Das sind die Lieblingsaktien
Bild: REUTERSGegen Kerviels fünf Milliarden nimmt sich der Verlust, den Kweku Adoboli der Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 eingebracht hat, fast mickrig aus: 2,3 Milliarden Dollar sollen seine Handelsgeschäfte die UBS gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn, der dieser Tage beginnt, plädiert Adoboli auf nicht schuldig.
Bild: REUTERSNick Leeson sorgte für die wohl größte Fehlspekulation der 90er-Jahre, als er für die singapurische Außenstelle der traditionellen britischen Barings Bank als Chefhändler arbeitete. Die Verluste seiner Trades, die er auf ein geheimes und nicht kontrolliertes Konto verbuchte, summierten sich auf 825 Millionen Pfund – bis die Barings Bank zusammenbrach. Später wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.

Nicht weniger Aufsehen erregte die Silber-Spekulation der Brüder Hunt: Nelson Bunker und Herbert William Hunt kauften ab Mitte der 1970er Jahre enorme Mengen an physischem Silber auf. Zudem erwarben sie Silber-Kontrakte, teilweise auf Pump. Dass die Börsenaufsicht später die Regeln änderte, hatte zum einen zur Folge, dass der Wert des physischen Silbers fiel, zum anderen, dass die Hunts ihre Long-Positionen in bar ausgleichen mussten. Das konnten sie irgendwann nicht mehr – und gingen bankrott.
Bild: REUTERSDer Aktienhändler Jérôme Kerviel brachte seinen Arbeitgeber, die französische Bank Société Générale, mit hochriskanten Aktiengeschäften um fünf Milliarden Euro. Dafür, dass er bei seinen Trades regelmäßig Handelslimits überschreiten konnte, wurde allerdings auch die Bank selber verantwortlich gemacht. Kerviel wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, ging aber in Berufung. Das Urteil wird für Oktober erwartet.
Bild: REUTERSDass aufsehenerregende Fehlspekulationen nicht immer mit Betrug einhergehen müssen, sondern manchmal schlicht und ergreifend auf falschen Einschätzungen beruhen, zeigt das Beispiel John Paulson. Der Hedgefondsmanager, der in der Finanzkrise noch 16 Milliarden Dollar verdient hatte, lag im Jahr 2011 des Öfteren falsch. So setzte er zu früh auf eine Erholung der US-Konjunktur – und verlor dadurch mehrere Milliarden Dollar.
Bild: dapdAuch bei der US-Bank JP Morgan Chase verspekulierte man sich im großen Stil. Im Frühling dieses Jahres informierte Konzernchef Jamie Dimon die JP-Morgan-Aktionäre persönlich, dass sein Institut im Monat zuvor rund zwei Milliarden Dollar bei spekulativen Finanzwetten verloren hatte. Dimon räumte dabei „ungeheuerliche Fehler und Schlampereien“ ein.
Bild: REUTERSCarl Icahn, berühmt-berüchtigter Corporate Raider, lag in den vergangenen Jahren mehrfach daneben. Icahn verlor etwa mit seinem Engagement beim Internetpionier Yahoo ordentlich Geld: Die 12,7 Millionen Yahoo-Papiere, die er ein Jahr zuvor für rund 25 Dollar pro Aktie gekauft hatte, veräußerte er im Herbst 2009 für unter 15 Dollar das Stück.
Bild: dpaSogar Investorenlegenden sind vor Irrtümern nicht gefeit. George Soros, der Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Wette gegen das Pfund Sterling einen Milliardengewinn erzielt hatte, verzockte sich 2008 mit Papieren der späteren Pleitebank Lehman: Wenige Monate vor deren Zusammenbruch hatte Soros auf ihre Rettung gewettet und dazu knapp zehn Millionen Lehman-Aktien angehäuft – die kurze Zeit später wertlos waren.

Selbst Benjamin Graham, der Inbegriff der fundamentalen Wertpapieranalyse, ist nicht von Irrtümern freizusprechen. Der Urvater des Value Investing hatte 1926 einen eigenen Investmentfonds gegründet. Damit erlitt er beim legendären Börsencrash von 1929 Schiffbruch, in den Folgejahren soll er 70 Prozent seines Kapitals verloren haben.
