker und viele Journalisten hassen Putin einfach, weil er einer der wenigen intelligenten Politiker ist. Die Geschichte um den Abschuss der malaysischen Maschine MH17 über der Ukraine war doch eine Farce. Das Flugzeug kann von mehreren Parteien abgeschossen worden sein. Niemand weiß genau, was da passierte, und trotzdem hat man sofort den Russen die Schuld gegeben. Und dass eine Maschine einfach über dem Indischen Ozean verschwindet, kann mir auch niemand erzählen. Da ist doch etwas faul an dieser Geschichte!

Was denn?

Ich weiß es nicht. Aber keiner in Asien hat Interesse, ein solches Flugzeug abzuschießen. Das können nur westliche Mächte gewesen sein. Manche sagen, es hätte sensibles Gerät an Bord, das nicht nach China gelangen sollte.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

  • Handelsvolumen

    China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

  • Exporte

    Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

  • Importe

    Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

  • Investitionen

    Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Das klingt, als hätten Sie nicht mehr viel Vertrauen in den Westen...

Dass die Europäische Zentralbank seit Jahren Geld druckt und dass die Regierungen viel zu viel davon ausgeben, kritisiere ich seit Langem. Die Gelddruckerei erlaubt Regierungen, den Staat zu extrem günstigen Konditionen zu vergrößern. Das ist das eigentliche Problem – die Staatsquote ist zu hoch. Die aktuelle Politik der Europäischen Zentralbank ist nicht wachstumsorientiert. Die europäische Wirtschaft ist moribund. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Europa noch mal drei oder vier Prozent wachsen soll. Es gibt viel zu viele Regularien – und die schaden vor allem den kleinen Unternehmen. Große Unternehmen jubeln.

Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt Quelle: EU-Kommission

Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (in Prozent). Klicken Sie hier, um die Grafik zu vergrößern.

Bild: EU-Kommission

Warum?

Weil Großkonzerne sich ein Heer von Anwälten leisten können! Deswegen haben internationale Konzerne indirekt ein Interesse an mehr Gesetzen. Dadurch zementiert sich ihre marktbeherrschende Stellung. Für kleine und mittelständische Unternehmen wird es dagegen schwieriger.

Die US-Wirtschaft konnte in letzter Zeit dagegen wieder zulegen. Können die USA nicht wieder zur Wachstumslokomotive werden?

Die demografischen Faktoren sind in den USA besser. Aber die Gesundheitsreform Obamacare ist eine Katastrophe – auch hier steigt die Staatsquote und Großkonzerne wirken in Form von Lobbyismus auf die Regierung ein. Letztlich unterscheiden sich die Probleme nur gering von denen Europas. Wir haben keinen freien Kapitalismus mehr. Heute bestimmen Großkonzerne und Politik alles.

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