Marktausblick Pimco: Kommt die Krise, gibt es kaum Rettung

Marktausblick Pimco: Kommt die Krise, gibt es kaum Rettung

, aktualisiert 28. Juni 2017, 15:44 Uhr
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Der Ausweg für Notenbanken wird eng, sollte es bald zu einer Krise kommen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der weltgrößte private Anleiheinvestor Pimco mahnt Anleger zur Vorsicht. Vorerst sehe es zwar stabil aus an den Finanzmärkten. Doch eine Rezession in den kommenden drei bis fünf Jahren ist wahrscheinlich.

FrankfurtInvestoren sollten gewappnet sein für Schocks, die die Welt in eine Rezession stürzen können und für Unruhe an den  Märkten sorgen. Davor warnen die obersten Strategen der Allianz-Fondstochter Pimco. Eine solche Rezession sei wahrscheinlich, wenn es zu Schocks kommt – für die es verschiedene Anlässe geben könnte. Die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen hatte am Vortag noch anders geklungen. Eine neue Finanzkrise werde es „nicht zu unseren Lebzeiten“ geben, so die 70-Jährige.

Pimcos Chef-Anlagestratege für Anleihen, Andrew Balls, mahnte am Mittwoch in Frankreich zu mehr Vorsicht. Bisher machten etwa Aktien- und Anleihemärkte einen stabileren Eindruck als in den vergangenen Jahren, sagte er auf einer Pressekonferenz. Aber es reiche nicht, nur auf die sich international aufhellenden Wachstumsraten zu blicken, mahnt er. „Wir sind besonders vorsichtig, was potenzielle Wendepunkte für die Märkte angeht“.

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Zu 70 Prozent wahrscheinlich hält Pimco-Chefökonom Joachim Fels eine weltweite Rezession in den kommenden drei bis fünf Jahren. Und das liegt seiner Ansicht nach nicht allein am fortgeschrittenen Konjunkturzyklus. Zwar befinde sich die Welt im neunten Jahr des Aufschwungs, doch wirke die Wirtschaft noch wie mitten im Zyklus, sagt er. So gebe es weder übertrieben hohe Investitionen noch einen Überkonsum und auch keinen überhitzten Immobilienmarkt.

Doch die Pimco-Strategen machen verschiedenste Risiken in der Welt aus, die leicht als Auslöser für eine Krise dienen könnten, wie Fels erklärt. Allen voran nennt der Ökonom die Schuldenblase in China. Diese versuche die Regierung in Peking bereits, in den Griff zu bekommen. Sie berge die Gefahr einer massiven Abwertung des Yuan, wenn sich das Land weiter öffne und mehr Kapital abfließen könne.

Außerdem droht den Strategen zufolge die Gefahr von politischen Fehler. In den USA agiere der neue Präsident Donald Trump entgegen seiner frühen Ankündigungen bislang vor allem national, sagte Balls. Fiskalpolitisch könnte eine massive Steuerentlastung – wie Trump sie angekündigt hat – bei nahezu Vollbeschäftigung zunächst zu einer Überhitzung der Wirtschaft führen. Später aber könnte eine Rezession folgen, wenn die Notenbank mit deutlichen Zinserhöhungen etwa eine dann anziehende Inflation bekämpfen müsse.

Nicht zuletzt birgt laut Pimco auch die Geldpolitik der großen Notenbanken das Risiko, eine globale Krise auszulösen, wenn diesen kein ausreichend sanfter Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik gelingt.


Kein einfacher Ausweg

Ist die Welt einmal in eine Rezession gerutscht, dann gibt es nach Auffassung der Pimco-Strategen in der Niedrigzinswelt weniger Möglichkeiten als früher, gegenzusteuern. Denn das Instrument massiver Leitzinssenkungen zur Ankurbelung der Konjunktur falle aus. Schon jetzt liege das Zinsniveau schließlich in der Euro-Zone bei null und in den USA bei nur gut einem Prozent, sagt Fels. In der Finanzkrise Ende 2007 senkte die US-Notenbank Fed binnen Monaten den Leitzins um mehr als zwei Prozentpunkte. 

Aktuell rechnen die Pimco-Strategen nicht mehr damit, dass die Fed in diesem Jahr noch einmal den Leitzins anhebt. Im Herbst dürfte sie zunächst ihr Programm zur Reduzierung ihrer Bilanz konkretisieren und starten. 2018 könnten dann bis zu vier Zinsanhebungen folgen, wenn Trump die Steuern senkt, meint Fels. Wenn nicht, sollten nicht mehr als zwei  Zinsschritte folgen.

In der Euro-Zone sind Leitzinserhöhungen dagegen noch weit entfernt, wie die Pimco-Strategen meinen. Vor 2019 dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins nicht anheben. Die Euro-Notenbanker seien vorerst damit beschäftigt, die milliardenschweren monatlichen Anleihekäufe zurückzuführen, sagte Andrew Bosomworth, Fondschef für Pimco in Deutschland.

In seiner Rede am Dienstag, in der sich EZB-Chef Mario Draghi weniger besorgt über die Inflationsentwicklung geäußert und damit die Anleihekurse auf Talfahrt geschickt hatte, habe Draghi „auf elegante Weise gesagt, dass die EZB die Anleihekäufe im kommenden Jahr zurückführen muss.“ Im Dilemma sieht Bosomworth die führenden Notenbanker, was die Inflationsziele angeht: In einer Welt vorerst anhaltend niedriger Kapitalmarktzinsen und hoher Verschuldung seien die Ziele eigentlich nicht mehr zu halten, wenn die Geldpolitik künftig weniger expansiv werde.

Die Anleihemärkte halten die Pimco-Strategen nicht für billig, sehen aber keine Blase in einer Welt mit weiterhin eher niedriger Kapitalmarktzinsen. Bonds-Chefstratege Ball hält aktuell US-Papiere für eine relativ sichere Anlage und etwa auf einem Renditeniveaus um gut zwei Prozent für die zehnjährige US-Staatsanleihe.

In Europa gebe es dagegen nur noch selektive Renditechancen: „Statt sich in Italien bei länger laufenden Staatsanleihen mit knapp zwei Prozent Rendite zu begnügen, finden wir außerhalb von Europa höhere Rendite zu geringerem Risiko“, sagte er. Schwellenländer seien eine mögliche Anlageregion. Grundsätzlich setzen die Pimco-Fondsmanager verstärkt auf ausgwählte Firmen- und Hochzinsanleihen – auch wenn dort immer weniger für das höhere Risiko bezahlt wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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