Mini-Bonds: Diese Mittelstandsanleihen sind im Sinkflug

Mini-Bonds: Diese Mittelstandsanleihen sind im Sinkflug

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von Annina Reimann

Namen wie Valensina oder Air Berlin locken Anleger, hohe Zinsen versprechen lukrative Erträge. Warum viele Mini-Bonds hochgefährlich sind und wo für Anleger trotzdem was zu holen ist.

Petra Zamek weiß, wie sie bei Aldi ihre Tütensuppen findet: erster Gang links, dann rechts rum und drei Meter weiter eine Vierteldrehung – schon steht sie vor dem Regal mit Brühe, Suppe und Salatfix aus dem Hause Zamek. "Wie sieht’s denn hier aus?", entfährt es der Geschäftsführerin. Tomatensuppen liegen kreuz und quer, Tüten mit Pilzsuppe stehen Kopf und überhaupt haben Kunden alle Sorten durcheinander geschmissen. Mit gekonnten Griffen sortiert Zamek die Tüten wieder in die Fächer der Kartons ein. Bei jedem Besuch im Supermarkt sieht sie so bei "ihren Produkten" nach dem Rechten.

Petra Zamek kämpft um die Existenz ihres Familienbetriebs – bei Aldi, beim Betriebsrat, bei Lieferanten. Und an der Börse: Über eine Anleihe hat sich Zamek 45 Millionen Euro gepumpt; zehn Millionen davon noch im Februar. Bitter: Der Ausgabepreis lag bei 93 Prozent. Das heißt, dass Zamek pro Anleihe statt 1000 nur 930 Euro einnahm – am Ende der Laufzeit im Mai 2017 aber 1000 zurückzahlen muss.

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Trotz drohender Insolvenz immer neue Emissionen

Anleger müssen nun um ihr Geld bangen. Nur zwei Monate nachdem Zamek frische Millionen gesammelt hatte, wurde bekannt, dass der Verlust vor Steuern (EBT) von Anfang Juli 2012 bis Ende Januar bei 8,3 Millionen Euro lag. Zamek ist seit Jahren defizitär. Nun ist das Eigenkapital aufgebraucht: Die Eigenkapitalquote rutschte Ende 2012 unter drei Prozent, gesund wären 30 Prozent. Um das Eigenkapital zu stärken, verzichteten Gesellschafter auf 1,85 Millionen Euro. Die Ratingagentur Creditreform hat Zamek auf B+ heruntergestuft. Jeder fünfte Konzern mit diesem Rating soll nach fünf Jahren zahlungsunfähig sein.

Asklepios, Hornbach, Freenet Mit diesen Mini-Bonds fahren Anleger richtig

Nicht alle mittelgroßen Anleihen sind Schrott. Wer sich mit weniger als fünf Prozent zufriedengibt, findet noch ein paar Investments.

Deep Purple Quelle: REUTERS

Viele Mittelständler mit Anleihe haben Probleme. Trotzdem vergeht kaum ein Tag, an dem nicht einer eine neue Emission ankündigt. Seit 2010 haben Mittelständler mit rund 85 Bonds über 3,8 Milliarden Euro bei Anlegern gepumpt. Damit die anbissen, haben sie Zinskupons bis zu 11,5 Prozent versprochen – selbstmörderische Sätze, die sie nun nicht erwirtschaften können. Millionen sind bereits perdu.

Meldet ein Unternehmen Insolvenz an, ist es für Anleger aber zu spät. Die WirtschaftsWoche hat daher Bonds namhafter Mittelständler unter die Lupe genommen und brandgefährliche Papiere identifiziert.

"Auf Kante genäht"

Auch Willi Balz kämpft um sein Unternehmen. Der Chef und Alleinaktionär des Windpark-Initiators Windreich zahlt die Gehälter seiner Mitarbeiter seit Februar de facto aus eigener Tasche. "Die Liquidität von Windreich wird aktuell von der Balz-Bank zur Verfügung gestellt, Windreich ist Balz, und Balz ist Windreich", sagt der Ingenieur. Um die Zinszahlungen im März zu stemmen, habe er seine Häuser beliehen. Der Zins für die zweite Anleihe wird Mitte Juli fällig. "Mir ist klar, dass unsere Liquiditätsplanung auf Kante genäht ist, dies ist jedoch durch die im Zeitablauf stattfindende enorme Wertsteigerung in unseren Offshore-Projekten genau die richtige Strategie", verspricht Balz. Im März durchsuchte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Windreich – es ging auch um den Verdacht der Insolvenzverschleppung und des Kapitalanlagebetruges. Balz weist die Vorwürfe zurück.

Windreich hat sich an der Börse 125 Millionen geliehen. Balz hat mehr als 200 Millionen in Form von Sicherheiten und Privatvermögen in Windreich investiert. Nun will er Anteile an Onshore-Windparks verkaufen, zudem flössen Stromerlöse aus dem Projekt Global Tech 1. Balz pocht außerdem auf seine "Lebensversicherung": Windreich hat für eine Klage Geld hinterlegt; zieht Balz die Klage zurück, werden kurzfristig elf Millionen Euro frei.

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