Mini-Bonds: Lockangebot für Rickmers-Gläubiger

Mini-Bonds: Lockangebot für Rickmers-Gläubiger

, aktualisiert 18. Mai 2017, 18:10 Uhr
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Der Reeder kämpft um sein Lebenswerk.

von Gertrud Hussla und Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Neue Wendung in der Schlacht um ein Sanierungskonzept für Rickmers: Anlegers des in Seenot geratenen Schifffahrtkonzerns fanden jüngst ein augenscheinlich attraktives Kaufangebot für ihre Bonds in der Post.

DüsseldorfGerade mal bei fünf Prozent des Nennwerts dümpelte die Anleihe des angeschlagenen Schifffahrtskonzerns Rickmers in den letzten Wochen dahin. Denn seit Ende April liegt ein Sanierungsplan für den Konzern vor, der für die Anleihegläubiger kaum mehr als eine letzte Zinszahlung vorsieht. Ob sie von ihrem Einsatz ansonsten noch Geld wiedersehen, ist danach fraglich. Die Anleger sollen das Konzept, das einem Schuldenschnitt gleichkommt, auf einer Gläubigerversammlung am 1. Juni absegnen. Ansonsten drohe die Insolvenz, kommuniziert das Unternehmen.

In dieser Woche nun fanden die Rickmers-Anleihegläubiger ein auf den ersten Blick attraktives Angebot in ihrer Post: 15,25 Prozent des Nennwerts will ihnen die Düsseldorfer Wertpapierhandelsbank Schnigge im Auftrag eines Kunden für die Anleihen bezahlen. Anleihen im Nominalwert von 30 Millionen Euro will der Interessent kaufen. Das Angebot steht seit vergangenen Dienstag noch bis zum 25. Mai.

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Es ist die neueste Wende in einem Kampf um einen Konzern, dessen Alleinaktionär bislang der Reeder Bertram Rickmers war. Seine Holding betreibt eine Flotte von 114 Fracht-Schiffen mit mehr 1.600 Seeleuten und ist damit einer der größten Dienstleister der Schifffahrtsindustrie. Das Unternehmen ist aufgrund der dauerhaft niedrigen Charterraten, die hohe Wertberichtigungen auf eigene Schiffe zur Folge hatten, in schwere Seenot geraten. Viele tausend Anleger bangen nun um Zinsen und die Rückzahlung einer Anleihe im Volumen von 275 Millionen Euro. Es ist eine der bislang größten Notlagen im Segment der Mittelstandsanleihen.

Wer immer nun hinter dem aktuellen Kauf-Angebot steht: der Bieter will offenbar mit seinen neu gewonnenen Stimmen dafür sorgen, dass auf der Gläubigerversammlung am 1. Juni das vom Konzern vorgeschlagene Sanierungskonzept die notwendige Mehrheit findet. Doch eine größere Gruppe Profi-Investoren winkt nach wie vor ab. Sie glauben, sie würden mit dem Sanierungskonzept zu billig abgespeist und wollen weder für das Konzept stimmen noch das aktuelle Kaufangebot annehmen.

Noch vor vier Jahren hatte der Konzern im Anlageprospekt versprochen, die Anleiheschulden seien mit dem 1,4-Fachen an Schiffswerten gedeckt. Davon ist die Reederei heute weit entfernt. Nach Berechnungen der Vessel Value ist die Flotte heute nur noch 740 Millionen Dollar wert. Dem aber stehen über eine Milliarde Euro besicherter Bankschulden gegenüber, hinzu kommen unbesicherte Schulden wie die 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe. Doch sollen die Anleihegläubiger nun wirklich nur noch einen Bruchteil ihres Einsatzes wiedersehen? Und ist das neue Kaufangebot das beste, was sie noch bekommen können?

