Musterdepots: Vom ersten Schock erholt

Musterdepots: Vom ersten Schock erholt

, aktualisiert 04. Juli 2016, 18:17 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Auch wenn sich die Märkte trotz des Brexit-Votums wieder stabilisiert haben, gibt es Sorgen hinsichtlich der Konjunktur. Einige Musterdepot-Experten hatten die zwischenzeitlich sehr niedrigen Kurse für Nachkäufe genutzt.

FrankfurtDie Wertentwicklung der Musterdepot-Positionen ist im ersten Halbjahr 2016 ziemlich uneinheitlich verlaufen. Bei den Einzelaktien haben genau 50 Prozent von 14 Titeln die ersten sechs Monate des Jahres positiv abgeschlossen, wenn man die Dividendenausschüttungen mitrechnet. Der absolute Spitzenreiter war die Anglo American Aktie mit 115 Prozent Performance. Sehr gut haben außerdem Kesko (26 Prozent), ENI (8 Prozent) und Voestalpine (6 Prozent) abgeschnitten. Zu den negativen Ausreißern gehörten Peugeot (minus 33 Prozent) und Telecom Italia (minus 37 Prozent).

Bei den drei Ziel-Wikifolios, die sich die ganze Berichtsperiode im Musterdepot befunden haben, schaffte „SR wisdom capital spekulativ“ von Sebastian Reese eine positive Wertentwicklung von rund vier Prozent. Das „Dividende und Eigenkapital Deutschland“-Wikifolio von Holger Degener hat einen moderaten Verlust von rund drei Prozent verzeichnet, während das „ETF-Werte des ICAX“ von Uwe Freier eine negative Wertentwicklung von minus 12,5 Prozent hinnehmen musste.

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Unter dem Strich liegt unser Musterdepot seit Jahresultimo etwa 7,5 Prozent im Minus. Der Verlust ist somit moderater ausgefallen als beim Vergleichsindex Euro Stoxx 50.

Das Thema „Brexit“ hat bei unserem Musterdepot oder zumindest beim Aktienkernportfolio keine größere Rolle gespielt, weil unser Investmentprozess bei der Aktienauswahl auf fundamentalen Daten basiert. Wir haben die stark gefallenen Kurse für einige Nachkäufe genutzt, die sich bisher vor allem im Rohstoffsektor (Anglo American und BHP Billiton) richtig gelohnt haben.


Die Unsicherheit nimmt zu

Die Welt hat den Atem angehalten, als sich Großbritannien für einen Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen hat. Kommt es tatsächlich zum Brexit, verliert die EU ihr unter ökonomischen Gesichtspunkten nach Deutschland zweitwichtigstes Mitgliedsland. Als schwerwiegend können sich vor allem die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten, die mit dem Trennungsprozess nach Artikel 50 des EU-Vertrages verbunden sind, erweisen.

Aber nicht nur für Großbritannien brechen politisch unsichere Zeiten an, auch für die verbleibenden 27 EU-Staaten wird befürchtet, dass die politischen Fliehkräfte zunehmen und am Ende weitere Länder austreten könnten. Unter besonderer Beobachtung stehen dabei natürlich die Länder der europäischen Peripherie, gibt es doch auch dort in der Bevölkerung viele Vorbehalte gegen die EU und den Euro.

Im Unterschied zu Großbritannien würden diese Länder aber nicht nur ihren Status als EU-Mitglied verlieren, sondern auch die gemeinsame Währung, den Euro. Wie die gerade einmal ein Jahr zurückliegende „Grexit“-Debatte gezeigt hat, haben zwar viele EU-Bürger ein gespanntes Verhältnis zur Europäischen Union und ihren Institutionen, wollen den Euro als gemeinsame Währung aber doch behalten. Daher halten wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres europäisches Land aus der EU austreten wird, derzeit für eher gering, auch wenn andere rechts- und linkspopulistische Parteien in Europa versuchen werden, den Brexit für ihre Zwecke zu nutzen.

Zwar sorgen sich auch in vielen anderen Mitgliedssaaten der EU die Bürger um Themen wie Einwanderung, Terrorismus und die weitere wirtschaftliche Entwicklung, doch ist in keinem anderen europäischen Land die Einstellung der Bürger zum Thema „Freizügigkeit“, also der Tatsache, dass EU-Bürger überall in der EU leben, arbeiten, studieren und Geschäfte machen können, derart negativ wie in Großbritannien. Im Euro- Barometer aus dem Herbst 2015 bekannten sich nur 64 Prozent der befragten Briten zur Freizügigkeit, während sie 29 Prozent ablehnten. Ähnlich niedrig waren die Umfragewerte nur in Österreich (dafür: 66 Prozent, dagegen: 28 Prozent). In Deutschland sprachen sich dagegen 88 Prozent der Befragten für die Freizügigkeit aus und nur zehn Prozent dagegen.


Sentix-Experten geben Hinweise

Die Gegenbewegung an den Aktienmärkten nach dem Brexit-Crash ist auf tönernen Füßen gebaut – darauf deutet auch ein wichtiger Frühindikator: Die Konjunkturerwartungen institutioneller Anleger für den Euro-Raum sind nach dem Nein-Votum der Briten zur EU auf den tiefsten Stand seit mehr als anderthalb Jahren eingebrochen. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Beratungsunternehmens Sentix hervor, das regelmäßig Informationen zum Anlegerverhalten und zur Anlegerpsychologie ermittelt.

Auch wenn sich die Märkte von ihrem ersten Schock erholt haben, trifft dies auf die konjunkturelle Situation nicht in gleichem Umfang zu, warnen Sentix-Experten. Laut den aktuellen Umfrageergebnissen befinde sich die wirtschaftliche Entwicklung stattdessen gefährlich nahe an einer Stagnation. Diese erste verlässliche Indikation darüber, inwieweit sich das unerwartete Votum der Briten für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU tatsächlich auf die Wirtschaft auswirkt, sollte vor allem auch Dax-Anleger alarmieren.

Dürfte doch Deutschland als einer der größten Handelspartner Großbritanniens besonders unter einem möglichen Ausfuhreinbruch leiden. Bisher sind Fachleute des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) davon ausgegangen, dass das Wachstum der Bundesrepublik in direkter Folge des Brexit-Votums um mehr als ein Viertel einbrechen könnte – von bisher 1,4 Prozent auf nur noch knapp einem Prozent. Doch die Sentix-Daten lassen nun noch Gravierenderes möglich erscheinen. Anleger sind gut beraten, kurzfristig eine abwartende Haltung am deutschen Aktienmarkt einzunehmen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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