Mögliche Manipulation: Goldpreis unter Verdacht

Mögliche Manipulation: Goldpreis unter Verdacht

, aktualisiert 14. März 2013, 17:04 Uhr
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Goldbarren-Prägung bei der Bundesbank: Wurde der Goldpreis manipuliert?

von Jörg Hackhausen, Sebastian Ertinger und Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Die USA gehen einer möglichen Schwindelei am Goldmarkt nach. Haben Großbanken den Goldpreis manipuliert? Nach dem Betrug beim Libor-Zinssatz wäre es ein weiterer Skandal für die Bankenbranche.

Jeden Tag das gleiche Ritual, seit fast hundert Jahren. Fünf Banken setzen in London den Goldpreis fest, einmal morgens um 11.30 Uhr und einmal nachmittags um 16 Uhr deutscher Zeit. Es ist ein verschwiegener Kreis – mit großem Einfluss. Für den Weltmarkt spielen die Vorgaben aus London eine wichtige Rolle. Auch viele Finanzprodukte sind daran gekoppelt.

Gerüchte, dass es beim sogenannten „Gold Fixing“ nicht mit rechten Dingen zugehen soll, halten sich hartnäckig. Jetzt nimmt sich die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in den USA der Sache an. In internen Diskussionen werde geprüft, ob es Möglichkeiten der Manipulation gebe, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch unter Berufung auf Insider.

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Die für den Derivatemarkt zuständige Aufsichtsbehörde CFTC habe noch keine formelle Untersuchung gestartet. Sie nehme aber verschiedene Aspekte der Preisfindung unter die Lupe und gehe unter anderem der Frage nach, ob ausreichende Transparenz gewährleistet sei.

Die Überprüfung ist Folge von Skandalen, in die Banken in jüngster Zeit verwickelt waren. So sollen mehrere Großbanken den Libor (London Interbank Offered Rate) in der Finanzkrise zu ihren Gunsten gedrückt haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor zeigt an, zu welchen Sätzen sich Banken untereinander Geld leihen.

Er fußt bislang auf freiwilligen Angaben der Institute und ist daher kaum nachzuprüfen, obwohl er die Grundlage für Finanztransaktionen rund um den Globus ist. Auch gegen die Deutsche Bank und US-Institute wird ermittelt. Bislang wurden die Schweizer UBS und die beiden britischen Geldhäuser Barclays und Royal Bank of Scotland zu hohen Geldbußen verdonnert.

Auf dem viel kleineren Markt für Edelmetalle sind die Banken ebenfalls unter sich. Gold wird an keiner öffentlichen Börse gehandelt, sondern nur „over the counter“, also nach individuell ausgehandelten Konditionen.

Seit dem 12. September 1919 ist dafür das „Gold Fixing“ in London das Maß der Dinge. Früher trafen sich die Goldhändler im Bankhaus Rothschild, in einem holzgetäfelten Raum unter alten Ölbildern. Jedes Mal, wenn einer in der Runde einen neuen Preis aufrufen wollte, rief er „flag“ und stellte die britische Flagge auf – solange bis Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren.

Dieses Fixing gibt es noch immer, die Regeln haben sich nicht geändert, nur die Fähnchen gibt es nicht mehr. Im Jahr 2004 zog sich Rothschild zurück. Heute läuft die Verhandlung über eine Telefonkonferenz, bei der die Deutsche Bank, Barclays, die Bank of Nova Scotia aus Kanada, die Société Générale und HSBC teilnehmen. Die Silberpreise legen Bank of Nova Scotia, Deutsche Bank und HSBC fest. In der Regel dauert das Verfahren etwa zehn Minuten.


Zockermentalität unter Händlern

Am Goldmarkt gibt es zwar ständig aktuelle Kurse. Für viele große Geschäfte und zur Bewertung ihrer Bestände brauchen Markteilnehmer aber einen gemeinsamen Referenzpreis. Die meisten Notenbanken, darunter auch die Deutsche Bundesbank, beziehen sich auf den Preis beim Gold Fixing am Nachmittag, um ihre Goldreserven zu bewerten. Zahlreiche Edelmetallhändler im Einzelhandel richten ihre Preise täglich nach dem „Gold Fixing“ aus.

„Das wäre sehr bedauerlich für diese traditionelle Institution, wenn sich ein Manipulationsverdacht erhärten sollte“, sagt Thorsten Proettel, Edelmetall-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Allerdings käme der Markt auch ohne das „Gold Fixing“ aus. „Das wäre kein großer Beinbruch. Es gibt einen fortlaufenden Handel über die Börsen, auf den die Marktteilnehmer ausweichen könnten.“ Nur in Zeiten mit geringerem Handelsvolumen käme dem Fixing eine größere Bedeutung zu. Zurzeit sei der Goldhandel sehr liquide.

Unklar ist, ob die US-Marktaufseher einen Anfangsverdacht haben, dass bei der Festlegung des Gold- und des Silberpreises in London getrickst wurde. Die Behörde hat dazu bislang kein Statement abgegeben. Auch die am „Gold Fixing“ beteiligten Banken äußerten sich auf Anfrage von Bloomberg nicht. Möglicherweise handelt es sich – Skandalen bei anderen Referenzzinsen und -preisen – um eine vorsorgliche Überprüfung.

„Die Vorstellung, dass die Manipulation oder die versuchte Manipulation so verbreitet ist, sollte uns alle an der Richtigkeit anderer Schlüsselgrößen zweifeln lassen“, hatte Bart Chilton, einer der Commissioner der CFTC, vor wenigen Wochen bei einer Diskussionsrunde in Washington gesagt. Ausdrücklich bezog er sich dabei auch auf das Fixing von Gold- und Silberpreisen in London. Die CFTC hatte auch die Ermittlungen im Libor-Skandal angestoßen.