Bild: dapdSelbst der Graham-Schüler Warren Buffett, der Value-Investor schlechthin und derzeit wohl der prominenteste Börsenguru, macht nicht immer alles richtig. Das „Orakel von Omaha“, so sein Spitzname, erwarb Anfang 2012 zehn Millionen Papiere von General Motors. Wenige Monate danach brach der Kurs um knapp 20 Prozent ein. Der Fairness halber ist allerdings zu erwähnen, dass solche Ausrutscher bei Buffett selten sind.
Gegen Kerviels fünf Milliarden nimmt sich der Verlust, den Kweku Adoboli der Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 eingebracht hat, fast mickrig aus: 2,3 Milliarden Dollar sollen seine Handelsgeschäfte die UBS gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn, der dieser Tage beginnt, plädiert Adoboli auf nicht schuldig.
Und wo sollten Anleger suchen? Zunächst gibt der Crashprofessor einige allgemeine Hinweise, die eigentlich jedem Anleger geläufig sein müssten. Schauen Sie auf Branchen oder Länder, die eigentlich niemanden interessieren. Japan sei ein gutes Beispiel gewesen nach der Atomkatastrophe in Fukushima, sagt Otte. Niemand wollte im März 2011 etwas von japanischen Aktien wissen. Die Kurse waren nach dem verheerenden Unfall abgesackt. Otte dagegen griff zu.
Auf seiner Liste hatte er Shimano stehen, den bekannten Hersteller von Fahrradgangschaltungen. Ein Unternehmen, seit Generationen in Familienbesitz und ebenso lange profitabel, dazu fast schuldenfrei. Aus Ottes Sicht damals ein echtes Schnäppchen.
Derzeit hat der Kölner vor allem die südeuropäischen Börsen im Blick, allen voran Griechenland, von Investoren seit Jahren verschmäht und abgestraft. Die Kurse in Athen hätten vermutlich den Boden erreicht, sagt Otte. Hinter vielen Unternehmen steckte mehr Substanz, als es die Börsenbewertung vermuten ließe. So wie im Falle der griechischen Telekom OTE etwa.
Selbst wenn die Griechen aus dem Euro austräten, wäre das keine Katastrophe, meint der Kölner Investor. Kurzfristig würde es vermutlich nochmal krachen, auf lange Sicht sollte die Wiedereinführung der Drachme allerdings ein wahrer Segen sein für die griechischen Unternehmen. Die schwache Währung würde sie auf einen Schlag deutlich wettbewerbsfähiger machen im internationalen Vergleich. Die Exporte griechischer Produkte würden wieder steigen.
Was aus 1000 Euro in zehn Jahren wurde
Deutscher Aktienindex (Dax)
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro
Dow Jones
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro
EuroStoxx 50
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro
Nikkei
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro
Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro
MSCI Emerging Markets
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro
Gold
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro
Silber
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro
Öl
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro
Weizen
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro
Kaffee
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro
Staatsanleihen (Rexp)
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro
Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)
Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro
Sparbuch
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.092 Euro*
*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)
Tagesgeld
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.192 Euro*
*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent
Festgeld
Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.239 Euro*
*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent
Aber nicht nur Griechenland beobachtet Otte derzeit genau. Auch in Spanien oder Italien gäbe es lukrative Gelegenheiten, meint der Investor. Auf der Liste der interessanten Unternehmen steht unter anderem Mediaset, der Medienkonzern von Silvio Berlusconi, dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten.
Aber auch in Deutschland gibt es interessante Unternehmen. Zu finden sind sie innerhalb von Branchen, die von Investoren derzeit kaum beachtet würden, der Stahlindustrie beispielsweise. Eines der derzeitigen Lieblingsunternehmen kommt daher aus dem südlichen Niedersachsen, der MDax-Konzern Salzgitter.
Ein solides Unternehmen sei das, schreibt Otte, mit einem Umsatz von beinahe zehn Milliarden Euro und einer Kapazität von rund acht Millionen Tonnen Rohstahl. Trotz Euro-Schuldenkrise verdiene das Unternehmen ordentlich, schreibt Otte, auch wenn die vergangenen Monate für die Branche nicht leicht gewesen seien. Zwar sei das Unternehmen sehr konjunkturabhängig, der Aktienkurs schwankt also mitunter kräftig. Allerdings gehöre Salzgitter aufgrund seiner Weltmarktstellung zu den solidesten und beständigsten Unternehmen in Deutschland.
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