Musterdepots: Auf dem falschen Fuß erwischt

Musterdepots: Auf dem falschen Fuß erwischt

, aktualisiert 30. Juni 2016, 18:09 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Eine Woche nach dem Brexit-Votum ist an den Märkten etwas Ruhe eingekehrt. Doch die Unsicherheit bleibt bei Anlegern das Hauptgesprächsthema – was heißt das für die Altersvorsorge und was wird aus den Schwellenländen?

Das britische Referendum könnte für Europa zu einem der wichtigsten Wendepunkte der jüngeren Geschichte werden. Denn die Tatsache, dass in Großbritannien knapp über die Hälfte der Bevölkerung von der Idee begeistert werden kann, die größte Wirtschaftsregion der Welt zu verlassen, in der etwa 50 Prozent des Welthandels abgewickelt werden, spricht Bände.

Irgendetwas muss fundamental schief gelaufen sein, wenn das friedensstiftende Projekt Europa immer weniger Begeisterung hervorruft, sondern ganz im Gegenteil neue Konflikte und Spannungen auslöst.

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Dabei ist Großbritannien kein Einzelfall. Käme es beispielsweise in Frankreich zu einem ähnlichen Referendum, wäre der Ausgang alles andere als eindeutig. Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Umfrage durchgeführt, nach der nur 52 Prozent der Franzosen in einem französischen Referendum für einen Verbleib wären, und auch in Italien sieht die Zustimmung mit einem Wert von 54 Prozent nicht viel besser aus.

Es ist auch nicht besonders vertrauensfördernd, wenn nur 41 Prozent der Franzosen weiterhin Großbritannien als Mitglied in der EU wünschen.

Selbst in Deutschland hält sich die Begeisterung für eine EU-Mitgliedschaft Großbritanniens in Grenzen; nur 54 Prozent der Deutschen wünschen einen Verbleib. Daneben gewinnen in ganz Europa immer mehr Parteien Auftrieb, die eine prinzipiell destruktive Haltung gegenüber EU-Institutionen einnehmen.


An privater Vorsorge kommt keiner vorbei

Wenn man die Struktur des Geldvermögens und der Finanzanlagen der Deutschen betrachtet, fällt es auf, wie stark die Gewichtung zugunsten der zwei größten Posten – „Bargeld und Einlagen“ und „Lebens- und Rentenversicherungen“ – verschoben ist. Fast 80 Prozent werden ziemlich gleichmäßig auf die genannten zwei Gruppen verteilt: Die Gruppen, die derzeit entweder renditelos oder sehr renditeschwach sind.

Dieser Fakt alleine wäre schon schlimm genug, denn der Sinn des Sparens – Verzicht auf heutigen Konsum zugunsten der Zukunft und Belohnung durch den Zins – wird durch die Zinslosigkeit massiv verzerrt beziehungsweise zunichtegemacht. Zudem gehört die deutsche Bevölkerung zu den ältesten Gesellschaften weltweit und es gibt kein Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend in Zukunft ändern wird. Dies führt dazu, dass die reale Höhe der staatlichen Rente unausweichlich sinken wird.

Jeder, der in 20, 30 oder 40 Jahren in die Rente gehen wird, muss für eine private Zulage zur staatlichen Rente sorgen. Die oben angesprochene Struktur der Geldanlagen wirkt jedoch unter aktuellen Null-Zins-Rahmenbedingungen deutlich kontraproduktiv. Da die niedrigen Zinsen im Euroraum sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahren ein Status Quo bleiben, wäre es sehr ratsam, mindestens einen Teil des Vermögens in Aktien umzuschichten, die nachweislich die höchste langfristige reale Rendite unter allen normal zugänglichen Asset-Klassen verzeichnen.

In Deutschland werden die Aktien bisher völlig vernachlässigt und haben den Ruf inne, „sehr riskant“ zu sein. Dabei sind Dividendenpapiere solider Unternehmen gar nicht riskant, wenn man sich mit der Natur der Anlageklasse „Aktien“ beschäftigt.

Man darf nur die entscheidenden Voraussetzungen nicht außer Acht lassen: Die Aktienanlagen müssen einen langfristigen Zeithorizont haben, kurz- bis mittelfristige Schwankungen bzw. Volatilität sind normal und dürfen nicht überbewertet werden, das Geld, welches zum kurzfristigen Liquiditätsbedarf gebraucht wird, darf nicht investiert werden.


Was wird aus den Schwellenländern?

Es ist eine historische Entscheidung, deren Folgen weit über die europäische Wirtschaft hinausreichen. Doch stoppt das Brexit-Votum der Briten auch die lange ersehnte Erholung an den Aktienmärkten der Schwellenländer?

Anders als an den hiesigen Börsen und der Wall Street haben Dividendenpapiere der Emerging Markets eine jahrelange Verlustphase hinter sich. Erst vor wenigen Monaten setzten sie zur Gegenbewegung an – die nun wieder zu verpuffen droht.

Während der von US-Titeln dominierte MSCI Weltaktienindex in den vergangenen fünf Jahren unter dem Strich 19 Prozent gewann und der Dax sogar 30 Prozent zulegen konnte, hat der MSCI Emerging Markets im selben Zeitraum mehr als 30 Prozent eingebüßt.

Die Gründe: Vor allem die auslaufende ultralockere US-Geldpolitik, die Zinsanlagen in den USA wieder rentierlicher erscheinen lässt und Kapitalabzug aus riskanteren Auslandsmärkten befeuert. Dazu Preiseinbrüche an den Rohstoffmärkten – und politische Krisen wie etwa in Brasilien, wo die Verstrickungen zahlreicher Akteure in Korruptionsfällen jüngst in der Suspendierung der Präsidentin Rousseff von ihrem Amt gipfelten.

Erst ab etwa Anfang dieses Jahres kehrte sich mit der Erholung beim Ölpreis und anderen Rohstoffnotierungen sowie der absehbar zögerlichen US-Leitzinswende die Entwicklung an den Börsen um: Das meistbeachtete Schwellenländer-Barometer legte bis zum britischen Referendum vergangenen Donnerstag fünf Prozent zu, während sowohl der MSCI World als auch der Dax seit Januar auf der Stelle traten.

Doch das überraschende Brexit-Votum hat auch die Schwellenländer-Märkte auf dem falschen Fuß erwischt: Die Aktienkurse brachen zeitweise über zehn Prozent ein. Insgesamt halten Fachleute die Auswirkungen des Brexits auf die Emerging Markets jedoch für überschaubar.

Denn für die Märkte in China, Indien oder etwa Brasilien habe das Nein der Briten zur Europäischen Union auch positive Folgen. So dürfte beispielsweise die Zinswende in den USA nun aus Angst vor weltweiten Turbulenzen noch zögerlicher umgesetzt werden, was einem weiteren Kapitalabfluss aus den Emerging-Markets entgegenstehen sollte.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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