Musterdepots: Turbulente sechs Monate an den Börsen

Musterdepots: Turbulente sechs Monate an den Börsen

, aktualisiert 03. Juli 2016, 18:57 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Das erste Halbjahr ist rum. Für Musterdepot-Autor Alexander Kovalenko Anlass, die Geschehnisse Revue passieren zu lassen – von Flash Crash in China bis Brexit. Was Anleger für die nächsten Monate lernen können.

FrankfurtEin turbulentes Halbjahr ist zu Ende. Das Jahr begann wie das vorige endete, mit Einfluss aus Fernost. Rezessionsängste durch ein sich stark verlangsamendes Wachstum in China schickten die Märkte auf Talfahrt. Am 11. Februar notierte der Dax zum Tagesende bei 8752 Punkten.

Damit verlor er seit Jahresanfang 18,5 Prozent und wegen der Schnelligkeit machte der Begriff „Flash Crash“ die Runde. Nachdem sich die Probleme in weiter Ferne als anscheinend nicht so tragisch rausstellten, erholten sich die Märkte wieder etwas. Jetzt haben wir die Unruhen vor der eigenen Haustür.

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Die Briten haben historisches geschafft und sind gleich zweimal innerhalb einer Woche aus Europa raus, einmal politisch und einmal im Fußball. Letzteres hat natürlich keinen Einfluss auf die Börse, aber vermutlich wird es zumindest den Engländern mehr und stärker in Erinnerung bleiben als das Referendum.

Diese Erosion erschütterte die Märkte kurz vor Halbjahresende erneut mit zwischenzeitlichen Tageskursverlusten im zweistelligen Bereich. Für den Anleger bleibt die nüchterne Bilanz von knapp minus zehn Prozent im Dax seit Jahresanfang. Das sieht bei anderen europäischen Aktienindizes nicht besser aus. Die amerikanischen Aktienindizes und die Schwellenländer haben ihre zwischenzeitlichen Verluste aber wieder aufgeholt.

Die sicheren Häfen wie Gold oder deutsche Staatsanleihen wurden wegen der Unruhen erneut stark nachgefragt. Gold in Euro legte um satte 22 Prozent zu. Wer seine Verluste in Grenzen gehalten hat, der kann jetzt durch Stockpicking die Basis für ein erfolgreiches zweites Halbjahr legen.


Kursgewinne bei spanischen Staatsanleihen

Während sich die spanische Nationalmannschaft am vergangenen Montag von der Europameisterschaft verabschiedet hat, konnten spanische Staatsanleihen zuletzt performancetechnisch ganz oben mitspielen. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen ist sukzessive auf etwa 1,15 Prozent gefallen. Noch am 24. Juni, dem Tag nach dem Brexit-Votum, war die Rendite auf 1,64 Prozent gestiegen. Ein Kursgewinn von über 3,5 Prozent in wenigen Handelstagen.

Neben dem britischen EU Referendum fand in der vergangenen Woche am Sonntag die Parlamentswahl in Spanien statt. Bei der Wahl im Dezember 2015 war es nicht gelungen, eine Regierungskoalition zu formen, so dass der spanische König Ende April die Auflösung des Parlaments einleitete und so den Weg für Neuwahlen am 26. Juni ebnete. Bis zum Wahltag sah es danach aus, als ob die erneute Wahl zu einem Links-Ruck im Land führen könnte. Dieser ist nun ausgeblieben.

Umfragen hatten die linke Protestpartei CDW Podemos, die gemeinsam mit der Vereinten Linken sowie regionalen Initiativen angetreten war, bereits als zweitstärkste politische Kraft des Landes gesehen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Verunsichert durch die Brexit-Wahl der Briten scheinen sich die Spanier lieber Altbewährtem zugewandt zu haben.

Die konservative Volkspartei PP um Ministerpräsident Mariano Rajoy verfehlte zwar erneut die absolute Mehrheit, konnte aber Stimmen zulasten der Linksparteien hinzugewinnen. Eine Koalition mit der liberalen Ciudadanos ist aber weiter nicht möglich. Allerdings ist eine Minderheitsregierung der PP mit einer Tolerierung durch die zweitstärkste Kraft, der sozialistischen PSOE, wahrscheinlicher geworden.

