Mega-IPOs: Ernte vor dem Ende des Börsenbooms

KommentarMega-IPOs: Ernte vor dem Ende des Börsenbooms

von Hauke Reimer

Alibaba, Zalando oder Rocket Internet werden beim Börsenstart mit Milliarden bewertet. Derart große Börsengänge signalisieren oft ein Ende der Hausse. Oder ist diesmal wirklich alles anders?

Alle kaufen, als ob es morgen keine Aktien mehr gibt. Im Windschatten von Chinas Alibaba, die in New York den größten Börsengang (IPO) aller Zeiten hinlegte, gehen hierzulande die Aktien des Online-Händlers Zalando und der Start-up-Schmiede Rocket Internet weg wie geschnitten Brot. Selbst der chinesische Daunenverarbeiter Snowbird schleppt sich aufs Parkett „am oberen Rand der Preisspanne“, wie er stolz meldet. (Dass er statt zehn Millionen nur 1,5 Millionen Aktien untergebracht hat, muss er Anlegern ja nicht unbedingt auf die Nase binden.)

Doch zurück zu den Internet-Riesen: Analyst Roger Peeters von Close Brothers Seydler vergleicht den Alibaba-Börsengang mit dem von Facebook 2012. Anders als vor zwei Jahren scheine die IPO-Begeisterung diesmal auch über den Großen Teich zu schwappen, schreibt er in seinem an angelsächsische Investoren gerichteten Morning Briefing. Es sei typisch für den deutschen Markt, dass das Anlegerinteresse an den Aktien von einer Menge kritischer Pressestimmen begleitet werde. Das deute darauf hin, dass die Kurse noch eine ganze Weile steigen könnten.

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Mega-IPO Der Anfangserfolg von Alibaba muss nicht von Dauer sein

Das Interesse an Aktien von Alibaba ist riesig, offenbar können zunächst gar nicht alle Investoren bedient werden. Eine Analyse der größten Börsengänge zeigt, dass der Optimismus oft nicht lange anhält.

Quelle: AP

Peeters bemüht hier die Sentiment-Theorie. Die sagt: Wenn Börsenblätter „kaufen, kaufen!“ schreiben und Anleger ihnen folgen, dann ist an der Börse Alarm angesagt. Denn die vielen Optimisten hätten dann schon Aktien, fallen also als Nachfrager aus. Sind aber alle vorsichtig, steigen die Kurse weiter.

Das kann man so sehen. Auch wenn ein Geschäftsmodell nicht nachhaltig erfolgreich ist, kann es für den Börsenerfolg reichen, wenn es die Fantasie der Anleger beflügelt. Es könnte ja klappen, und dann hat man eben die nächste Amazon im Depot.

Was Anlageprofis von den Internet-Börsengängen halten

  • Nigel Bolton, Vermögensverwalter Blackrock

    Der weltweite Markt für Börsengänge sei heiß gelaufen, sagt auch Nigel Bolton, Fondsmanager beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Zu heiß, wenn Sie mich fragen". Nun schwappe die Welle nach Deutschland, sagte er dem "Handelsblatt". Blackrock prüfe alle Börsenkandidaten. "Aber man darf sich nicht vom Hype um Börsengänge anstecken lassen."

  • Bjorn Gustafsson, Kepler Cheuvreux

    "Es gibt nicht viele Wege den E-Commerce-Markt zu spielen," sagt Bjorn Gustafsson, Analyst bei Kepler Cheuvreux in Stockholm. "Die Aktien erscheinen jetzt billig", konstatiert er und ergänzt, dass Investoren sowohl nach dem Zalando- also auch nach dem Rocket-Internet-Börsengang gieren würden.

  • Robert Halver, Baader Bank

    "Das letzte Mal, dass hier auf dem Parkett mehr Journalisten als Händler waren, war während der Eurokrise. Bei einem Börsengang habe ich das zuletzt bei der Telekom erlebt", sagte Robert Halver, Händler bei der Baader-Bank.

  • Unbekannter Börsenhändler

    "Richtig Glück haben Anleger gehabt, die Zalando-Aktie bekommen haben und sie heute Morgen direkt wieder verkauft haben. Die konnten sich über einen schönen, schnellen Zeichnungsgewinn freuen", sagte ein Händler.

