Mittelstand und seine Anleihen: Die große Pleitewelle rollt heran

Mittelstand und seine Anleihen: Die große Pleitewelle rollt heran

, aktualisiert 10. Oktober 2014, 12:46 Uhr
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Die Refinanzierungswelle könnte einige Mittelständler überrollen – und für Ausfälle bei den Anleihen sorgen.

von Sara ZinneckerQuelle:Handelsblatt Online

Ärger im Mittelstand: Mit Golden Gate scheitert das erste Unternehmen an der Rückzahlung seiner Anleihe. Das ist erst der Anfang. Milliardenschwere Ausfälle stehen bevor. Anleger schauen in die Röhre.

DüsseldorfDer Name versprach Glanz und Glamour, doch der Weg führte direkt in die Insolvenz: Am vergangenen Donnerstag hat sich der Münchner Immobilienentwickler Golden Gate GmbH für zahlungsunfähig erklärt. Rund 32 Millionen Euro. Das Besondere: Die Pleite könnte der Beginn einer Serie sein. Denn Golden Gate ist der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe, dem die Rückzahlung seines Minibonds das Genick gebrochen hat.

Bislang erreichte die Zahlungsunfähigkeit die Emittenten irgendwo „auf dem Weg“ – nach einem gescheiterten Geschäft oder, weil sie eine versprochene Kuponzahlung an ihre Gläubiger nicht leisten konnten. Golden Gate hatte dagegen die dreieinhalb Jahre bis zur endgültigen Tilgung seiner 30-Millionen-Euro-Anleihe durchgehalten – und erst kurz vor deren Fälligkeit beim Münchner Amtsgericht angeklopft.

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Doch genau solche Fälle könnten sich in Zukunft häufen. Denn Golden Gate war eine der ersten Anleihen, die recht schnell, nach nur dreieinhalb Jahren, ausgelaufen ist. Bis 2018 werden allerdings zahlreiche andere Minibonds fällig. 5,4 Milliarden Euro müssen deutsche Mittelständler bis dahin aufbringen, um ihre Schulden abzulösen, hat die Ratingagentur Scope berechnet. Und sie sieht dabei „steigende Refinanzierungsrisiken.“

Es könnte also passieren, dass auch weitere Mittelständler Insolvenz anmelden, kurz bevor ihre Anleihe fällig wird. Im Zusammenhang mit der Refinanzierung rechnet Scope mit „weiteren Ausfällen“ im Segment der Minibonds. Doch ist eine Insolvenz nur der allerletzte Ausweg für die Anleiheemittenten. Unternehmen, die sich rechtzeitig der Gefahr bewusst sind, dass zur Fälligkeit ihres Bonds Geld fehlen könnte, können sich auch anders helfen.

Wie zuletzt Air Berlin. Die finanziell angeschlagene Fluglinie hatte ihren Gläubigern im Frühjahr einen Anleiheumtausch vorgeschlagen. Altgläubiger sollten Anleihen, die im November 2014 und 2015 ablaufen, gegen länger laufende Bonds mit schlechteren Konditionen tauschen. Das Angebot nahm am Ende kaum ein Investor an. Scheinbar konnte die Airline ihre Investoren nicht von den neuen Bonds überzeugen. Bei anderen Unternehmen, wie etwa der KTG Agrar, war das Angebot offenbar attraktiver – mehr Gläubiger waren bereit, ihre Forderungen zu verlängern.


Emittenten nehmen die Anleihen zurück

„Der Umtausch von laufenden Anleihen in Anleihen mit angepassten Konditionen ist eine Möglichkeit“, weiß Tobias Spies, Leiter Fixed Income beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen. Eine andere Möglichkeit: Unternehmen ziehen ihre Anleihe vor Fälligkeit zurück.

