Musterdepots: Sind die Börsenverluste übertrieben?

Musterdepots: Sind die Börsenverluste übertrieben?

, aktualisiert 29. Juni 2016, 19:53 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Musterdepotstratege Daniel Hupfer macht sich seine Gedanken über die Zukunft Europas nach dem Referendum der Briten. Und fragt sich, warum das friedensstiftende Projekt Europa neue Konflikte und Spannungen auslöst.

FrankfurtDas britische Referendum könnte für Europa zu einem der wichtigsten Wendepunkte der jüngeren Geschichte werden. Denn die Tatsache, dass in Großbritannien knapp über die Hälfte der Bevölkerung von der Idee begeistert werden kann, die größte Wirtschaftsregion der Welt zu verlassen, in der etwa 50 Prozent des Welthandels abgewickelt werden, spricht Bände.

Irgendetwas muss fundamental schief gelaufen sein, wenn das friedensstiftende Projekt Europa immer weniger Begeisterung hervorruft, sondern ganz im Gegenteil neue Konflikte und Spannungen auslöst. Dabei ist Großbritannien kein Einzelfall.

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Käme es beispielsweise in Frankreich zu einem ähnlichen Referendum, wäre der Ausgang alles andere als eindeutig. Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Umfrage durchgeführt, nach der nur 52 Prozent der Franzosen in einem französischen Referendum für einen Verbleib wären, und auch in Italien sieht die Zustimmung mit einem Wert von 54 Prozent nicht viel besser aus. Es ist auch nicht besonders vertrauensfördernd, wenn nur 41 Prozent der Franzosen weiterhin Großbritannien als Mitglied in der EU wünschen.

Selbst in Deutschland hält sich die Begeisterung für eine EU-Mitgliedschaft Großbritanniens in Grenzen; nur 54 Prozent der Deutschen wünschen einen Verbleib. Daneben gewinnen in ganz Europa immer mehr Parteien Auftrieb, die eine prinzipiell destruktive Haltung gegenüber EU-Institutionen einnehmen.


Aktien werden in Deutschland völlig vernachlässigt

Wenn man die Struktur des Geldvermögens beziehungsweise der Finanzanlagen der Deutschen betrachtet, fällt es auf, wie stark die Gewichtung zugunsten der zwei größten Posten – „Bargeld und Einlagen“ und „Lebens- und Rentenversicherungen“ – verschoben ist. Fast 80 Prozent  werden ziemlich gleichmäßig auf die genannten zwei Gruppen verteilt: Die Gruppen, die derzeit entweder renditelos oder sehr renditeschwach sind.

Dieser Fakt alleine wäre schon schlimm genug, denn der Sinn des Sparens – Verzicht auf heutigen Konsum zugunsten der Zukunft und Belohnung durch den Zins – wird durch die Zinslosigkeit massiv verzerrt beziehungsweise zunichtegemacht. Zudem gehört die deutsche Bevölkerung zu den ältesten Gesellschaften weltweit und es gibt kein Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend in Zukunft ändern wird.

Dies führt dazu, dass die reale Höhe der staatlichen Rente unausweichlich sinken wird. Jeder, der in 20,30,40 Jahren in die Rente gehen wird, muss für eine private Zulage zur staatlichen Rente sorgen. Die oben angesprochene Struktur der Geldanlagen wirkt jedoch unter aktuellen Null-Zins-Rahmenbedingungen deutlich kontraproduktiv.

Da die niedrigen Zinsen im Euroraum sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahren ein Status Quo bleiben, wäre es sehr ratsam, mindestens einen Teil des Vermögens in Aktien umzuschichten, die nachweislich die höchste langfristige reale Rendite unter allen normal zugänglichen Asset-Klassen verzeichnen.

In Deutschland werden die Aktien bisher völlig vernachlässigt und haben den Ruf inne, „sehr riskant“ zu sein. Dabei sind Dividendenpapiere solider Unternehmen gar nicht riskant, wenn man sich mit der Natur der Anlageklasse „Aktien“ beschäftigt.

Man darf nur die entscheidenden Voraussetzungen nicht außer Acht lassen: Die Aktienanlagen müssen einen langfristigen Zeithorizont haben, kurz- bis mittelfristige Schwankungen bzw. Volatilität sind normal und dürfen nicht überbewertet werden, das Geld, welches zum kurzfristigen Liquiditätsbedarf gebraucht wird, darf nicht investiert werden.


Die Volatilität wird hoch bleiben

Nur auf den ersten Blick können die heftigen Verluste an Europas Aktienmärkten nach dem Brexit übertrieben erscheinen: Der Dax ist beispielsweise am Freitag – dem Tag nach dem Votum der Briten - zweitweise um rund ein Zehntel eingebrochen. Und das, obwohl der Umsatzanteil am Großbritannien-Geschäft der Unternehmen aus dem wichtigsten deutschen Aktienindex im Schnitt nur im deutlich einstelligen Prozentbereich liegt.

Selbst wenn der überwiegende Anteil dieser Firmenerlöse im Zuge des Austritts der Briten aus dem gemeinsamen Binnenmarkt deutlich einbrechen sollte, rechtfertigt das kaum einen Wertverlust der Unternehmen in Höhe von insgesamt rund 65 Milliarden Euro. Das ist in etwa die Summe, die allein am Freitag an Marktkapitalisierung bei den deutschen Bluechips vernichtet worden ist.

Anders aber sieht es aus, wenn man sich die politischen Risiken verdeutlicht, die der Wahlerfolg der EU-Gegner in Großbritannien befördert hat: Das Wahlergebnis könnte ein Indiz dafür sein, dass bald auch in anderen bisherigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nationalistische Kräfte Rückenwind verspüren werden – und mittelfristig das gesamte Projekt der europäischen Integration nicht mehr aufrechtzuerhalten sein könnte.

Schon jetzt ist absehbar, dass es in Zukunft weitere Volksentscheide ähnlich dem in Großbritannien geben dürfte – mit völlig ungewissem Ausgang. Ein Teil der kürzlich erlebten Kursschwankungen ist also auf diese Unsicherheit zurückzuführen. Je nachdem, wie sich der Abnabelungsprozess des Vereinigten Königreichs von der EU in den kommenden Monaten gestalten wird, dürften die Kursschwankungen entweder zurückgehen - oder aber nur einen Vorgeschmack auf das geliefert haben, was Dax & Co. noch bevorsteht.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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