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Mittelstandsanleihen: Bekannte Marken könnten Anleger frustrieren

von Annina Reimann

Mittelständler haben an der Börse Milliarden eingesammelt. Die ersten Unternehmen sind jetzt pleite. Wie Anleger ausgetrickst werden, bei welchen Papieren Gefahr droht.

Populäre Produkte von Mittelständlern Quelle: Presse
Das Investment in hochprozentige Mittelstandsanleihen bescherte etlichen Anlegern einen Kater Quelle: Presse

Am vergangenen Mittwoch flatterte Käufern einer Anleihe des Solarmodulherstellers Solarwatt eine erfreuliche Mitteilung ins Haus. Wenigstens 16 Prozent ihres angelegten Geldes werden sie wiedersehen. Wer Ende 2010, als die Anleihe aufgelegt worden war, 10.000 Euro in das Papier steckte, wird also voraussichtlich 1600 Euro davon zurückerhalten. Die Investoren dürfen BMW-Großaktionär Stefan Quandt danken.

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Der Milliardär hatte sich mit 36 Prozent als größter Aktionär an Solarwatt beteiligt. Er unterstützt das Unternehmen, das sich nach einer Pleite in Sanierung befindet, in einem speziellen sogenannten Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung. Wäre Solarwatt nur in ein sogenanntes Regelinsolvenzverfahren gegangen, würden Solarwatt-Anleiheinvestoren kaum 16 Prozent ihrer Gelder wiedersehen. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung in Bonn bekommen Gläubiger dann im Durchschnitt nur 3,6 Prozent ihrer Forderungen ausgezahlt. In zwei Dritteln aller Regelverfahren bliebe am Ende gar nichts übrig.

Glossar Rating-Deutsch

  • Investitionsklasse AAA, AA+, AA, AA-

    Beste Bonität, geringstes Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallsquote nach fünf Jahren beträgt 0,1 Prozent

  • Investitionsklasse A+, A, A-

    Gute Bonität, geringes Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 0,5 Prozent

  • Investitionsklasse BBB+, BBB, BBB-

    Stark befriedigende Bonität, geringes bis mittleres Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 2,0 Prozent

  • Schrottklasse BB+, BB, BB-

    Befriedigende Bonität, mittleres Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 9 Prozent

  • Schrottklasse B+, B, B-

    Ausreichende Bonität, höheres Insolvenzrisiko. Nach fünf Jahren beträgt die statistische Ausfallquote 20 Prozent

  • Schrottklasse CCC, CC, C

    Kaum ausreichende Bonität, hohes bis sehr hohes Insolvenzrisiko. Nach fünf Jahren beträgt die statistische Ausfallquote 40 Prozent

Bankenkrise ist Wurzel des Booms

Solarwatt ist nur ein Beispiel für Pleiten, Pech und Pannen bei Minibonds – Anleihen von Mittelständlern, die seit einigen Jahren an speziell für sie geschaffenen, neuen Segmenten der deutschen Börsen notiert werden.

Die Wurzel des Booms liegt in der Bankenkrise: Immer mehr Mittelständler wollen sich unabhängiger von wackligen Geldhäusern machen. Zupass kommen ihnen die enorm gesunkenen Zinsen für sichere Investments: Anleger suchen fast schon verzweifelt nach Gelegenheiten, die wenigstens etwas mehr als das eine Prozent aufs Tagesgeld bringen. Genau um diese privaten Investoren werben Unternehmer seit zwei Jahren gezielt: Sie bieten Papiere ab 1000 Euro und Zinsen von mehr als sechs Prozent an. Der Solarwatt-Bond etwa sollte sich mit sieben Prozent jährlich verzinsen.

Citigroup

An der amerikanischen Bankengruppe Citigroup sind Investoren aus zwei Ländern beteiligt. Das Emirat Abu Dhabi hält mit der Aabar Investment und der Abu Dhabi Investment Authority insgesamt 4,0%. Die Investoren aus Singapur, namentlich die Government of Singapore Investment Corporation und Temasek, halten zusammen 5,0% der Citigroup. Früher galt das Citigroup-Papier als dividendenstark, heute ist es ein Schatten seiner selbst. Empfehlung: Meiden.

Bild: AP

Bekannte Namen ziehen Investoren an

Den Zugang zum Kapitalmarkt haben die Börsen mit eifrig geschaffenen Mittelstandssegmenten befeuert: Stuttgart schritt mit bondm voran, Frankfurt machte im Entry Standard Platz für die Mittelständler, Düsseldorf in seinem Mittelstandsmarkt, München in m:access, und auch die Börsen in Hamburg und Hannover listen Minibonds auf ihren Kurstafeln.

Neben der hohen Rendite zog oft auch einfach nur der bekannte Name des um Geld werbenden Unternehmens: Millionen sammelten unter anderem Air Berlin, die semper idem Underberg, die Valensina GmbH oder die Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft ein. Mittlerweile stehen bei 55 Bonds rund 2,5 Milliarden Euro an Anlegergeldern im Feuer.

Zweistellige Millionenbeträge davon sind schon per du, weitere dürften folgen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2012, 21:38 UhrGaujoux

    Möchte mich dem Kommentar von "Harald" voll und ganz anschließen bzw. unterstützen. Bin SIAG Geschädigter und empört über soll viel krimineller Energie von einem Vorstand. Ich habe bereits Strafanzeige erstattet und hoffe sehr, dass dies noch mehr Geschädigte der SIAG (und auch von "Blättchen und Partner")&Co. tun. Lobenswert an diesem Vorgang ist allein die fundierte und kenntnisreiche Recherche der (Journalistin) in der WiWo, die bei Anlegern wirklich ein Nachdenken bewirken sollte! Hoffentlich finden sich bei der Staatsanwaltschaft und beim Gericht noch Juristen, die Wirtschaftskriminelle auch verurteilen und den juristischen Absturz unter das Niveau einer Bananenrepublik verhindern.

  • 17.10.2012, 21:38 UhrGaujoux

    Möchte mich dem Kommentar von "Harald" voll und ganz anschließen bzw. unterstützen. Bin SIAG Geschädigter und empört über soll viel krimineller Energie von einem Vorstand. Ich habe bereits Strafanzeige erstattet und hoffe sehr, dass dies noch mehr Geschädigte der SIAG (und auch von "Blättchen und Partner")&Co. tun. Lobenswert an diesem Vorgang ist allein die fundierte und kenntnisreiche Recherche der (Journalistin) in der WiWo, die bei Anlegern wirklich ein Nachdenken bewirken sollte! Hoffentlich finden sich bei der Staatsanwaltschaft und beim Gericht noch Juristen, die Wirtschaftskriminelle auch verurteilen und den juristischen Absturz unter das Niveau einer Bananenrepublik verhindern.

  • 03.10.2012, 14:37 Uhrarnoldo

    Ich bin immer mehr der Meinung, daß es mit dem Rating
    von SIC Processing (von BBB+ auf CCC) nicht mit rechten
    Dingen zugeht. Auch wenn ein paar schlechte Nachrichten
    (Umsatzrückgang und Pleite eines gr. Kunden) vorliegen.
    Ein neues Rating von evtl. BB hätte gereicht.
    Ein Kredit der chin Nationalbank wird z.B. überhaupt
    nicht mehr erwähnt, ebenso der Ausbau der Produktion
    auf 290000 Tonnen usw.usw. Hier stinkt es gewaltig.
    Ein Anleger

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