Musterdepots: Des einen Freud, des anderen Leid

Musterdepots: Des einen Freud, des anderen Leid

, aktualisiert 15. Dezember 2016, 17:38 Uhr
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Sönke Niefünd

Quelle:Handelsblatt Online

Am Tag nach der Fed-Sitzung kennen die Börsianer und unsere Musterdepotautoren nur ein Thema. Zwar war die Erhöhung der US-Leitzinsen erwartet worden, doch trotzdem reagierte die Märkte deutlich. Die Gründe.

Die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed und der feste Dollar sorgen für gute Stimmung am europäischen Aktienmarkt. Die Fed zeigt sich offensiver in ihrer restriktiven Geldpolitik. Statt zwei hat sie nun drei Zinserhöhungen im kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Bei der Betrachtung des Zinsterminmarktes und der Fed Funds Future Rates rechne der Markt nun zu gut einem Drittel ebenfalls mit drei Zinsschritten 2017. Diese Erwartung auf einen steileren Zinspfad 2017 lässt den US-Dollar auf breiter Front kräftig nach oben steigen. Der Euro ist mit 1,0431 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2003 gefallen.

Ein schwacher Euro kann als indirektes Konjunkturprogramm für exportstarke Dax-Unternehmen wie BMW, Siemens und Bayer interpretiert werden. Denn ein schwächerer Euro verbessert die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen gegenüber solchen aus dem Dollarraum. Nahezu die Hälfte der Umsätze der Euro-Stoxx-600-Mitglieder wird außerhalb Europas erzielt. Am Aktienmarkt geraten Dollar-Gewinner wie Airbus und MTU in den Blick, da diese am stärksten von der Dollar-Stärke profitieren. Unser Portfolio-Wert Airbus gewinnt um 2,4 Prozent. Insgesamt verwundert es uns nicht, dass der DAX mit 11.375 Punkten ein neues Jahreshoch markieren konnte. Der Euro-Stoxx-50 legt auf 3.246 Punkte zu und notierte nur noch knapp unter dem Jahreshoch vom 4. Januar bei 3.266 Punkten.

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Am Anleihemarkt setzt sich der Trend anziehender Renditen fort, die Kurse fallen also weiter. Nach 0,31 rentieren zehnjährige deutsche Staatsanleihen mit 0,38 Prozent.
Der große Verlierer der US-Geldpolitik ist der Goldpreis. Die zinslose Anlage leidet unter der Aussicht auf steigende Zinsen und dem steigenden Dollar. Nach der Fed-Sitzung fiel der Preis der Feinunze auf 1.128 US-Dollar. Sollte der Dollar noch stärker werden, dürfte der Goldpreis die 1.100er Marke je Feinunze testen. Aktuell liegt die Feinunze bei 1.137 Dollar.


Die Zinsschere öffnet sich

Die US-Notenbank hat am Mittwoch erwartungsgemäß den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Absolut gesehen bleibt das Zinsniveau jedoch historisch sehr tief. Während der direkte kurzfristige Einfluss dieser minimalen Erhöhung auf die Aktienmärkte eher überschaubar ausfallen dürfte, sind die impliziten Folgen der nächsten Schritte sowie die Reaktion der Zins- und Devisenmärkte deutlich interessanter. Aufgrund der Tatsache, dass die Geldpolitik der EZB erst mal ultralocker bleibt, wird sich die Zinsdifferenzschere zwischen der Eurozone und den USA wohl immer weiter öffnen.

Dies wird wiederum eine signifikante Auswirkung auf die Wechselkurse haben. Der US-Dollar befindet sich bereits seit Mitte 2014 in einer ausgeprägten Aufwertungsphase gegenüber dem Euro. Nach der FED-Entscheidung hat der Greenback erneut zugelegt. Das Zusammenspiel des US-amerikanischen Aktienmarktes und des Dollars war übrigens aus der Sicht der Euroanleger sehr spannend. Die Dividendentitel aus den USA waren eigentlich bereits 2014 historisch gesehen nicht besonders günstig. Dies war ein Grund, warum viele (Euro-)Anleger die amerikanischen Aktien gemieden haben.

Seitdem konnten die US-Aktienbörsen nicht nur in der Originalwährung zulegen, zusätzlich profitierten die Investoren aus dem Euroraum, die in US-Titel investiert sind, von einer massiven Aufwertung des Dollars. Es hat in den letzten zwei Jahren viel entgangenen Gewinn gekostet, in den USA nicht investiert zu sein. Bei unserem Musterdepot halten wir ein kontinuierliches USA-Exposure über zwei Wikifolio-Zertifikate.

Abgesehen vom Euro dürfte der US-Dollar auch zu anderen Währungen, wie zum Beispiel dem japanischem Yen oder auch zu einigen Emerging Markets-Währungen zulegen. Der stärkere Dollar zusammen mit dem steigenden Ölpreis kann der EZB verhelfen, ein längst angestrebtes Ziel – die Beschleunigung der Inflation – zu erreichen. Von der Euro-Schwäche dürften exportstarke Länder, wie zum Beispiel Deutschland, profitieren.


Warten auf die Dämmerung

Nach der Leitzinsanhebung in den USA ist der Dax auf ein neues Jahreshoch oberhalb von 11.300 Punkten weitergestiegen. Gleichzeitig ist die Nervosität der Anleger hierzulande auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gesunken. Das zeigt etwa der Volatilitäts-Index VDax an, der nun so niedrig notiert wie zuletzt im Spätsommer 2014.

Wie angekündigt nutze ich den aktuellen Dämmerzustand der Investoren, um das Depot noch stärker auf ein Auslaufen der fast acht Jahre währenden Börsenhausse auszurichten: Ich erhöhe den Bestand an Reverse-Bonuszertifikaten weiter auf, die sich auf den deutschen Aktienindex beziehen (WKN: CD0EYZ).

Die nun aufgestockten Anlagepapiere legen bis kommenden Sommer um mindestens 24 Prozent zu, wenn der Dax-Hausse allmählich die Luft ausgeht – oder der Leitindex sogar deutlich zurückfällt. Nur falls der Dax bis Mitte Juni auf über 12.100 Punkte weiterklettert, können diese Zertifikate zu dauerhaften Verlustbringern werden.

Anleger blenden derzeit sämtliche Risiken aus. Zweifel an der Wirksamkeit der wirtschaftspolitischen Pläne Donald Trumps existieren beispielsweise nicht mehr. Auch die von der US-Zentralbank Fed in Aussicht gestellten - wohl stärker als bisher erwartet - anziehenden Leitzinsen in den USA werden rein positiv interpretiert.

Ich schließe mich einer Warnung der Anlageexperten des Vermögensverwalters Aberdeen an: Die andauernde positive Entwicklung risikoreicherer Anlagen könne durch die straffere Geldpolitik ein ähnlich unrühmliches Ende nehmen, wie im Januar dieses Jahres nach der vorausgegangenen Zinserhöhung der Fed. Damals verlor etwa der Dax von seinem Dezember-Hoch bei über 11.200 Punkten bis Mitte Februar mehr als 23 Prozent auf rund 8.700 Zähler.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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