Misstrauen: Anleger scheuen Anleihen aus Spanien und Frankreich

Misstrauen: Anleger scheuen Anleihen aus Spanien und Frankreich

, aktualisiert 21. November 2011, 14:21 Uhr
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Spanische und italienische Flagge vor der EZB.

Quelle:Handelsblatt Online

Anleger begegnen den Euro-Ländern weiterhin mit Misstrauen. Für zusätzliche Nervosität sorgte die Ratingagentur Moody's mit ihrer Warnung an Frankreich. Auch die Haushaltsprobleme in den USA rückten wieder in den Fokus.

FrankfurtDie Anleger am Rentenmarkt sind auch zu Beginn der neuen Woche den Euro-Ländern Spanien, Italien und Frankreich mit Misstrauen begegnet. Die Risikoaufschläge für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit aus allen drei Ländern zogen am Montag an, während die Renditen für als sicher geltende Bundesanleihen nachgaben.

Für Nervosität sorgte die Ratingagentur Moody's mit ihrer Warnung an Frankreich, dem Land die Spitzen-Bonitätsnote „AAA“ zu entziehen. Der Sieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen in Spanien beeindruckte die Investoren dagegen nur wenig. Der Euro fiel unter die Marke von 1,35 Dollar auf 1,3440 Dollar. Wie in der Vorwoche machten die steigenden Zinsen am Montag auch Aktienanlegern zu schaffen: Der Dax gab weit über zwei Prozent nach.

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Die Zinsen für zehnjährige französische Anleihen zogen auf bis zu 3,622 Prozent an. Moody's-Experte Alexander Kockerbeck begründete die Warnung vor einer Herabstufung der Bonität Frankreichs mit den sich verschlechternden Wachstumsaussichten. Dies würde die haushaltspolitischen Herausforderungen, denen das Land gegenüberstehe, angesichts der anhaltend hohen Finanzierungskosten verstärken. Frankreich gehört zu den sechs Euro-Ländern, die von allen drei großen Ratingagenturen mit der Bestnote „AAA“ bewertet werden.

„Dass Frankreich substanziell etwas gegen die Haushaltsprobleme getan hat, ist bisher nicht zu erkennen“, sagte HSBC-Volkswirt Rainer Sartoris. Deshalb komme die Warnung von Moody's nicht überraschend. Die Angst vor einer Ausweitung der Schuldenkrise hatte bereits in der vergangenen Woche dazu geführt, dass sich Investoren sogar aus Schuldtiteln der Euroländer mit den besten Bonitätsnoten zurückzogen. Für die Länder bedeuten steigende Zinsen am Anleihenmarkt höhere Refinanzierungskosten bei neu aufgelegten Bonds und damit zunehmende Haushaltsprobleme.

Der Renditeaufschlag, den Investoren für zehnjährige spanische Papiere im Vergleich zu deutschen Bunds einfordern, legte zu Wochenbeginn um 29 auf 473 Basispunkte zu. Die Kurse der Anleihen gaben nach, die Rendite erhöhte sich auf 6,603 (Freitagabend: 6,403) Prozent. Bei der Wahl in Spanien erhielt die konservative Opposition unter dem künftigen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy die absolute Mehrheit, während die bislang regierenden Sozialisten das schlechteste Ergebnis seit 30 Jahren einfuhren.


„Europa ist nicht allein mit den Schuldenproblemen“

„Die absolute Mehrheit verheißt zwar Gutes bezüglich der Umsetzung von Reformen“, erklärten die Analysten der Rabobank in einem Marktkommentar. „Aber: Wie wir bereits mehrfach betont haben, werden diese Maßnahmen kaum ausreichen, um sich gegen eine Ansteckung abzusichern.“

Das von der Agentur Fitch mit „A+“ bewertete Italien musste am Montag für seine Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit 6,826 Prozent berappen. Damit näherten sich die Renditen erneut der kritischen Marke von sieben Prozent. Der richtungsweisende Bund-Future stieg um 108 Ticks auf 137,57 Zähler. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 1,869 (Freitag: 1,964) Prozent.

Neben der Schuldenkrise in der Eurozone rückten auch wieder die Haushaltsprobleme der USA in den Fokus. Das von Präsident Barack Obama im September eingesetzte „Super-Komitee“ zur Ausarbeitung einer überparteilichen Lösung zum Defizitabbau stellte seine Arbeit ohne Ergebnis ein, wie Reuters aus Kreisen des Komitees erfuhr. Der Ausschuss sollte Einsparungen für die nächsten zehn Jahre im Volumen von 1,2 Billionen Dollar ausloten. Das Defizit der USA erreichte vergangene Woche 15 Billionen Dollar.

„Europa ist nicht allein mit den Schuldenproblemen. Die USA sind in einer politischen Sackgasse“, sagte David Thebault, Chef-Händler bei Global Equities. Dessen ungeachtet verharrten die Renditen für zehnjährige US-Anleihen unter der Marke von zwei Prozent. „Die Krise in der Eurozone lenkt von den Problemen in den USA ab“, sagte Sartoris von HSBC.

Die Vorteile der USA seien, dass sie mit dem Dollar weiterhin die Reservewährung der Welt stellten und der dortige Anleihenmarkt riesig sei. „Genauso wie die Bundesanleihen sind US-Treasuries sichere Alternativen, auch wenn die Investoren derzeit damit real kein Geld verdienen. Daran sieht man, wie groß die Unsicherheit am Markt ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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