Die britische Finanzaufsicht FSA machte jüngst eine Zockermentalität unter Händlern für die jahrelange Manipulation von Interbanken-Zinssätzen wie dem Libor verantwortlich. Das Verhalten im Handelsraum habe sich von der realen Welt abgekapselt, sagte FSA-Chef Adair Turner bei einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss in London.

Einige Händler hätten sich bei der Arbeit wie bei einem Computerspiel gefühlt und dabei gedacht: „Warum soll ich nicht schummeln?“ Es sei einfacher, Missbräuche beim computergesteuerten Aktienhandel festzustellen als illegale Absprachen unter Händlern. Weder die FSA oder die US-Aufsicht CFTC noch andere Regulierer hätten die Möglichkeit gehabt, den Betrug zu erkennen.

Inzwischen sind die Behörden aber aufgewacht. Die FSA überprüft seit vergangenem Sommer nicht nur den Interbankensatz, sondern eine ganze Reihe weiterer in der Finanzwelt wichtiger Referenzsätze. Neben den Edelmetallen geht es dabei auch um andere Rohstoffe und um Aktienmärkte.


Untersuchung wird Transparenz schaffen

Einer Untersuchung der internationalen Vereinigung der Wertpapieraufseher (Iosco) zufolge sind über die Hälfte der Indizes, die an den Märkten in den USA, Asien und Europa eine Rolle spielen, anfällig für Fälschungen. Vor allem die Preisfindung für Petroleumprodukte geriet nach dem Libor-Skandal unter Verdacht. Die Iosco sieht Parallelen zum Libor-Prozess und warnte im Sommer 2012, dass die Marktbarometer für Öl und Benzin anfällig für „Verzerrungen und Manipulationen“ seien.

Die Liste der vermuteten und tatsächlichen Manipulationen an den Rohstoffmärkten ist lang. Der wohl spektakulärste Fall der jüngsten Zeit war der des Hedge-Fonds-Mangers Anthony Ward, Spitzname „Choc-Finger“ – Schoko-Finger. Dies spielt auf den James-Bond-Bösewicht Goldfinger an. Ward kaufte im Sommer 2010 auf einen Schlag sagenhafte 240.000 Tonnen Kakao, rund sieben Prozent der weltweiten Ernte eines Jahres.

Die Konkurrenz beschuldigte ihn seinerzeit, mit der Aktion das Angebot künstlich zu verknappen und damit den Preis hochzutreiben. Tatsächlich kletterten die Notierungen auf den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Denn der geheime Coup flog schließlich auf, der Kakao-Preis brach ein.

Auch das „Gold Fixing“ wurde immer wieder kritisiert, weil so wenige Banken teilnehmen und es angeblich hinter verschlossenen Türen stattfindet. Ganz so hermetisch abgeschlossen, wie es den Anschein hat, ist das Verfahren aber nicht.

Die fünf Banken stehen in Verbindung mit Produzenten, Händlern und Investoren auf der ganzen Welt, deren Anregungen in das Fixing einfließen. Anders als beim Libor handelt es sich nicht um reine Schätzungen, sondern um tatsächliche Transaktionen.

„Wenn es eine Untersuchung gibt, die zu mehr Transparenz führt, dann wird dies das Vertrauen in den Markt stärken“, sagte Edelmetallexperte Jon Nadler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Ich glaube nicht, dass dort irgendwelche schändlichen Dinge passieren. Wenn es eine Untersuchung gibt, wird die die Verschwörungstheorien widerlegen, die immer aufkommen, wenn der Preis fällt.“

Der Goldpreis ist in den vergangenen anderthalb Jahren zurückgefallen. Im Sommer 2011 war der Preis für eine Feinunze über 1900 Dollar gestiegen, auf den höchsten Stand aller Zeiten. Am heutigen Nachmittag setzten die fünf Banken den Preis im „Gold Fixing“ auf 1586 Dollar fest.

Quelle:  Handelsblatt Online
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2 Kommentare zu Mögliche Manipulation: Goldpreis unter Verdacht

  • Also: Die CFTC und Commissioner Bart Chilton wissen genau, wie der Hase läuft. Hätten sie den Willen, die Gaunereien der Großbanken zu stoppen, dann hätten sie dies längst tun können. Es ist doch kein Geheimnis mehr, das Gold- und Silberpreise frech manipuliert werden. Dazu muß man sich nur bei Ted Butler (Seite "Butler Research" informieren. Dann weiß man, daß diese Gaunereien seit vielen Jahren stattfinden - und keiner kümmert sich darum!

  • Die "Transaktionen" beziehen sich doch nicht auf den Handel mit physischem Gold, sondern auf die vielfache Menge an Gold-ETFs, also Papiergold, das niemals in der gehandelten Tonnage ausgeliefert werden könnte. Weil es nicht vorhanden ist.

    Also kann dem Besitzer von physischem Gold die Manipulation am Allerwertesten vorbei gehen, solange er nicht verkaufen "muß".

    Das Ganze zeigt aber, welche Tricks unsere Finanz-Mafia (incl.der Zentralbanken) anwenden, um Gold kleinzumachen, um dann nachher durch Versicherungen trotz Kursverluste mit Gewinn abzuschneiden.

    Wer die Schweinerei nicht durchschaut und sich Sorgen macht, oder gar Panikverkäufe macht, handelt genauso, wie die Bankster sich das wünschen.

    In erster Linie soll aber das Vertrauen in das "wahre Geld" beschädigt werden, um weiterhin ungestört Billionen ungedecktes Fiat-Scheingeld in die "Märkte" zu bringen.

    Zum Kotzen ist das.

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