Marseille Kliniken: Der Börsenabgang wäre für Aktionäre eine Katastrophe

Marseille Kliniken: Der Börsenabgang wäre für Aktionäre eine Katastrophe

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Warum soll das Unternehmen von der Börse?

von Melanie Bergermann

Großaktionär Ulrich "Uli" Marseille hatte oft Probleme, private von Konzerninteressen zu trennen. Jetzt soll die Firma von der Börse – gut für Uli, bitter für seine Aktionäre.

Bei allen Fehlern, die Thomas Middelhoff im Lauf seiner Karriere gemacht hat, eines muss man ihm zugestehen: Der ehemalige Karstadt-Chef ist ein brillanter Verkäufer. Als die Aktionäre der Marseille Kliniken im Oktober 2012 darüber entscheiden sollten, ob der Pflegeheimkonzern vom geregelten Markt der Börse in den unregulierten Freiverkehr wechseln darf, wollte er – damals noch Vorsitzender, heute Mitglied des Aufsichtsrats – den Anteilseignern weismachen, dass das keine große Sache sei. „Sie sind viel zu klug, um anzunehmen, dass der Handelsplatz über den internen Wert der Aktie entscheidet“, besänftigte er Kritiker.

In den Ohren der Aktionäre klingt das wie Hohn. Der Kurs der Marseille-Aktie ist seitdem rund 35 Prozent gefallen, während der Kleinwerteindex SDax 50 Prozent zulegte. Mitte August soll das Elend ein Ende haben: Die Klinikkette soll delistet werden, von der Börse verschwinden. Anleger reagieren verschreckt und verkaufen.

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Ulrich Marseille, dem Gründer und Großaktionär, könnte das recht sein. Das Delisting, argwöhnen einige Aktionäre, könne nur ein Ziel haben: Marseille, der mit Gattin Estella-Maria 2013 den Besitz von rund 60 Prozent der Aktien meldete, einen letzten Fischzug zu ermöglichen. Mit der Ankündigung eines Delistings falle typischerweise der Kurs, das ermögliche es dem Großaktionär, billig Aktien einzusammeln. Bei einem anschließenden Verkauf der Heime könne er dann Kasse machen. Familie Marseille gab zu diesen Spekulationen bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme ab. Die Klinikkette begründete das Delisting mit den „perspektivlosen politischen Rahmenbedingungen“ für private Pflegedienstleister und damit, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit kein Geld am Kapitalmarkt aufnehmen wolle.

Thomas Middelhoff Miles & More

Die Zahl der Prozesse und Verfahren, in die der frühere Arcandor-Chef verwickelt ist, ist kaum noch überschaubar.

Vielflieger und -prozessierer: Middelhoff im Landgericht Essen. Quelle: REUTERS

Marseille – intern „weißer Hai“ genannt – hatte an den Marseille Kliniken mit ihren 60 Pflegeheimen und 200 Millionen Euro Umsatz lange prächtig verdient:

- Ein Unternehmen der Familie plante für zwei Millionen Euro ein Zentrum zur Behandlung von Inkontinenz für die Klinikkette. Der Entwurf wurde bezahlt, gebaut aber wurde nie.

- Estella-Maria Marseille verkaufte 2010 einen Heimbetreiber in Gera für 6,5 Millionen Euro an die Marseille Kliniken, obwohl das Unternehmen laut Ersteinschätzung eines Gutachters viel weniger wert gewesen sein soll.

- Eine Tochter der Marseille Kliniken verpflichtete sich, ein Flugzeug von Ulrich Marseilles SGS GmbH zu nutzen. Es ging um 300 bis 450 Flugstunden pro Jahr.

Im Geschäftsbericht 2009/10 füllen die Geschäfte mit der Familie über vier Seiten. Sie waren wohl deshalb möglich, weil Ulrich lange selbst in diversen Positionen für die Geschäfte verantwortlich zeichnete und der Aufsichtsrat stets mit seinen Gefolgsleuten besetzt war. Zu dem Gremium gehört neben Ehefrau Estella und Thomas Middelhoff, Letzterer seit Jahren ein Freund der Familie, auch Ex-„Bild“-Chef Hans-Hermann Tiedje, ebenfalls ein enger Begleiter Marseilles. Im Gegenzug sitzt Marseille im Kontrollgremium von Tiedjes PR-Firma, die wiederum Middelhoff beriet.

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