Milliardenmarkt Marihuana: Kiffer am Kapitalmarkt

Milliardenmarkt Marihuana: Kiffer am Kapitalmarkt

von Andreas Toller

Börse bekifft: Die Cannabis-Legalisierung in zwei US-Staaten hat einen dynamischen Wachstumsmarkt geschaffen. Anleger können profitieren – wenn sie risikofreudig sind.

Actionfilm-Star Jackie Chan ist als Vater traurig und enttäuscht. Das schrieb der chinesische Filmheld am vorigen Mittwoch in seinem Blog, nachdem die Verhaftung seines 31-jährigen Sohnes wegen Drogenbesitzes und -konsums bekannt geworden war. Im Haus von Jaycee Chan in Peking hatte die Polizei 100 Gramm Marihuana sichergestellt. Nun drohen dem Sprössling bis zu drei Jahre Haft. Vater und Sohn entschuldigten sich öffentlich. „Ich schäme mich“, schrieb Vater Jackie seinen Fans.

Staatliche Regelungen von Cannabiskonsum

  • Deutschland

    Cannabis-Produkte sind illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten. Das Betäubungsmittelgesetz sieht Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Haft vor. Beim Umgang mit „nicht geringen Mengen“ - bei Haschisch und Marihuana 500 Konsumeinheiten à 15 Milligramm Tetrahydrocannabinol (THC) - liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft. Für „Gelegenheitskiffer“ kennt das Gesetz die Untergrenze der „geringen Menge“ zum Eigenverbrauch. Bei wenigen Konsumeinheiten kann die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen. Das ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.

  • Niederlande

    In den rund 650 Coffeeshops darf im Prinzip jeder Erwachsene Marihuana oder Haschisch legal kaufen. Der Besitz von fünf Gramm ist nicht strafbar. Seit 2013 können Kommunen den Verkauf an Ausländer untersagen, um den Drogentourismus aus Nachbarländern zu unterbinden. Während der Verkauf für den privaten Konsum erlaubt ist, bleibt der Anbau von mehr als fünf Cannabis-Pflanzen verboten. Dadurch dürfen Coffeeshops Haschisch zwar legal verkaufen, die Ware wird aber illegal durch die Hintertür angeliefert.

  • Tschechien

    Ein Jahr nach der Legalisierung von Cannabis für medizinische Anwendungen hat die Substanz nach Medienberichten noch keinen Patienten erreicht. Zwar können Ärzte bei schweren Erkrankungen wie Krebs, Multipler Sklerose oder Parkinson Cannabis verschreiben, doch ist das Mittel noch nicht verfügbar. Kritiker werfen dem Gesundheitsministerium in Prag mutwillige Verzögerung bei der Vergabe von Züchterlizenzen vor.

  • USA

    Der US-Staat Washington folgte Anfang Juli dem Beispiel von Colorado: Nun ist es auch dort Bürgern ab dem Alter von 21 Jahren legal gestattet, Marihuana zu kaufen und zu konsumieren. In Colorado dürfen Erwachsene seit Jahresbeginn „Gras“ nicht nur zu medizinischen Zwecken kaufen. Auf Bundesebene bleibt Cannabis weiter illegal. 23 Bundesstaaten sowie die US-Hauptstadt Washington erlauben jedoch den Konsum unter Auflagen zu medizinischen Zwecken.

  • Uruguay

    Das südamerikanische Land gestattete im Mai als erster Staat der Welt Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle. Registrierte Konsumenten ab 18 Jahren können der Drogenbehörde zufolge monatlich bis zu 40 Gramm Cannabis für den Eigengebrauch in Apotheken kaufen. Der Vertrieb soll aber erst Ende 2014 beginnen. Mit der Regelung erhofft sich die Linksregierung in Montevideo Fortschritte im Kampf gegen die Drogenkartelle. Rauchen von Marihuana in öffentlich zugänglichen Räumen und Plätzen bleibt aber verboten.

In den USA müsste sich Chan nicht weiter schämen – auch wenn Drogenkonsum die moralische Vorbildfunktion des Prominenten lädiert. Denn dort ist in den Bundesstaaten Colorado und Washington der Genuss von Cannabis inzwischen legal. In 23 Bundesstaaten ist die Droge zudem für medizinische Zwecke erhältlich und der Besitz in geringen Mengen entkriminalisiert. Das heißt, er wird nicht strafrechtlich verfolgt.

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Die US-Justiz freut sich über weniger Arbeit, der Fiskus über sprudelnde Steuereinnahmen. Vor allem aber ist Marihuana bereits im ersten Jahr der teilweisen Legalisierung ein Milliardenmarkt, für den sich längst auch Anleger, institutionelle Investoren und Banken interessieren.

Ende der Prohibition

Es herrscht eine Stimmung wie im Goldrausch, US-Journalisten sprechen vom Grünrausch. In weiten Teilen erinnert die Legalisierung des Rauschmittels an das Ende der Prohibition auf Alkohol in den USA, die von 1919 bis 1933 galt. Dass sie ein großer Fehler war, ist heute unumstritten. Anstatt Probleme aufgrund von Alkoholmissbrauch zu mindern, ist alles nur schlimmer geworden. Das ist sogar wissenschaftlich belegt. Das Verbot führte sogar dazu, dass noch mehr Alkohol getrunken wurde.

Das Ende der Prohibition auf Alkohol öffnete umgehend einen Riesenmarkt, entlastete den Steuerzahler sowie die Justizbehörden und rief geschäftstüchtige Unternehmer auf den Plan. Diese Aufbruchsstimmung ist nach der Legalisierung des Cannabis-Konsums in Teilen der USA nun ebenfalls zu spüren.

Seit Jahresbeginn darf in Colorado ganz legal und ohne Rezept vom Arzt gekifft werden – die Amerikaner sprechen bereits vom „High State“. Der Westküstenstaat Washington folgte mit der Liberalisierung im Februar. In den beiden US-Staaten ist in kürzester Zeit ein boomender Markt entstanden, von dem nicht nur Hersteller und Händler profitieren, sondern auch der Staat.

Bereits im ersten Monat der Legalisierung nahm Colorados Regierung zwei Millionen Dollar zusätzlich durch den besteuerten Haschisch-Handel ein. Im Juni waren es bereits 4,8 Millionen Dollar. Insgesamt spülte das erste Halbjahr dem Staat 25,3 Millionen Dollar in die Kasse. Colorados Gouverneur erwartet für das gesamte Jahr 60 Millionen Dollar zusätzlich im Steuersäckel. In Washington erwartet die Regierung Einnahmen von 51 Millionen Dollar. Tendenz in beiden Staaten: weiter stark zunehmend.

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