Marktbericht: Börse ohne Orientierung

Marktbericht: Börse ohne Orientierung

von Andreas Toller

Nachdem US-Notenbankchef Ben Bernanke ein Ende der lockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt und die Märkte auf Talfahrt geschickt hat, erholen sich Aktien, Gold und Rohöl leicht. Aber Investoren bleiben nervös.

Der Kursverlust im Deutschen Aktienindex Dax betrug nach Handelsschluss knapp 3,3 Prozent, an der Wall Street fiel der Dow Jones um mehr als 2,3 Prozent und bei den Rohstoffen sackte der Goldpreis um sogar um 5,2 Prozent. Rohöl der Sorte Brent fiel um knapp drei Prozent. Dass die Märkte momentan vor allem durch die Geldpolitik der Zentralbanken beherrscht werden, wurde einmal mehr offensichtlich.

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Der panischen Reaktion folgte zum Handelsauftakt in Europa am heutigen Freitag etwas Ernüchterung, die Märkte legten moderat zu. Der Dax klettert bis zum Mittag um mehr als ein halbes Prozent und nähert sich damit wieder der 8000-Punkte-Marke. Auch beim Dow Jones zeichnet sich vor Eröffnung der Wall Street ein Plus von mehr als 0,7 Prozent ab. Der dreifache Verfallstag von Optionen und Futures auf Aktien und Indizes – der einmal im Quartal anstehende „Hexensabbat“ – dürfte jedoch zu hohen Umsätzen und schwankungsfreudigen Kursen an der Frankfurter Börse führen.

Riedls Dax-Radar Aktien-Aufschwung auch bei höheren Zinsen

Ben Bernankes geldpolitischer Ausstiegsplan verunsichert die Optimisten. Die Korrektur an den Börsen setzt sich fort, doch die große Hausse ist nicht zu Ende. Von Anton Riedl.

Zwei kleine Plastikbullen, Symbol für eine gute Börsenentwicklung, stehen am 08.03.2013 in der Börse in Frankfurt am Main vor der großen Anzeigetafel, die den Tagesverlauf des Dax darstellt. Quelle: dpa

Dass die lockere Geldpolitik irgendwann zu Ende geht, war schon vor der Rede Ben Bernankes Gewissheit. Lediglich mit einem vagen Zeitplan konkretisierte der Chef der Notenbank Federal Reserve dieses Vorhaben, wenn auch in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der US-Konjunktur und mit reichlich Vorlauf. Erst im Herbst könnten die ersten Maßnahmen zur Rücknahme der expansiven Geldpolitik anstehen. Die Aussicht auf einen Ausstieg aus den Anleihenaufkäufen der Notenbank und eine mögliche Erhöhung der Leitzinsen ab dem kommenden Jahr hatte die Börse schon seit Wochen belastet. Dax und Dow Jones mussten sich von ihren jüngsten Allzeithochs vorerst wieder verabschieden. Hinzu kam, dass die Sorgen um eine Abschwächung der Konjunktur in China und jüngste Berichte einer Kreditklemme bei Chinas Banken Sorgen um die Zugkraft der Konjunkturlokomotive in Fernost befeuerte.

Morgan Stanley-Chefökonom Joachim Fels Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Eigentlich müssten damit die Börsen die nun angekündigten Einschnitte also längst eingepreist haben. Die heftige Reaktion der Märkte – insbesondere auch bei Gold und Rohöl – zeigen jedoch, dass die Anleger weiter sehr nervös auf die Börse blicken. Die Panik vor einem Kollaps der hochverschuldeten Staaten und einer galoppierenden Inflation ist längst der Angst vor einem Ende der historischen Geldflut gewichen. Mehr Gelassenheit unter Investoren und die Fokussierung auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten ist an den Märkten derzeit selten.

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