Die Erleichterung am Kapitalmarkt über einen zumindest einigermaßen konstruktiven Wahlausgang und die Hoffnung auf eine möglicherweise bald handlungsfähige Regierung führte zu deutlichen Kursgewinnen spanischer Staatsanleihen. Allerdings raten wir weiterhin zur Obacht, da die geringeren Risikoaufschläge schnell wieder steigen können, solange die Regierungsbildung nicht abgeschlossen ist.


Anleger sollten vorsichtig sein

Fast zwei Jahre sind vergangen seit dem Start der Musterdepots. Das Portfolio entwickelt sich in Übereinstimmung mit meinen übergeordneten Zielen: einer jährlichen Rendite von im Schnitt sechs bis acht Prozent – und deutlich niedrigeren Wertschwankungen im Vergleich zum Gesamtmarkt.

Der Wertzuwachs entspricht umgerechnet einer Rendite von 6,8 Prozent per annum und befindet sich damit exakt im angepeilten Ertragskorridor. Den Abstand zur Gewinnentwicklung des Vergleichsindexes Stoxx 50 hat das Handelsblatt-Depot erneut weiter ausgebaut – auf knapp 20 Prozentpunkte.

Auch in den kommenden Monaten erwarte ich eine unbeständige Entwicklung an den Börsen und werde entsprechend vorsichtig agieren. Zuletzt haben sich Dax & Co. zwar von dem Brexit-Schock spürbar erholt. Es ist allerdings mehr als fraglich, ob die scheinbare Gelassenheit der Anleger von Dauer sein wird. Die Hoffnung vieler Investoren: Zusätzliche geldpolitische Stimuli durch die Europäische Zentralbank.

Konkret setzten Börsianer darauf, dass die EZB noch einmal bei ihrem „QE“-Wertpapierkaufprogramm nachlegt, um die heimische Konjunktur anzukurbeln. Die Notenbank kauft bislang Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich.

Von den Spekulationen um neue Hilfen profitierten in den vergangenen Tagen sowohl die Kurse von Aktien als auch von Unternehmensanleihen. Doch meiner Einschätzung nach nimmt die stützende Wirkung zusätzlicher Notenbankmaßnahmen auf Dauer immer weiter ab – zumindest am Aktienmarkt. Darauf deutet der Rückblick auf die vergangenen Monate.

Während Anleiheinvestoren vor allem vom QE-Programm profitieren, kann von einem nachhaltig positiven Effekt am Aktienmarkt keine Rede sein. Seit dem Startschuss ihrer Wertpapierkäufe im März vergangenen Jahres haben die Europäische Zentralbank und die nationalen Notenbanken des Euro-Raums Anleihen im Wert von mehr als 900 Milliarden Euro aufgekauft.

Die Folgen am Rentenmarkt: Die Notierungen steigen, im Gegenzug rentieren inzwischen beispielsweise mehr als die Hälfte der Staatsanleihen des Euroraums negativ. Ernüchternd fällt dagegen die Bilanz für Aktien aus: So hat zum Beispiel der deutsche Leitindex Dax seit März vergangenen Jahres mehr als 15 Prozent nachgegeben. Das europäische Börsenbarometer Euro Stoxx 50 büßte seitdem sogar über 20 Prozent ein.

Fazit: Solange sich die fundamentalen Geschäftsaussichten der Unternehmen nicht deutlich bessern, sollten Aktienanleger einen erneuten Eingriff der EZB in die Märkte eher zum Risiko-Abbau nutzen als zur Aufstockung bestehender Depotpositionen.

Dass etwa der Dax die 10.000er-Marke im laufenden Börsenzyklus noch einmal nachhaltig überwindet, halte ich ohne einen kräftigen Schub bei den Unternehmensgewinnen für nahezu ausgeschlossen. Woher der aber auch mit Blick auf den absehbaren konjunkturellen  Dämpfer durch den Brexit kommen soll, weiß derzeit niemand.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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