Minus sechs Prozent: Flash-Crash beim Pfund schreckt Devisenmarkt auf

Minus sechs Prozent: Flash-Crash beim Pfund schreckt Devisenmarkt auf

, aktualisiert 07. Oktober 2016, 08:55 Uhr
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Der Wechselkurs des britischen Pfunds zum Dollar am Freitagmorgen.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine heftige Kursbewegung in der Nacht unterstreicht die Nervosität, mit der die Währungsmärkte die Debatte um den britischen EU-Austritt begleiten. Die Suche nach der Ursache für den Pfund-Absturz hat begonnen.

Die Überraschung kam zu einer Zeit, als US-Währungshändler im Feierabend waren und in Asien die Trader gerade das Geschäft aufnahmen. In der Nacht auf Freitag ist der Kurs des britischen Pfunds deutlich abgestürzt. Innerhalb von nur zwei Minuten sackte die Währung um sechs Prozent ab – eine extreme Kursbewegung für eine Devise.

Das Pfund hatte zunächst bei 1,2624 Dollar notiert und rutschte kurzzeitig auf 1,1821 Dollar, einzelnen Handelssysteme zufolge sogar bis auf 1,1491 Dollar. Im Anschluss erholte sich die Währung wieder und liegt am Freitagmorgen bei 1,2455 Dollar. Finanzmarkt-Experten sprechen in solchen Fällen von einem „Flash crash“. Ausgelöst werden kann ein solcher blitzartiger Kurssturz durch hohe Umsätze in Randzeiten oder auch durch versehentlich falsch eingegebene Transaktionen („fat finger“).

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Tatsächlich zitierte die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Freitag einen Händler mit den Worten, da habe wohl jemand auf seiner Computertastatur versehentlich eine größere Verkaufsanweisung eingetippt als beabsichtigt. Es kursierten daneben aber auch Spekulationen, wonach Chinesen angesichts der Schwäche des Pfunds die Währung abgestoßen und dafür Dollar gekauft hätten. Andere wiederum machten für den Absturz fehlgesteuerte Computer-Algorithmen verantwortlich.

Flashcrash in Tokio Pfund stürzt auf 31-Jahres-Tief

Wie aus heiterem Himmel ist der Kurs des britischen Pfunds am Freitag in Tokio auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren gestürzt.

Das Pfund ist an der Tokioter Börse abgestürzt. Quelle: AP

Der Rutsch beim Pound Sterling kommt in einer Phase, da die Währung bereits deutlich unter Druck steht. Am Wochenende hatte die britische Premierministerin Theresa May eine harte Linie bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union über den geplanten Austritt ihres Landes aus der Ländergemeinschaft verkündet. Daraufhin gab das Pfund nach und notierte erstmals schwächer als in den Tagen nach dem Breixt-Referendum Ende Juni. Das Pfund ist so schwach wie seit 31 Jahren nicht.


Auch andere Währung haben Flashcrashs durchlitten

„Die Kursbewegung war sogar größer als die nach der Brexit-Abstimmung“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Händler einer europäischen Bank in Tokio. „Es gab fast keine Gebote als das passierte.“ Es habe den Anschein, als sei der Markt kalt erwischt worden und dass automatisierter Handel eine Verkaufswelle ausgelöst habe, so Hugh Killen, Chef-Währungshändler von Westpac Banking in Sydney zur Finanzagentur Bloomberg.

Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Kursbewegung zeigen, dass der globaler Währungsmarkt nicht vor extremer Volatilität geschützt ist. Experten zufolge könnte dies mit der wachsenden Bedeutung von Handelsprogrammen zusammenhängen, die auf Basis von Algorithmen Transaktionen ausführen.

Im Januar war etwa der südafrikanische Rand in einer Viertelstunde um neun Prozent gefallen, bevor er sich erholte. Auch beim neuseeländischen Dollar hatte es Ende August einen Flashcrash gegeben.

Auch die Bewegung des Pfunds zum Euro in der Nacht war heftig. Von 1,13 Euro ging es hinunter bis auf 1,06 Euro, bevor die Erholung das Pfund zurück auf einen Wert von immerhin 1,12 Euro brachte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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