Musterdepots: Fokus auf das Brexit-Votum

Musterdepots: Fokus auf das Brexit-Votum

, aktualisiert 23. Juni 2016, 22:08 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Der Blick auf die Märkte zeigt: Die Mehrzahl der Investoren rechnet nicht mit einem Ausstieg der Briten auf der EU. Was wäre aber, wenn es eine Überraschung gäbe?

Derzeit konzentrieren sich die Anleger auf die Geschehnisse in Großbritannien und deren Folgen für die britische Konjunktur und die Kapitalmärkte. Nachrichten außerhalb dieses Ereignisses werden kaum wahrgenommen.

Allerdings waren die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten auch eher unauffällig. Unser Konjunkturzyklusmodell, welches wir seit langer Zeit zur Bestimmung von konjunkturellen Wendepunkten im Einsatz haben, hat sich dennoch leicht verbessert.

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Danach ist die globale Wirtschaftsentwicklung tendenziell leicht positiv, so dass wir von dieser Seite aktuell mit wenig Störfeuer zu rechnen haben. Auch von der amerikanischen Notenbank gehen derzeit keine Probleme für die Aktienmärkte aus. So hatte die Fed den Leitzins zuletzt unangetastet gelassen. Die Fed-Funds-Rate liegt weiterhin in einer Spanne zwischen 0,25 Prozent und 0,50 Prozent. Der sogenannte Dot-Plot, in dem die Einzelprognosen der Mitglieder des FOMC durch Punkte dargestellt werden, zeigt jedoch, dass die Zinsphantasien der FOMC- Mitglieder weitestgehend der Ernüchterung gewichen sind.

Ein Vergleich des Dot-Plots aus der März-Sitzung mit dem aus der Juni Sitzung zeigt jedoch, dass die Anzahl der FOMC-Mitglieder, die nur noch von einer Zinserhöhung ausgehen von einem auf sechs angestiegen ist. Gab es im März noch sieben Notenbanker, die sogar drei bis vier Zinsschritte in Betracht gezogen haben, so ist dieser Wert im Juni auf zwei gesunken. Der mögliche Brexit dominiert derzeit das Geschehen an den Kapitalmärkten.

Die Umfragen sprechen momentan eher für eine abnehmende Brexit-Wahrscheinlichkeit, jedoch wird es in jedem Fall am Donnerstag ein Kopf-an-Kopf Rennen geben. Dies liegt vor allem auch daran, dass die Anzahl der Unentschlossenen nach wie vor sehr hoch ist. Daher macht es für einen Investor auch noch keinen Sinn, sich schon jetzt klar und mit hoher Konfidenz auf der einen oder anderen Seite zu positionieren.


Spannende Stahlwerte

Zum Zeitpunkt des Kommentarverfassens befanden sich die europäischen Aktienmärkte gestern in einem kräftigen Aufwärtsmodus. Die Börsianer wetteten auf das Verbleiben Großbritanniens in der EU. Unter anderem waren die Stahlwerte sehr gefragt.

Die Unternehmen aus diesem Sektor profitierten neben einer generell guten Stimmung von einem positiven mittelfristigen Branchenausblick seitens der US-Investmentbank JP Morgan. Die Analysten haben in ihrem Bericht geschrieben, dass die Stahlpreise zwar kurzfristig weiter sinken könnten, sie haben sich jedoch in den letzten Wochen resistenter erwiesen als zuvor angenommen. Aus diesem Grund seien die besseren Jahresergebnisse als erwartet möglich. Die Kursziele für Thyssenkrupp und Salzgitter wurden erhöht.

Der Empfehlungsstatus für die Voestalpine-Aktie, welche sich in unserem Musterdepot befindet, wurde von „Neutral“ auf „Übergewichten“ geändert. Die Kursziele der großen Banken spielen bei unserem Investmentprozess allerdings absolut keine Rolle, die Entscheidungen werden aufgrund selbst entwickelter Modelle getroffen.

Es ist nur interessant zu beobachten, wie prozyklisch viele Empfehlungen der großen Häuser sind. Die letzten zwölf Monate waren zugegebenermaßen nicht einfach für die Stahlwerte. Die Zielkurse werden aber jetzt erst dann erhöht, nachdem die Stahlwerte bereits etwa 30-50 Prozent seit den jeweiligen Tiefs im Februar zugelegt haben.


Auf Nummer sicher

Das Handelsblatt-Musterdepot nimmt nicht teil am Brexit-Börsenroulette: Am Tag vor der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses über den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union reduziere ich die Netto-Investitionsquote des Portfolios erneut - auf nur noch knapp zehn Prozent.

Dazu baue ich den Bestand an Reverse-Bonuszertifikaten aus, die sich auf den Dax beziehen (WKN: DL05MU). Diese speziellen Absicherungsinstrumente entwickeln sich tendenziell entgegengesetzt zum europäischen Leitindex und können dabei maximal ein Plus von knapp 20 Prozent erreichen - auch wenn das Börsenbarometer bis zum Laufzeitende im kommenden März abstürzt oder nur noch seitwärts läuft. Sie tragen also dazu bei, mögliche Kurseinbrüche anderer Depotbestandteile zu kompensieren.

Obwohl der Ausgang des Referendums am Wahltag völlig offen ist und Umfragen weiterhin auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen deuten, preisen die Kapitalmärkte inzwischen eindeutig ein „Remain“-Votum der Briten ein. Sollten die Märkte mit ihrem Optimismus falsch liegen, drohen heftige Verluste.

Falls es zu einem „Brexit“ kommt, dann dürften europäische Aktien unmittelbar rund ein Viertel ihres Wertes einbüßen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der auf Risikomodelle spezialisierte Firma Axioma. Für den Dax beispielsweise hieße das ein Absturz von jetzt 10.300 Punkten auf bis zu 8.200 Zähler.

Für ein auf Verlustvermeidung ausgerichtetes Portfolio wie das Handelsblatt-Depot ist es vor diesem Hintergrund völlig untragbar, ebenfalls einfach nur blind darauf zu hoffen, dass ein Börsensturz am Freitag schon ausbleiben wird.

Zu einer Depotabsicherung durch frühzeitige Verkäufe oder aber Absicherungsderivate wie die Reverse-Bonuszertifikate gibt es im aktuellen Umfeld keine Alternative – auch „Stopp-Loss-Orders“ sind keine verlässliche Option: Falls morgen früh zum Handelsstart die Investoren gleichzeitig aus den Anlagemärkten drängen, werden die Notierungen ruckartig mehrere Etagen nach unten durchbrechen. Ein verlustbegrenzender Not-Verkauf auf Stop-Loss-Niveau würde praktisch unmöglich.

Das wissen auch die Broker-Häuser. So nimmt die britische Großbank Barclays Stopp-Loss-Aufträge für bestimmte Börsengeschäfte seit Donnerstagmorgen 8 Uhr Insidern zufolge nicht mehr an. Weder telefonisch noch auf anderem Weg, sagte ein leitender Devisenhändler einer Londoner Bank dem Nachrichtendienst Reuters.

Dass Stopp-Loss-Aufträge verweigert werden, kommt nur in extremen Ausnahmesituationen vor. Es ist ein Indiz dafür, dass trotz der vorgeblichen Gelassenheit an den Märkten die Banken ein Kurschaos nicht ausschließen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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