Mr. Market: Warum Deutschland eine schärfere Handelsüberwachung braucht

kolumneMr. Market: Warum Deutschland eine schärfere Handelsüberwachung braucht

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Frankfurter Börse: Zu wenig Handelsüberwachung?

Kolumne von Michael Schulte

Immer wieder beobachten Anleger seltsame Kursbewegungen, von denen nur ein Bruchteil erklärbar ist. Viele Fälle von Insiderhandel werden schlicht nicht entdeckt, meint unser Kolumnist.

Es ist nun drei Jahre her, als mir als aufmerksamer Marktbeobachter im Vorfeld der Übernahme von Roth & Rau merkwürdige Kursbewegungen auffielen, die für mich erst hinterher durch Nachrichten erklärbar wurden. Damals hatte ich aufgrund der Kursbewegungen sofort den subjektiven Eindruck, dass hier Insider am Werk sein mussten, konnte das als Außenstehender aber weder belegen noch überprüfen. Kurze Zeit danach, gingen dann Meldungen durch die Presse, nach denen die Bafin bei Roth & Rau den Verdacht auf Insiderhandel prüfte.

Dann passierte lange nichts. Nun fast drei Jahre später, sehe ich in der WirtschaftsWoche die Meldung, dass es in diesem Vorgang zu Razzien unter anderem bei der Credit Suisse gekommen ist.

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Es steht mir nicht zu, in diesem offenen Verfahren Schlussfolgerungen über Schuld oder Unschuld zu ziehen und ich will das auch nicht tun. Aber zumindest kann man festhalten, dass meine Beobachtungen von 2011 dann ja nicht komplett unsinnig gewesen sein können.

Unabhängig davon, was bei Roth & Rau nun konkret herauskommt, ist der Vorgang für mich aber vor allem beredtes Zeugnis einer für mich unbefriedigenden, weil unterbesetzten Handelsüberwachung in Deutschland. Und darüber will ich heute schreiben.

Ich bin aufgrund meiner persönlichen Eindrücke über die Kommunikation im „Biotop Frankfurt“ sowie aufgrund meiner täglichen, aktiven Marktbeobachtung fest davon überzeugt, dass Insiderhandel im weiteren Sinne in Deutschland nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Zum Nachteil aller normalen Anleger. Und die wenigen Fälle, die aufgedeckt werden, stellen eher die Spitze des Eisberges dar.

Dabei geht es eher nicht um die klassischen Primär-Insider im Sinne des Gesetzes wie Vorstände und deren Angehörige. Dieser Personenkreis ist klar zu umfassen und dürfte sich in der Regel strikt an die Gesetze halten, weil auch einfach die Entdeckungsgefahr viel zu groß ist. Nein, es geht um den weiten und unscharfen Kreis der „Sekundärinsider“, also Personen im weiteren Umfeld, die aber von größeren Deals und Entscheidungen Kenntnis erlangen und sei es auch nur in Bruchstücken.

Zu diesem Personenkreis gehören potentiell Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Investmentbanker, Analysten, Aufsichtsbehörden, das Middlemanagement... Wobei Personen dieses Kreises auch Primärinsider im Sinne des „Tätigkeitsinsiders“ sein können, wenn sie direkt am Vorgang mitwirken. Aber selbst Mitbewerber und große Lieferanten können zu faktischen Sekundärinsidern werden, denn wenn man gute Kontakte in ein Unternehmen hat, kann man schnell mal „was läuten“ hören.

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