Musterdepots: Chancen und Risiken am Anleihemarkt

Musterdepots: Chancen und Risiken am Anleihemarkt

, aktualisiert 30. August 2016, 16:58 Uhr
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Sönke Niefünd

Quelle:Handelsblatt Online

Ist es aktuell klug, in Unternehmensanleihen zu investieren? Die Musterdepotstrategen Sönke Niefünd und Alexander Kovalenko geben auf diese Frage unterschiedliche Antworten. Die Handelsblatt-Musterdepots.

FrankfurtDie im MDax notierte Evonik Industries AG hat eine Anleihe im Volumen von bis zu 1,9 Milliarden Euro begeben. Insgesamt wurden drei festverzinsliche Tranchen mit Laufzeiten von 4,5 Jahren, acht Jahren und zwölf Jahren emittiert. Die Rendite der 4,5- jährigen Anleihe beläuft sich auf 0,05 Prozent. Im Vergleich dazu ist die 30-jährige Bundesanleihe aktuell mit einer Rendite von 0,48 Prozent wieder attraktiv.

Dennoch: Alle deutschen Staatsanleihen mit bis zu zehn Jahren Laufzeit rentieren im Minus. Wer heute eine zweijährige Bundesanleihe kauft und sie bis zur Fälligkeit hält, macht damit einen Verlust von 0,63 Prozent, bei fünfjährigen Papieren sind es 0,5 Prozent. Bei zehnjährigen Bundesanleihen ist lediglich eine Rendite von 0,04 Prozent zu erzielen.

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Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob Unternehmensanleihen noch attraktiv sind oder Investoren besser nach Alternativen Ausschau halten sollten.

Wir plädieren aus folgenden drei Gründen weiterhin für diese Anlageklasse. Erstens schafft die EZB mit ihrem Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) eine neue Nachfrageseite im Unternehmensanleihenmarkt. Wird das aktuelle Kauftempo beibehalten, dürfte die EZB in zwei Jahren schon rund zehn Prozent aller in Euro notierenden Unternehmensanleihen halten.

Zweitens ist das Kreditrisiko bei Investmentgrade-Unternehmensanleihen relativ gering. Nach unserer Einschätzung sind diese für uns nach wie vor attraktiv.

Drittens steigt die Zahl der Anleiheemissionen. Zahlreiche Unternehmen nutzen die niedrigen Zinsen am Anleihenmarkt für günstige Refinanzierungen und Akquisitionen.


Europas Anleihemarkt ist verzerrt

Laut einer Analyse der HSBC Bank wird es für die Europäische Zentralbank (EZB) immer schwieriger, im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms deutsche Bundesanleihen zu finden. Da die Notenbank nur diejenigen Papiere kaufen darf, deren Rendite über dem EZB-Einlagezins von aktuell minus 0,4 Prozent liegt, wird die Auswahl von Bundesanleihen für die EZB immer kleiner. Sollte die Notenbank ihr Programm weiterhin auf aktuellem Niveau fortsetzen, könnte es bis Mitte 2017 laut HSBC zu einem ernsthaften Engpass auf dem Bondmarkt kommen.

Die Situation ist bereits jetzt sehr angespannt. Die aggressive Geldpolitik der EZB bringt viele konservative Anleger, zum Beispiel Versicherungen oder Stiftungen, in ernsthafte Bedrängnis.

Seit ein paar Monaten erwirbt die EZB auch die Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating, das heißt mit einer guten Bonität. Logischerweise hat dies neben anderen Faktoren dazu geführt, dass man in diesem Segment keine nennenswerte Rendite mehr erreichen kann.

Die nächste logische Konsequenz besteht darin, dass die Papiere mit einer niedrigeren Bonität – die sogenannten High-Yield-Bonds – aufgrund des Renditedrucks immer stärker nachgefragt werden. Grundsätzlich ist dies ein legitimes und hochinteressantes Segment.

Problematisch ist allerdings unseres Erachtens die Tatsache, dass die Investitionen in diesem Bereich derzeit sehr prozyklisch sind. Die aktuellen Ausfallsquoten liegen historisch gesehen auf einem niedrigen Niveau, was das Gefühl einer vermeintlichen Sicherheit hervorruft. Sollte die globale Konjunktur jedoch einen merklichen Dämpfer bekommen, können die Ausfallsquoten wieder rasant steigen und für böse Überraschungen bei vielen Investmentportfolios sorgen.

Fakt ist, dass der komplette europäische Bondmarkt – sowohl im Staats- als auch im Unternehmensanleihebereich – durch die Liquiditätsflut der EZB sehr verzerrt ist und auf Dauer ein erhebliches Gefahrenpotential birgt. Die Aktienmärkte profitieren natürlich auch von der reichlichen Liquidität, sind aber historisch gesehen relativ zum Anleihenmarkt signifikant unterbewertet. 


Von den Tücken, auf fallende Kurse zu wetten

Wie schwierig es ist, auf fallende Kurse zu setzen, zeigt sich am Beispiel der Aktie Wirecard. Vor knapp sechs Monaten attackierten Spekulanten den Zahlungsabwickler, der Aktienkurs brach um ein Viertel ein.

Daraufhin kamen viele „Trittbrettfahrer“ und wollten ebenfalls von möglicherweise weiter fallenden Kursen profitieren. Ein Versuch, der aber offenbar misslang: Die Wirecard-Aktie notiert mittlerweile wieder knapp unterhalb ihres Allzeithochs.

Auch ich setze in meinem Depot auf fallende Kurse: Aber nur auf breit aufgestellte Auswahlindizes wie den deutschen Dax, den europäischen Euro Stoxx 50 und den US-amerikanischen S&P 500, aber nicht auf riskante Einzelaktien. Und ich kaufe nur Reverse-Bonuszertifikate. Diese Derivate in meinem Depot sind deutlich defensiver ausgerichtet.

Der jeweilige Basiswert muss nicht unbedingt fallen, es reichen Seitwärtskurse und sogar leicht steigende Notierungen, um eine Rendite zu erzielen. Es darf nur nicht eine vorher festgelegt Schwelle überschritten werden. Je höher diese Schwelle, umso niedriger ist natürlich die Rendite. 

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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