„Viele lassen sich das Recht auf eine frühe Kündigung in den Anleihebedingungen festschreiben“, sagt Spies. „Unternehmen kündigen die Anleihe, gleichen Gläubigern die entgangenen künftigen Kupons aus – und geben mit niedrigeren Zinsen eine neue Anleihe aus.“ Jüngstes Beispiel dafür: der Spirituosenhersteller Semper Idem Underberg.

Die Möglichkeit, eine laufende Anleihe zurückzunehmen, ist nicht nur für potenziell angeschlagene Mittelständler interessant. Auch solide Mittelständler könnten schon bald beginnen, Anleihen zu tauschen oder zurückzunehmen und neuaufzulegen – vorbeugend. Denn: Derzeit kauft der Markt die Mittelstandsanleihen auch zu niedrigeren Renditen.

Dies könnte sich jedoch ändern, wenn die Refinanzierungswelle ins Rollen gerät und die ersten Emittenten ihre Anleihen nicht bedienen können. Panik könnte ausbrechen, Investoren könnten dem Markt recht schnell das Vertrauen entziehen. „Dann könnte es sein, dass das Image des Segments plötzlich so negativ behaftet ist, dass auch solide Mittelständler kein Geld mehr bekommen, wenn ihre Anleihe fällig wird – oder nur zu sehr schlechten Konditionen“, so Spies.

Auch Jens Hecht, Emissionsberater und Vorstand bei Kirchhoff-Consult, kann bestätigen, dass Mittelständler bereits darüber nachdenken, ihre Anleihen vorzeitig zum Markt zu nehmen und wieder aufzulegen. „Emittenten schauen sich schon um, was in dem Bereich möglich ist.“ Er glaubt jedoch nicht, dass solide Mittelständler, die bis zum Laufzeitende an ihrer Anleihe festhalten, automatisch Probleme bekommen werden.


Frühzeitig den Verkauf anleiern

„Seriöse, gute Emittenten werden sich auch refinanzieren können, sollten sich in den nächsten Jahren die Ausfälle häufen“, so der Kirchhoff-Vorstand. Gute Schuldner würden immer Geld bekommen, auch zu guten Konditionen. „Wenn  nicht über den Markt für Mittelstandsanleihen, dann über Schuldverschreibungen oder direkt über Banken.“

Doch auch Hecht bezweifelt nicht, dass der Mittelstandsmarkt als solcher im Umbruch steht. Schon bald könnte sich bei den Minibonds „die Spreu vom Weizen trennen“. Angesichts dieser Unsicherheit müssen Anleihegläubiger also die Augen offen halten – egal, welchen Minibond sie im Portfolio haben.

Kündigt der Emittent die Anleihe und gleicht er die entgangenen Kuponzahlungen aus? Dieses Geschäft sollte den Anleger zumindest nicht schlechter stellen. Anders sieht es beim Umtausch aus. „Ein Umtausch lohnt sich in der Regel nur dann, wenn das Unternehmen weiteres Wachstum plant und es mit der neuen Anleihe finanzieren möchte. Andernfalls ist sollten die Alarmglocken klingeln“, sagt Uwe Eilers, Vorstand von Geneon Vermögensmanagement.

Auch Burkhard Wagner, Vorstand von Partners Vermögensmanagement, hat beim Stichwort Anleihetausch Magenschmerzen: „Ein Umtausch wird dann in die Wege geleitet, wenn es für die Gesellschaft potenziell einen Vorteil beinhaltet.“ Vorteil für den Schuldner bedeutet aber in der Regel: Nachteil für den Gläubiger.

Wie die Mittelständler auch, sollten sich auch Anleger auf die anstehende Refinanzierungswelle vorbereiten, Kurse ganz genau verfolgen. Denn: Am Markt für Mittelstandsanleihen mangelt es in der Regel an Liquidität. „Wer aussteigen will, wenn alle aussteigen, riskiert, dass er seine Anleihe nicht losbekommt“, sagt Spies.

Quellle:  Handelsblatt Online
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