Musterdepots: Die EZB hält still

Musterdepots: Die EZB hält still

, aktualisiert 20. Oktober 2016, 18:44 Uhr
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Sönke Niefünd

Quelle:Handelsblatt Online

Nach dem Termin des Monats sind die Anleger so schlau wie vorher. Mario Draghis Führungsriege der Zentralbanker beschließt, alles beim Alten zu lassen und keine neuen Maßnahmen aufzusetzen. Sönke Niefünd fasst zusammen.

Mario Draghi hat die Bereitschaft der EZB bekräftigt, ihre Geldpolitik notfalls weiter zu lockern. In seiner Pressekonferenz nach der Bekanntgabe der geldpolitischen Entscheidungen sagte Draghi: „Wir werden die sehr substanzielle geldpolitische Unterstützung aufrecht erhalten, auf denen unsere Stabsprojektionen basieren und die notwendig ist, um eine Rückkehr zu knapp zwei Prozent Inflation sicherzustellen. Falls notwendig, werden wir handeln und dabei alle innerhalb unseres Mandats verfügbaren Instrumente einsetzen.“

Draghi sagte, der EZB-Rat werde in den nächsten Monaten mehr Informationen erhalten, die eine bessere Beurteilung des makroökonomischen Umfelds erlaubten, darunter neue Stabsprojektionen. Laut Draghi hat der EZB-Rat die Arbeit der Ausschüsse zur Kenntnis genommen, die Optionen für die reibungslose Fortsetzung der Anleihekäufe erarbeiten sollen. Auf Nachfrage sagte Draghi aber auch, dass der EZB-Rat nicht über eine Verlängerung des Ankaufprogramms diskutiert habe. Auch eine schrittweise Verringerung (Tapering) sei kein Thema gewesen.

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Die Anleihekäufe will die EZB mindestens bis März 2017 fortführen, auf jedenfalls aber so lange, bis die Inflation nachhaltig auf knapp 2 Prozent gestiegen ist. Ausweislich ihrer jüngsten Stabsprojektionen rechnet die EZB damit, dass das frühestens Ende 2018 passieren wird. Für den Durchschnitt dieses Jahres erwartet sie 1,6 Prozent Inflation.


Gerüstet für den neuen Anlauf

Mittelfristig erreicht das Musterportfolio die höchste Rendite, wenn Dax & Co. unter dem Strich weiterhin nur auf der Stelle treten – oder sogar kräftig nachgeben. Bis zum kommenden Frühjahr steigt in diesem Szenario der Gesamtertrag von jetzt rund 20 Prozent seit Auflegung auf dann knapp 24 Prozent. Etwas zusätzliche Rendite ist durch Wechselkurseffekte möglich, falls der US-Dollar weiter aufwertet.

Sollten die Aktienkurse in Europa und den USA neue Anläufe in Richtung ihrer Übertreibungsbereiche starten, werde ich das Musterdepot noch stärker auf ein Auslaufen der Hausse ausrichten. In einem ersten Schritt würde ich in diesem Szenario die bereits vorhandenen Bestände an Absicherungsprodukten aufstocken. Danach auch zusätzliche Positionen an Derivaten aufbauen, die von einem Absacken der Börsenkurse profitieren würden.

Falls etwa Dax vorübergehend noch einmal das bisherige Jahreshoch bei knapp mehr als 10.800 Punkten überwinden sollte, werde ich Reverse-Bonuszertifikate zukaufen, die sich auf dem deutschen Aktienindex beziehen (WKN: CD0EYZ). Denn sie entwickeln sich tendenziell entgegengesetzt zur hiesigen Börse. Die Papiere liefern einen Ertrag von mindestens zehn Prozent, falls die Rally endgültig versiegt - oder der Dax bis Juni 2017 sogar deutlich fällt.

Klettert das Börsenbarometer dagegen auf 12. 100 Punkte oder darüber, kann die Position separat betrachtet zum dauerhaften Verlustbringer werden. Daher eignen sich solche Produkte in einem defensiven Portfolio grundsätzlich nur als Beimischung.


Deutsche Wahl – falsche Wahl?

Wenn man die Struktur des Geldvermögens beziehungsweise der Finanzanlagen der Deutschen betrachtet, fällt es auf, wie stark die Gewichtung zugunsten der zwei größten Posten – „Bargeld und Einlagen“ und „Lebens- und Rentenversicherungen“ – verschoben ist. Dabei sind diese zwei Anlagegruppen derzeit entweder renditelos oder sehr renditeschwach. Dieser Fakt alleine wäre schon schlimm genug, denn der Sinn des Sparens – Verzicht auf heutigen Konsum zugunsten der Zukunft und Belohnung durch den Zins – wird durch die Zinslosigkeit massiv verzerrt beziehungsweise zunichtegemacht.

Zudem gehört die deutsche Bevölkerung zu den ältesten Gesellschaften weltweit und es gibt kein Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend in Zukunft ändern wird. Dies führt dazu, dass die reale Höhe der staatlichen Rente unausweichlich sinken wird. Jeder, der in 20-30-40 Jahren in die Rente gehen wird, muss für eine private Zulage zur staatlichen Rente sorgen. Die oben angesprochene Struktur der Geldanlagen wirkt jedoch unter aktuellen Null-Zins-Rahmenbedingungen deutlich kontraproduktiv.

Da die niedrigen Zinsen im Euroraum sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahren ein Status Quo bleiben, wäre es sehr ratsam, mindestens einen Teil des Vermögens in Aktien umzuschichten, die nachweislich die höchste langfristige reale Rendite unter allen normal zugänglichen Asset-Klassen verzeichnen.

In Deutschland werden die Aktien bisher faktisch vernachlässigt und haben den Ruf inne, „sehr riskant“ zu sein. Dabei sind Dividendenpapiere solider Unternehmen gar nicht riskant, wenn man sich mit der Natur der Anlageklasse „Aktien“ auskennt. Man darf nur die entscheidenden Voraussetzungen nicht außer Acht lassen: Die Aktienanlagen müssen einen langfristigen Zeithorizont haben, kurz- bis mittelfristige Schwankungen bzw. Volatilität sind normal und dürfen nicht überbewertet werden, das Geld, welches zum kurzfristigen Liquiditätsbedarf gebraucht wird, darf nicht investiert werden.

Das „VSAK - Value Europa“-Wikifolio der Bayerische Vermögen, welches unser Aktienkernportfolio widerspiegelt und als Zertifikat (WKN: LS9BPF) handelbar ist, stellt ein Beispiel dafür dar, wie ein langfristiges transaktionsarmes Aktiendepot aus unterbewerteten europäischen Titeln aufgebaut werden kann.  

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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