Musterdepots: Britisches Roulette

Musterdepots: Britisches Roulette

, aktualisiert 12. Juni 2016, 19:15 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Der mögliche „Brexit“ krempelt das Handelsgeschehen ordentlich durcheinander. Auf dem konservativen deutschen Aktienmarkt passiert etwas, was Musterdepot-Stratege Georgios Kokologiannis selten sieht.

Hochgewichtet in Dax & Co. investiert zu sein, hat derzeit mehr mit einem Roulette-Spiel gemein als mit seriöser Geldanlage. Denn die Chancen dafür abhängig von einem einzigen Ereignis in kürzester Zeit marktbreit kräftige Gewinne oder aber extreme Verluste zu erleiden, stehen offensichtlich bei fifty-fifty.

Grund dafür ist die am 23. Juni stattfindende Volksabstimmung über den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Umfragen  zufolge liegen EU-Gegner und -Befürworter momentan in etwa gleichauf.

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Sollte es zu einem „Brexit“ kommen, dann dürften Europäische Aktien unmittelbar rund ein Viertel ihres Wertes einbüßen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der auf Risikomodelle spezialisierte Firma Axioma. Auch viele andere Experten erwarten dann Kurseinbrüche in ähnlicher Größenordnung.

Der konservative deutsche Durchschnittsanleger, der am Aktienmarkt traditionell eher zurückhaltend investiert, handelt daher  - zumindest in der aktuellen Marktphase -  viel rationaler und verantwortungsbewusster als es ihm seine Dauerkritiker aus der Finanzindustrie gerne unterstellen.

Ob nur vorübergehend aus taktischen Gründen so entschieden  - oder aus grundsätzlicher Vorsicht gegenüber Risikoanlagen: Es gibt derzeit Irrationaleres als eine reduzierte Aktienquote im Depot.


Rendite-Flaute lässt nach Anleihen suchen

Die Renditen an den Rentenmärkten streben neuen Tiefstständen entgegen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch knapp über der Null-Prozent-Grenze und auch die Renditen für Unternehmensanleihen sinken immer weiter. Die durchschnittliche Verzinsung von Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating, die in Euro begeben sind, liegt gemessen am Index von Bank of America Merrill Lynch nur noch bei 0,88 Prozent. Zu Jahresbeginn lag dieser Wert noch über 1,5 Prozent.

Diese Entwicklung hat zwei Ursachen. Auf der einen Seite stehen die Anleihe-Kaufprogramme der EZB und auf der anderen Seite preisen die Kapitalmärkte die politischen Risiken dieses Monats ein. Hier sind neben dem prominentesten Risiko – der Brexit Entscheidung – noch die Wahlen in Spanien und Italien sowie das Urteil vom Bundesverfassungsgericht zum OMT-Programm der EZB zu nennen. Von der politischen Unsicherheit profitieren vor allem die Bundesanleihen und die Unternehmensanleihen der Eurozone vom EZB-Kaufprogramm, welches am 8.6. aktiv geschaltet wurde.

Vor dem Hintergrund des außergewöhnlich niedrigen Renditeniveaus sowohl bei Staatsanleihen als auch bei Unternehmensanleihen, beobachten wir den Markt für Neuemissionen sehr eng, um bei attraktiven neuen Anleihen beziehungsweise Emittenten zugreifen zu können. Daher haben wir am Freitag die neue Anleihe der Otto-Gruppe gezeichnet. Die Otto-Gruppe als einer der größten Online-Händler der Welt hat nach einigen schwachen Jahren den Turn-Around geschafft und konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz und das Ergebnis deutlich steigern. Die Anleihe mit einer mittelfristigen Laufzeit von sieben Jahren, bietet eine attraktive Rendite von knapp unter 3 Prozent. 


Spanien mit stabilem Wirtschaftswachstum

Die Analysten der französischen Investmentbank Natixis haben die Firmeninvestitionen und die aktuellen Arbeitsmarkttrends in den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone  - Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien - unter die Lupe genommen und eine interessante Analyse dazu veröffentlicht. In Deutschland und Spanien ist ein deutlicher Fortschritt in den beiden Bereichen – bei der Investitionstätigkeit der Unternehmen sowie am Arbeitsmarkt – zu beobachten.

Die Situation in Frankreich und Italien ist dagegen nicht so eindeutig. Aufgrund der Inflexibilität und der hohen Arbeitskosten wird in Frankreich der Faktor Arbeit durch den Faktor Kapital ersetzt, was durch eine Stagnation am Arbeitsmarkt bei gleichzeitig signifikant steigenden Investitionen widerspiegelt wird. In Italien ist die Lage genau umgekehrt: Die Arbeitsmarktreformen haben zu einer steigenden Beschäftigung geführt, während die Firmeninvestitionen auf einem relativ niedrigen Niveau bleiben.

Bei der Frage der Wettbewerbsfähigkeit hat aktuell Spanien einen Vorteil gegenüber den drei anderen großen Volkswirtschaften. Alles zusammen führt dies dazu, dass von den genannten Ländern Spanien in den letzten Quartalen das stärkste und stabilste Wirtschaftswachstum ausweist.   

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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