Musterdepots: Von Optimisten und Pessimisten

Musterdepots: Von Optimisten und Pessimisten

, aktualisiert 09. Januar 2017, 18:42 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Wie wird das Börsenjahr 2017, fragen sich auch die drei Depotstrategen. Während Georgios Kokologiannis und Sönke Niefünd deutliche Risiken sehen, zeigt sich Alexander Kovalenko eher zuversichtlich.

Der schwache Euro gilt als Haupttreiber der jüngsten Dax-Rally. Dauerhaft profitieren werden die Kurse davon aber nicht. Anders als die meisten Analysten erwarte ich nicht, dass der Euro zum Dollar tatsächlich die Parität erreicht und so die hiesigen Exporte nachhaltig profitieren. Denn die Geldpolitik in der Euro-Zone und die in den USA werden sich früher wieder annähern, als derzeit allgemein erwartet wird.

Längst gibt es Hinweise darauf, dass eine weitere Abwertung des Euros keine ausgemachte Sache mehr ist, etwa das aktuelle, vorläufige Ende der Abwärtsbewegung: Nach der jüngsten Erholung der Gemeinschaftswährung liegt der Wechselkurs im Verhältnis zum US-Dollar inzwischen wieder bei 1,053 Dollar – und damit rund zwei US-Cent über seinem 14-Jahres-Tief der Vorwoche.

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Zudem gilt bei Wechselkurseffekten ohnehin: Des einen Freud ist des anderen Leid. US-Firmen büßen durch die Dollar-Aufwertung an Wettbewerbsfähigkeit ein, was die weltweit richtungsweisende Wall Street belasten wird. Waren us-amerikanischer Unternehmen verteuern sich dadurch in der Eurozone. Das könnte die aktuell erwartete, lang ersehnte Erholung bei den Gewinnen der börsennotierten Firmen in den USA rasch wieder abwürgen.

Genau darauf zielt etwa die Skepsis der US-Notenbanker, die den am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Protokollen der vergangenen Fed-Sitzung zu entnehmen ist: Zwar sind die Währungshüter demnach bereit, die Zinsen bei Bedarf rascher anzuheben als bisher angedeutet. Allerdings betonen sie auch, dass die Konjunkturerwartungen mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind. Vor allem auf die negativen Folgen einer anhaltenden Dollar-Aufwertung wird in den Papieren mehrfach hingewiesen.


Unternehmensanleihen bevorzugt

Seit dem 7. Dezember gab es keine Korrektur im Dax. Der deutsche Leitindex verharrt weiterhin auf hohem Niveau. Technisch orientierte Anleger sehen derzeitig positive Aussichten für den Dax. Wir sind sehr vorsichtig, da es vielleicht die Ruhe vor dem Sturm ist.

Die Anleihenemissionen der Unternehmen und Banken nehmen nun langsam zu. Unternehmensanleihen genießen nach wie vor unsere Präferenz. Die allmähliche Erholung des Wirtschaftswachstums und die Kaufprogramme der Notenbanken werden den Sektor der Unternehmensanleihen weiter stützen. Mögliche Zinsschritte aus den USA können an den weltweiten Anleihemärkten in 2017 für weitere Volatilität sorgen. Daher sollten auch gut gelaufene Anleihen mit einem Stopp-Loss abgesichert werden. Respektive sollten Anleger bei Unternehmensanleihen guter Bonität Kurskorrekturen als Kaufgelegenheit sehen.

So hat heute auch Enel einen sogenannten Greenbond mit einer Laufzeit von sieben Jahren begeben. Green Bonds (Grüne Anleihen) sind eine junge Assetklasse, mit der Investoren die Finanzierung von nachhaltigen Projekten unterstützen können. Dabei wird die Nachhaltigkeit auf die Zweckbindung abgestellt und weniger auf den Emittenten. Der Emittent Enel verpflichtet sich, den Erlös aus der Neuemission ausschließlich im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms „Enel 2017-2019“ ein zusetzen.

Die Rendite liegt bei einem Prozent, was für institutionelle Anleger interessant erscheint. Privatanleger erwarten allerdings einfach mehr Rendite für eine Laufzeit von sieben Jahren. Letzteres ist auch der Grund dafür, warum wir  diesen Green Bond für das Privatbank Musterdepot nicht kaufen.


Globale Wirtschaft wird 2017 wachsen

Der schwache Euro sowie der anziehende Welthandel haben im November den deutschen Exporteuren zu einem Rekordergebnis verholfen. Mit einem Exportvolumen von 108,5 Milliarden Euro wurde das alte Bestergebnis aus dem März 2015 übertroffen. Zum Vormonat sind die Ausfuhren im November um fast vier Prozent gestiegen und somit so stark wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.

Vor allem das US-Geschäft läuft derzeit aufgrund einer Euro-Schwäche sehr erfreulich, die Nachfrage aus dem Euro-Ausland legte ebenfalls zu. Darüber hinaus hellt sich die Konjunktur in China sowie in einigen anderen Schwelländern auf, was die deutschen Exporte begünstigt. Die Importe sind im November ebenfalls mit 3,5 Prozent merklich gestiegen, was auf eine stabile Binnennachfrage hinweist.

Trotz eines beeindruckenden Jahresendspurtes spricht jedoch alles dafür, dass das abgelaufene Jahr 2016 für die deutschen Exporteure eher durchwachsen war. Von Januar bis November legte das Exportvolumen um lediglich 0,8 Prozent zur Vorjahresperiode zu. Auf der anderen Seite sind die Vorzeichen am Jahresanfang deutlich positiver als vor zwölf Monaten. Anfang 2016 machte sich die Angst um das globale und vor allem chinesische Konjunkturwachstum breit, was die Aktienmärkte unter starken Druck setzte. Derzeit herrscht eine eher positive Stimmung in Bezug auf das globale Wirtschaftswachstum. Dies stellt einen guten Ausgangspunkt für das Börsenjahr 2017 dar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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