„15,25 Prozent, das ist kaum mehr, als ich auch an der Börse für meine Anleihen bekäme“, rechnet etwa Carlos Andrade von der Fondsverwaltung Delta Alternative Management vor. Was vielen Privatanlegern unklar ist: beim Handel an der Börse werden nur die Nettokurse, ohne die aufgelaufenen Zinsen als Kurs genannt (clean price). Automatisch werden dann bei jedem Handelsgeschäft noch die bereits aufgelaufenen Stückzinsen hinzugerechnet (dirty price). Die nächste Zinszahlung  von 8,875 Prozent wäre am 11. Juni fällig. Würde ein Anleger seine Papiere jetzt an der Börse verkaufen, bekäme den jüngsten Börsenkurs von derzeit rund 6,5 Prozent plus weitere 8,3 Prozent aufgelaufene Zinsen dazu. Damit bekommen Anleihebesitzer derzeit auch an der Börse schon 14,84 Prozent. Nachzuprüfen ist das auf einem Anleiherechner der Börse Stuttgart. Der Käufer bietet also kaum mehr als den Marktkurs. Würde er allerdings mit seinem Kauf über die Börse gehen, könnte er in den nächsten Tagen nicht das nötige Handelsvolumen vorfinden, um ohne größere Kurssteigerungen gleich Anleihen im Wert von 30 Millionen Euro zu erwerben.

Wer also möchte nun die Anleihen haben? „Nach vorläufiger Einschätzung gehen wir davon aus, dass die Bieterin das von der Rickmers Holding AG vorgeschlagene Sanierungs- und Restrukturierungskonzept unterstützt“, teilt der Konzern der Presse zum Angebot der Schnigge-Bank mit. Nach dem eher komplizierten Plan sollen die Anleihen auf eine neue luxemburgische Dachgesellschaft Luxco als neue Schuldnerin ausgelagert werden. Diese Luxco soll 75 Prozent des Rickmers Konzerns halten und veräußert werden. Von dem Verkaufserlös würden die Anleihegläubiger nur dann noch Geld sehen, wenn nach der Befriedigung fast aller Bankschulden noch etwas übrig bleibt.

„Das kommt einem 100-prozentigen Schuldenschnitt gleich“, glaubt Profiinvestor Andrade. Er ist überzeugt, dass sich der Anleihe-Interessent einen Vorteil aus dem Sanierungsplan erhofft, der über den Kaufpreis der Anleihen deutlich hinausgeht. „Der Käufer ist doch kein Narr, er weiß bestimmt, dass es sich für ihn rechnet“, sagt Andrade.

Beim ersten, schriftlichen Abstimmungsverfahren jedenfalls ist der Restrukturierungsplan gescheitert. Vom 8. bis zum 10. Mai konnten Anleihegläubiger in einem schriftlichen Verfahren über das Sanierungskonzept abstimmen, das ihnen außer einer letzten Zinszahlung am 11. Juni keine weiteren Zins- und Rückzahlungen mehr garantiert hätte. Nur 17,37 Prozent des Anleihekapitals hatten sich an dem schriftlichen Abstimmungsverfahren beteiligt, meldete die Rickmers-Gruppe. Mindestens 50 Prozent des Kapitals aber wären nötig gewesen, um überhaupt einen Beschluss herbeizuführen.

Auch auf der Gläubigerversammlung am 1. Juni könnte es knapp werden. Eine Investorengruppe um die Anlegerschutzvereinigung SdK, die gegen das Sanierungskonzept ist, hat nach eigenen Angaben bereits zwischen 20 und 30 Millionen Euro Anleihekapital hinter sich. In der kommenden zweiten Abstimmung müssen Gläubiger mit einer Mehrheit von 75 Prozent des von ihnen vertretenen Anleihevolumens zustimmen. Sollte tatsächlich ein vertretenes Kapital von 30 Millionen Euro gegen das Konzept stimmen, müssten bis zu 120 Millionen Euro Anleihekapital auf der Gläubigerversammlung vertreten sein, um trotzdem noch eine Dreiviertelmehrheit für den Plan zu erzielen und ihn zu verabschieden. Das könnte eng werden: An der ersten Abstimmungsrunde hatten sich nur knapp 48 Millionen Euro beteiligt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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