  • Frank Wieser, Geschäftsführer, Packenius, Mademann + Partner

    "Die Aktien haben wir für unsere Kunden nicht gezeichnet. Zwar verzeichnet Zalando am ersten Tag ein attraktives Kursplus, wir wollen aber erst mal abwarten wie und ob die Aktie sich langfristig durchsetzt. Der Börsengang ist nicht wie erwartet verlaufen… Aber die Aktie ist zu spannend um sie nicht zu beobachten. Zalando könnte sich langfristig zu einem echten Amazon Konkurrenten entwickeln. Dafür sind aber noch zwei bis drei 'stabile Jahre' notwendig, aus denen man erkennen kann, ob sich das Geschäftsmodell langfristig trägt."

  • Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner

    "Beide Aktien sind für uns völlige Non-Investments. Die Bewertung der Firmen ist utopisch. Die Geschäftsmodelle sind nicht nachhaltig. Von diesem Börsengang profitieren nur die Initiatoren, die die Gunst der Stunde nutzen und die Aktien in die aktuelle Internet-Euphorie hinein platzieren."

  • Martin Weidner, Consulting Team Vermögensverwaltung AG

    "Wir haben keine der beiden Aktien gezeichnet. Wir sind insbesondere bei Zalando noch nicht davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell auch nachhaltig funktioniert und dauerhaft Gewinne abwirft. Wir folgen insgesamt eher dem Ansatz, in Unternehmen mit einem langfristig erfolgreichen Geschäftsmodell und einer guten und stetigen Dividendenrendite zu investieren. Selbstverständlich werden wir die beiden Werte unter Beobachtung nehmen und bei einer entsprechenden Geschäftsentwicklung unsere derzeitige Anlageentscheidung überdenken."

  • Aktionärsschützer

    Die Aktionärsvereinigung DSW warnt Privatanleger vor dem Kauf von Aktien des Online-Modehändlers Zalando und des Internet-Konglomerats Rocket Internet. "Vorsicht vor einem neuen Neuen Markt. Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger", sagte DSW-Vize-Präsident Klaus Nieding kurz nach dem Börsenstart von Zalando. "Es ist ein spekulatives Investment." Der Kauf von Zalando-Aktien berge große Risiken, sagte Nieding. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren keine Gewinne erwirtschaftet. Zudem hätten die früheren Mehrheitsaktionäre weiter großen Einfluss. Noch kritischer sieht Nieding den für Donnerstag geplanten Börsengang von Rocket Internet; die Firma ist weltweit an Dutzenden Start-Ups beteiligt. Die meisten von ihnen schreiben rote Zahlen. "Bei Rocket Internet und Zalando kaufen sie - wie bei den Neuen-Markt-Werten - im Grunde genommen Hoffnung", sagt Aktionärsschützer Nieding. Der aktuelle Börsenboom ist laut Nieding darauf zurückzuführen, dass es auf der Bank kaum noch Zinsen gibt und Geld im Überfluss vorhanden ist. "Das ist eine rein liquiditätsgetriebene Hausse."

Und so war Mitte der vergangenen Woche schon absehbar, dass Zalando und Rocket zu Spitzenpreisen zugeteilt werden. Und auch, dass Normalanleger nicht an Aktien kommen – die werden knapp gehalten und gehen vor allem an Londoner Adressen. Private dürfen dann an der Börse teurer nachkaufen. Womöglich ergibt das sogar Sinn: Eine Hausse kann länger laufen, als kluge Leute denken. Die Entscheidung kann einem niemand abnehmen: Soll ich weiter die Welle reiten? Oder nur in Unternehmen investieren, die mich auf längere Sicht überzeugen?

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Dass die Börsengänge gerade jetzt kommen, lässt sich auch so deuten: Alteigentümer und ihre Investmentbanker sind erfahren im Timing, sie sehen ein Ende des Booms und wollen noch ihre Ernte einfahren. Wer Aktien verkauft, orientiert sich an den Preisen börsennotierter Unternehmen. Die Preise, die aktuell gezahlt werden, finden Verkäufer offensichtlich attraktiv. Eine Häufung großer Börsengänge signalisiert deshalb seit jeher, dass die Kurse ausgereizt sind.

Dagegen spricht aktuell nur, dass Banken und Investoren noch supergünstig an Geld kommen und das anlegen wollen. Sollte dank der lockeren Geldpolitik diesmal wirklich alles anders sein? Ich weiß nur: Der Satz „diesmal ist alles anders“ ist der gefährlichste und teuerste überhaupt an der Börse.

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