Mister Dausend: Bernd Förtsch - Investor mit mysteriösem Geldkreislauf

Mister Dausend: Bernd Förtsch - Investor mit mysteriösem Geldkreislauf

Der Investor und Herausgeber des Magazins "Der Aktionär" hat mit oft zweifelhaften Methoden ein großes Beteiligungsimperium aufgebaut, seine Aktionäre dagegen fuhren Verluste ein. Jetzt will Förtsch ganz nach oben.

Ein Sommertag im oberfränkischen Kulmbach. Die Sonne hat sich hinter Wolken verkrochen. Im Hotel Achat Plaza ist es düster. Die Fenster sind klein. Elektrisches Licht kommt nur homöopathisch zum Einsatz, als wäre es egal, ob der eine oder andere Gast zwischendurch wegnickt. Zur Hauptversammlung des Brokers Flatex sind zusammengekommen: Aufsichtsratschef Karl Matthäus Schmidt, einst vielversprechender Jung-Banker am Neuen Markt, heute Chef der Berliner Quirin-Bank, und die beiden Flatex-Vorstände. Ein paar Aktionäre fungieren als Statisten.

Die Hauptversammlung sollte für einen Aufsichtsrat ein Pflichttermin sein. Es sei denn, er hieße Bernd Förtsch – millionenschwerer Multi-Branchen-Investor, Finanz- und Medienunternehmer. Der 51-Jährige ist Aufsichtsrat der Flatex, habe seit deren Börsenstart 2009 jedoch noch nie einer Hauptversammlung beigewohnt, klagt ein Aktionär. „Wollen wir uns nicht mal einen Aufsichtsrat suchen, der Zeit hat, wenn die Hauptversammlung stattfindet?“, fragt er. Doch Förtsch muss sich so ein Treffen nicht geben. Ihm gehören nach den letzten verfügbaren Daten 59 Prozent der Aktien. Sein Wille ist damit maßgeblich.

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Auch bei anderen Hauptversammlungen, zuletzt bei der Beteiligungsgesellschaft Heliad in Frankfurt, können Aktionäre nur Dampf ablassen. Kürzlich hat sich Heliad, an der Förtsch mittelbar beteiligt ist, bei Flatex eingekauft. Das sorgt für Unmut. „Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass dieser Aktienerwerb den objektiven Interessen der Gesellschaft diente“, sagt Rechtsanwalt Kim Lars Mehrbrey, der den Aktionär Overseas Asset Management vertritt. Es dränge sich der Verdacht auf, dass der Kauf der Flatex-Aktien „vorrangig den Interessen eines mittelbaren Großaktionärs“ diene.

Millionenschwerer Geldkreislauf

Rückzug bei geringstem Zweifel

Förtsch war selbstredend nicht bei der Heliad-HV. Auch Fragen der WirtschaftsWoche, unter anderem zu seinen Beteiligungen, ließ Förtsch unbeantwortet. Er taucht auch nicht auf Investorenkonferenzen oder Fachtagungen auf. Der Franke gilt als charmant, hat enge Vertraute um sich geschart, deren unbedingter Loyalität er sicher ist. In diesem Kreis gilt er als zuverlässig, ehrlich und hilfsbereit. Beim geringsten Zweifel aber zieht er sich zurück, um jedes Risiko zu minimieren und im Schatten Kulmbachs zu bleiben. Deshalb meidet er auch die Hauptversammlungen der Gesellschaften, in die er investiert hat. So gibt es auch kaum aktuelle Fotos von ihm.

Das war mal anders. Zur Boomzeit des Neuen Markts sendete Förtsch auf vielen Kanälen. Unvergessen bleibt sein Auftritt in der TV-Sendung 3satBörse, als er für die Morphosys-Aktie in breitestem Fränkisch das Kursziel 1000 ausgab und seitdem als „Mister Dausend“ verspottet wurde.

Das Erfolgsmodell

In aller Stille hat er danach von Kulmbach aus eine beeindruckende Unternehmensgruppe aufgebaut. Zu ihr gehören etwa die Börsenmedien AG, die Finanzbücher und das Anlegermagazin „Der Aktionär“ mit einer wöchentlichen Druckauflage von 40.000 Heften produziert, sowie das Deutsche Anleger Fernsehen (DAF), das auch den Nachrichtensender N24 mit Börsenberichten beliefert. 2011 – aktuellere Zahlen gibt es nicht – steckte DAF mit einem bis dahin aufgelaufenen Bilanzverlust von 6,5 Millionen Euro in den roten Zahlen.

Zum Mediengeschäft hinzu kommen Finanzunternehmen wie der Direktbroker Flatex, über den mittlerweile 123.000 Anleger Aktien und Zertifikate handeln.

Zudem hält Förtsch die Mehrheit an der Nanostart AG, einem Risikokapitalgeber für die Nanotechnologiebranche, und beteiligte sich an JK Wohnbau (heute: Isaria). Im Zusammenhang damit ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Marktmanipulation. Förtsch weist die Vorwürfe der Behörde von sich. Investiert war Förtsch über eine Holding auch bei Solarhybrid und Solar Millennium, die heute pleite sind. Und er kaufte Aktienpakete der TV-Produktionsfirma Wige und der Beteiligungsgesellschaft Impera.

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