Musterdepots: Renzis Schicksalswahl

Musterdepots: Renzis Schicksalswahl

, aktualisiert 28. November 2016, 10:11 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Die Börse spekuliert über steigende Volatilität, sollte sich Italien beim Referendum für „Nein“ entscheiden – für Depotstrategen Alexander Kovalenko ist das nicht von Bedeutung. Die Musterdepots.

Nach dem Brexit-Referendum im Juni sowie den Präsidentschaftswahlen in den USA vor ein paar Wochen naht das nächste politisches Großereignis – das Referendum über eine Verfassungsänderung in Italien. Ohne tief ins Detail zu gehen, geht es dabei neben den eigentlichen Reformvorschlägen vor allem darum, ob der amtierende Ministerpräsident Matteo Renzi seinen Posten behält – oder ob Neuwahlen drohen.

Das umstrittene Verfassungsreformpaket ist eine Initiative von Renzi – und er hat faktisch seine politische Zukunft an das Referendumsergebnis geknüpft. Sollten die Italiener am 4. Dezember „Nein“ sagen, wird Renzi höchstwahrscheinlich zurücktreten. Bei der medialen Landschaft ist nun erneut erhöhte Nervosität zu beobachten, ähnlich wie bei den US-Wahlen. An den Börsen wird über eine steigende Volatilität im Fall einer Niederlage spekuliert.

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Dies mag alles passieren, die regelmäßigen Leser der Kommentare wissen jedoch, dass unsere Strategie keine Reaktionen oder Umschichtungen aufgrund politischer Ereignisse vorsieht. Da das primäre Ziel des Musterdepots im langfristigen Vermögensaufbau über Realisierung des Renditepotentials der Anlageklasse Aktien besteht, konzentrieren wir uns auf die Suche von fundamental vielversprechenden Titeln und schenken kurzfristigen Turbulenzen keine Aufmerksamkeit.


Wenig erbauliche Hinweise

Während die wichtigsten US-Aktienindizes nach der Trump-Wahl immer neue Allzeithochs markiert haben, stagnieren hierzulande die Notierungen. Auch weiterhin rechne ich nicht mit einer Jahresendrally bei Dax & Co. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) demnächst eine Verlängerung ihres eigentlich im März auslaufenden Wertpapierkaufprogramms verkünden dürfte, ist längst eingepreist und wird professionelle Investoren nicht überraschen.

Und falls es an der Wall Street zu einer Korrektur nach der überzogenen Rally kommt, wird das an den hiesigen Börsen nicht spurlos vorbeigehen. Zudem könnte der Euro seine Abwertung stoppen, die bisher die Kurse in Europa gestützt hat. Schließlich hat die Gemeinschaftswährung allein seit dem Wahlsieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl mehr als vier Prozent zum Dollar eingebüßt und kostet mit unter 1,06 Dollar so wenig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Auch der Umfragen zufolge wohl negative Ausgang des Referendums in Italien am 4.Dezember 2016 spricht gegen plötzlich zunehmenden Risikohunger der  Investoren. Vieles deutet derzeit darauf, dass die Wähler diese eigentlich innenpolitische Abstimmung für ein Misstrauensvotum gegen den europafreundlichen Kurs der aktuellen Regierung von Premierminister Matteo Renzi nutzen werden. Das könnte die Europäische Union in einen neue Krise stürzen.

Wenig erbaulich auch die jüngsten Hinweise auf die Exportaussichten der wichtigsten Volkswirtschaft innerhalb der Eurozone: Die deutsche Industrie erwartet nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten einen deutlichen Dämpfer bei ihren Ausfuhren. Das Barometer für ihre Exporterwartungen halbierte sich im laufenden Monat um 7,0 auf 6,9 Punkte, wie das Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter Managern mitteilte.


Der Italowestern

Warten auf den nächsten Impuls. Dieser könnte vom Verfassungsreferendum in Italien am 4. Dezember ausgehen. Ein Italowestern aus dem Jahr 1968 bietet einen bildhaften Hintergrund. Charles Bronson sagte in der Schlusssequenz zu Claudia Cardinale: „Irgendeiner wartet immer“. In den letzten Börsentagen warten viele Marktteilnehmer auf einen, auf den entscheidenden Impuls, der möglicherweise den Startschuss für eine Jahresendrallye bildet und hoffentlich nicht – nochmals in Anlehnung an den Kultfilm von Sergio Leone – „das Lied vom Tod“ dieser erhofften Aufwärtsbewegung anstimmt. Wir sind für alle Fälle gewappnet und halten – ganz wie im Western – „unser Pulver trocken“.

Ungeachtet frischer Rekordhochs an der Wall Street haben Aktienanleger in Europa die Woche ruhig ausklingen lassen. Sie nutzten den „Black Friday“ für einen vorzeitigen Start ins Wochenende. Der Dax beendete seine Seitwärtsbewegung der vergangenen Börsenwoche mit plus 0,33 Prozent, die Bandbreite vom niedrigsten zum höchsten Stand innerhalb dieser Woche betrug geringe 1,34 Prozent. Der EuroStoxx50 legte 0,3 Prozent auf 3.048,38 Zähler zu. An der Wall Street hielt die Rekordjagd weiter an. Dow Jones & Co erreichten neue Bestmarken, angetrieben von Einzelhandelstiteln wie Wal-Mart und Amazon.

Bei den volatilen Ölpreisen haben wir eine negative Abwärtsbewegung gesehen. Hier machte sich zunehmend Nervosität breit vor dem mit Spannung erwarteten 30. November, wenn sich die Opec-Staaten in Wien treffen, um eine Einigung auf Förderkürzungen zu finden. Gespräche gab es bislang viele, einen Durchbruch aber noch nicht. Sollten sich die Opec-Staaten nicht auf eine Drosselung einigen, erwarten wir Ölpreise von unter 40 US-Dollar. Mittelfristig erwarten wir einen Öl-Preis bei 45 bis 50 US-Dollar.

Es bleibt abzuwarten, was die kommenden Tage für marktbestimmende Faktoren bescheren – stimmt Italien zum Beispiel mit „Nein“, kann in Europa eine „Staatsschuldenkrise 2.0“ nicht ausgeschlossen werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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